Die Geschichte der Erzdiözese Wien ist Teil der Geschichte des Christentums im Donauraum: Von den römischen Anfängen bis zur Gegenwart.
Die Anfänge des Christentums im Gebiet des heutigen Österreichs liegen in der Spätantike. In den römischen Provinzen Noricum und Pannonia verbreitete sich der Glaube entlang der Donau, getragen von christlichen Soldaten und Händlern. Es ist anzunehmen, dass im römischen Vindobona (Wien) private christliche Hausgemeinschaften existierten, wenngleich eine formelle kirchliche Hierarchie dort nicht nachweisbar ist. Kirchenrechtlich orientierte sich die Region an den Metropolen des Reiches; das östliche Noricum unterstand wahrscheinlich der Metropolie Sirmium in Pannonia, aber auch Lauriacum (Lorch bei Enns) gilt als als weiterer wichtiger Bischofssitz im Donauraum der Antike.
Das christliche Bekenntnis dieser Frühzeit wird durch die Märtyrerakten bezeugt. Der Heilige Florian von Lorch (gest. 304 n. Chr.), ein römischer Beamter, ist der prominenteste Vertreter. Mit dem Zusammenbruch der römischen Verwaltung im 5. Jahrhundert trat der Heilige Severin von Noricum (gest. 482 n. Chr.) als moralische und organisatorische Autorität hervor, der von Mautern an der Donau aus die verbleibende romanische Bevölkerung betreute.
Nach einer Phase des strukturellen Niedergangs erfolgte die nachhaltige Neumissionierung ab dem 8. Jahrhundert. Sie ging von den bayerischen Missionszentren aus, wodurch das Gebiet des heutigen Wien und Niederösterreich für sieben Jahrhunderte dem Bistum Passau unterstellt wurde. Die Verwaltung erfolgte über einen bischöflichen Offizial in Wien.
Unter den Babenbergern (10. bis 13. Jahrhundert) wurde die politische Konsolidierung Österreichs vorangetrieben. Trotz wiederholter Versuche gelang es den Babenbergern nicht, ein eigenes Bistum zu gründen. Die Babenberger förderten daher die Verehrung dynastischer Schutzheiliger (z. B. Koloman) und die Gründung von Klöstern (z. B. Klosterneuburg, Heiligenkreuz) als politische und wirtschaftliche Stützen.
Die kirchliche Etablierung des habsburgischen Machtbereichs erfolgte im 15. Jahrhundert unter Kaiser Friedrich III., der die Errichtung zweier Bistümer initiierte:
Die frühe Phase der Bistümer war von der Reformation überschattet. Erst im Zuge der Gegenreformation unter Kardinal Melchior Khlesl und durch die Ansiedlung des Jesuitenordens (mit Petrus Kanisius) gelang die religiöse Stabilisierung.
Im frühen 18. Jahrhundert wurde das Bistum Wien unter Kaiser Karl VI. zur Erzdiözese erhoben (1722). Die Wiener Erzbischöfe trugen fortan den Titel Fürsterzbischof. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts setzten die theresianischen und josephinischen Reformen ein. Unter Kaiser Joseph II. erreichte der Josephinismus seinen Höhepunkt, der eine strikte Unterordnung der Kirche unter die Staatsgewalt bezweckte.
Die Diözesanregulierung von 1784/85 unter Erzbischof Christoph Anton Migazzi schuf die Wiener Kirchenprovinz. Die Bindung an Passau wurde endgültig gelöst, das Erzbistum Wien erhielt ein erheblich vergrößertes Territorium. Im Zuge dessen wurde das historische Bistum Wiener Neustadt aufgehoben; sein weltkirchliches Territorium wurde in das Erzbistum Wien eingegliedert. Gleichzeitig wurden die Diözesen Linz und St. Pölten als neue Suffraganbistümer der Metropolie unterstellt. Das Bistum Wiener Neustadt selbst wurde in ein Militärbistum umgewandelt (Militärordinariat), dessen Jurisdiktion fortan nur noch personell die Angehörigen der Armee umfasste.
Am Beginn des 19. Jahrhunderts wirkte Klemens Maria Hofbauer als wichtiger Seelsorger in Wien und viele neue karitative Orden ließen sich in der Stadt nieder. Die katholische Kirche in der Habsburgermonarchie war nach Jahrzehnten des Staatskirchentums eng mit der staatlichen Verwaltung verzahnt. Dem Erzbischof der k. u. k. Residenzstadt Wien kam durch seine Nähe zum Kaiser eine Schlüsselposition in der komplexen Beziehung zwischen Monarch und Kirche zu. Die nicht immer harmonische Zusammenarbeit zwischen dem Erzbistum und der Donaumonarchie endete nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Der Erste Weltkrieg und der Zusammenbruch der Monarchie im Jahr 1918 beendeten abrupt die Ära des Staatskirchentums. Die Erzdiözese Wien musste ihre Rolle in der neuen Republik Österreich neu bestimmen. Nach dem Ende der Monarchie kam 1921 das Burgenland zu Österreich. Am 18. Mai 1922 wurde dem Wiener Erzbischof die Apostolische Administration des Burgenlands übertragen. Seit 1960 ist Eisenstadt ein eigenes Bistum innerhalb des Territoriums der Wiener Kirchenprovinz.
