
Der heilige Sebastian gehört zu den bekanntesten Märtyrern der frühen Kirche. Nach dem Zeugnis des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand wurde er möglicherweise in Mailand geboren, anderen Legenden zufolge in Narbonne. Historisch gesichert ist vor allem sein Grab an der Via Appia in Rom, bei der heutigen Kirche San Sebastiano fuori le mura, eine der sieben Hauptkirchen Roms.
Die Legende, die wohl im 5. Jahrhundert entstand, berichtet, dass Sebastian zur Zeit von Papst Gaius und der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian Hauptmann der Prätorianergarde war. Seinen christlichen Glauben hielt er zunächst geheim, nutzte jedoch seine Stellung, um verfolgte Christinnen und Christen in den Gefängnissen Roms zu stärken, Märtyrer zu bestatten und neue Gläubige zu gewinnen.
Als Diokletian von Sebastians Glauben erfuhr, ließ er ihn an einen Baum binden und von Bogenschützen mit Pfeilen durchbohren. Sebastian überlebte diese Hinrichtung, wurde von der Christin Irene gesund gepflegt und trat dem Kaiser später erneut öffentlich entgegen. Daraufhin ließ Diokletian ihn im Stadion der kaiserlichen Domus Augustana auf dem Palatin zu Tode peitschen. Sein Leichnam wurde in die Cloaca Maxima geworfen, jedoch von der Christin Lucina geborgen und in den Katakomben an der Via Appia bestattet.
Sebastians Grab wurde schon früh verehrt. Im 4. Jahrhundert entstand dort eine Apostelkirche, später die heutige Kirche San Sebastiano fuori le mura, eine der sieben klassischen Pilgerkirchen Roms. Sein Martyrium in Rom ist erstmals im Jahr 354 bezeugt. Obwohl die Legende nur geringen historischen Quellenwert besitzt und Elemente anderer Märtyrererzählungen vereint, prägte sie die Frömmigkeit und Kunst über Jahrhunderte hinweg.
Seit dem frühen Mittelalter wird Sebastian vor allem als Schutzpatron gegen Pest und Seuchen verehrt. Pfeile galten als Sinnbild plötzlich auftretender Krankheiten. Besonders bekannt ist eine Pestepidemie in Pavia (680), die nach der Übertragung seiner Reliquien als beendet galt. Sein Kult verbreitete sich stark in Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Zahlreiche Städte, Bruderschaften und Kirchen tragen seinen Namen.
Sebastians Reliquien wurden an viele Orte übertragen, unter anderem nach Soissons, Aversa, Ebersberg, Haguenau und Württemberg. Sogenannte „Sebastianspfeile“ galten als Schutzamulette. Bis heute verbinden sich mit seinem Gedenktag am 20. Jänner Bauernregeln, Wetterdeutung und Brauchtum wie der „Sebastianswein“.
Die sogenannte Sebastianikälte bezeichnet die oft besonders kalte Zeit Mitte bis Ende Jänner. Zugleich galt der Sebastianstag im Bauernjahr als Zeitpunkt, an dem „der Saft in die Bäume steigt“.