Papst Franziskus hat die internationale Gemeinschaft angesichts der zahlreichen Krisenherde zu verstärkten Anstrengungen für den Weltfrieden aufgerufen. Gegenwärtig herrsche ein "regelrechter Weltkrieg in Stücken", der sich in den einzelnen Teilen der Erde in verschiedener Intensität zeige, sagte der Papst am Montag beim Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps im Vatikan.
Ursprung all dieser Konflikte sei eine "Wegwerfkultur", die den Menschen und die Schöpfung missachte. Diese Einstellung liege auch dem religiösen Fundamentalismus mit seinen jüngsten Terrorakten in Frankreich, Nigeria und Pakistan zugrunde.
Dabei werde im Mitmenschen nur ein Objekt und ein "Untertanen, der zu beherrschen ist", gesehen. Damit würden nicht nur die intimsten Bindungen zwischen Menschen, sondern es werde auch die gesamte Gesellschaft zerstört. Gewalt und Tod seien die Folgen.
Religiöser Fundamentalismus "wirft" aber nicht nur die Menschen weg, die durch grausame Massaker getötet würden, sondern er werfe Gott selbst weg. Er werde zu einem rein ideologischen Vorwand, so der Papst.
Franziskus forderte die internationale Gemeinschaft in seiner Ansprache erneut zu "konkreten Initiativen" zum Schutz der verfolgten Christen und anderer Minderheiten im Irak und in Syrien auf. Die religiösen, politischen und geistigen Führer,"insbesondere auf islamischer Seite" rief er auf, jede fundamentalistische und extremistische Interpretation der Religion zu verurteilen.
Weiter sagte er, angesichts dieser "ungerechten Aggression" müsse die Staatengemeinschaft geschlossen handeln, um die Ausbreitung der Gewalt zu stoppen. Dies müsse im Einklang mit dem Völkerrecht geschehen. "Ein Naher Osten ohne Christen wäre entstellt und verstümmelt".
Zugleich forderte der Papst die Konfliktparteien in der Ukraine zur Anerkennung des Völkerrechts, zu einem aufrichtigen Dialog und zu Versöhnung auf. Im israelisch-palästinensischen Konflikt verlangte Franziskus eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung. Er äußerte sich zudem besorgt über die Situation in Libyen, in der Zentralafrikanischen Republik, im Kongo und im Südsudan.
Franziskus prangerte zudem Massenvergewaltigungen in bewaffneten Konflikten an. Diese seien eine "äußerst schwerwiegende Beleidigung der Würde der Frau". Die Frauen würden dadurch nicht nur körperlich verletzt, sondern auch seelisch. Viele Opfer hätten Traumata, die nur schwer zu heilen seien. Leider gebe es auch dort, wo keine Kriege herrschten, häufig Gewalt gegen Frauen, beklagte der Papst.
Franziskus begrüßte ferner den Willen der Vereinigten Staaten, das Gefangenenlager im kubanischen Guantanamo endgültig zu schließen.
Weiter rief Franziskus die Staatengemeinschaft angesichts der andauernden Flüchtlingsströme zu einer "Lösung der humanitären Probleme" auf. Zudem müsse sie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern der Flüchtlinge fördern.