In der Zwischenkriegszeit wurde das soziale Engagement der Erzdiözese immer wichtiger. Doch mit dem Aufstieg der autoritären Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur, die sich auf eine einseitige Interpretation der Enzyklika "Quadragesimo anno" berief, kehrte das Staatskirchentum zurück.
Nach dem "Anschluss" 1938 hoffte Kardinal Theodor Innitzer auf ein Arrangement mit dem Nationalsozialismus. Er unterzeichnete den Aufruf der Nationalsozialisten, bei der Volksabstimmung mit "Ja zum Anschluss" zu stimmen („Feierliche Erklärung der österreichischen Bischöfe“), und fügte der Erklärung noch "Heil Hitler!" hinzu. Die Unterschrift beinhaltete allerdings keine Deklaration für den Nationalsozialismus selbst. In der Folge distanzierte sich Papst Pius XI. vehement von der bischöflichen Loyalitätsbekundung und ließ Innitzer im April 1938 eine Klarstellung unterzeichnen. Zum NS-Regime ging der Kardinal sehr bald auf Distanz: Nach seiner "Christus ist unser König"-Predigt vor katholischen Jugendlichen im Herbst 1938, die sich gegen den Hitlerkult wandte, wurde das Erzbischöfliche Palais von der Hitlerjugend verwüstet, ohne dass die Polizei einschritt. Innitzer wurde von seinem Sekretär versteckt. 1940 errichtete Innitzer eine "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“, die Fluchthilfe für hunderte Menschen leistete.
Die Nachkriegszeit wird vor allem durch das Bild des ausgebrannten Stephansdomes symbolisiert. Der Wiederaufbau des Doms erfolgte unter Dombaumeister Karl Holey. Die feierliche Wiedereröffnung des Doms erfolgte bereits während der Bauarbeiten am 19. Dezember 1948; Langhaus und Chor wurden 1952 fertiggestellt, und der Südturm wurde von 1954 bis 1965 restauriert.
Der ökumenische und interreligiöse Dialog entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer zentralen Aufgabe der Wiener Erzbischöfe, insbesondere unter Kardinal Franz König und später unter Kardinal Christoph Schönborn.
Der 1995 von Betroffenen öffentlich gegen Erzbischof Hans Hermann Groër erhobene Vorwurf der sexuellen Belästigung Minderjähriger, der niemals völlig entkräftet werden konnte, führte einerseits zu seinem Rücktritt und andererseits zur schwersten Krise der katholischen Kirche im ausgehenden 20. Jahrhundert. Dazu kamen in der Folge Vorwürfe von Betroffenen, die in Einrichtungen der katholischen Kirche Opfer sexueller Gewalt geworden waren. Die Skandale bewirkten einen massiven Anstieg von Kirchenaustritten.
Die Amtszeit von Kardinal Christoph Schönborn, der von 1995 bis zu seiner Emeritierung am 22. Jänner 2025 Erzbischof von Wien war, stand im Zeichen der Bewältigung tiefgreifender Krisen und der strukturellen Neuausrichtung der Erzdiözese.
Seine Führung war maßgeblich von der aktiven Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geprägt. Unmittelbar nach den Erschütterungen der Jahrtausendwende etablierte die Erzdiözese Wien unter seiner Leitung frühzeitig Strukturen zur Opferanerkennung und zur finanziellen Hilfe für Betroffene. Er setzte auf die Einrichtung unabhängiger Kommissionen zur Untersuchung von Fällen und führte umfassende Präventionskonzepte ein, um die historische Verantwortung der Kirche wahrzunehmen und Vertrauen zurückzugewinnen.
Schönborn setzte zudem ökumenische und interreligiöse Akzente. Er pflegte die Tradition der "Öffnung nach Osten", indem er intensive Kontakte zu den orthodoxen Kirchen förderte. Angesichts Wiens multikultureller Bevölkerung betonte er den Dialog mit dem Islam und die Pflege der Beziehungen zur jüdischen Gemeinde als zentrale Aufgaben der urbanen Kirche.
Die Erzdiözese unterzog sich unter seiner Leitung weitreichenden Strukturreformen. Angesichts des demografischen Wandels und des Priestermangels wurden traditionelle Pfarren zu größeren, administrativ eigenständigen Einheiten zusammengelegt, um eine effizientere Nutzung der Ressourcen und eine stärkere Einbindung der Laien in Leitungsaufgaben zu ermöglichen. Begleitet wurden diese Reformen von der Stadtmission und Initiativen zur Neuevangelisierung im urbanen Raum, die auf die wachsende Distanz der Menschen zur Kirche reagieren sollten.
Als Kardinal und anerkannter Theologe spielte Schönborn eine bedeutende Rolle in der Weltkirche. Er nahm an den Konklaven von 2005 und 2013 teil, bei denen Papst Benedikt XVI. beziehungsweise Papst Franziskus gewählt wurden. Darüber hinaus war er auf zahlreichen Bischofssynoden im Vatikan an der Ausarbeitung päpstlicher Schreiben beteiligt, unter anderem als Generalrelator bei der Synode zur Familie, was die internationale Bedeutung der Erzdiözese Wien festigte.
Papst Franziskus nahm seinen Rücktritt an seinem 80 Geburtstag, dem 22. Jänner 2025 an und ernannte Mag. Josef Grünwidl zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese. Am 17. Oktober desselben Jahres ernannte Papst Leo XIV Grünwidl zum 33.Bischof und 17. Erzbischof von Wien.