Michael Altkind (Administrator 1469–1474/75)
Michael Altkind steht am Anfang der Geschichte des Bistums Wiener Neustadt – und doch war er formal nie dessen Bischof. Als bereits geweihter Bischof von Petena wurde er von Kaiser Friedrich III. unmittelbar nach der Gründung des neuen Bistums zum Administrator bestellt. In einer Zeit, in der Wiener Neustadt noch keinerlei diözesane Strukturen besaß, führte Altkind die junge Diözese aus den Räumen des weltlichen Chorherrenstiftes heraus und legte damit die ersten organisatorischen Grundlagen. Seine Doppelrolle – Propst der Chorherren und Leiter des neuen Bistums – machte ihn zur Schlüsselfigur der Anfangsjahre. Er blieb in Wiener Neustadt, fern von seinem eigentlichen Bischofssitz in Krain, und führte beide Institutionen mit bemerkenswerter Ruhe und Pragmatik. Sein Tod 1474/75 beendete die provisorische Phase des Bistums und zwang den Kaiser, erstmals einen eigenen Bischof zu ernennen. In der Erinnerung gilt Altkind dennoch als der „erste Bischof“, weil er das Fundament legte, auf dem seine Nachfolger aufbauen konnten.
Peter Engelbrecht (1477–1491)
Peter Engelbrecht, aus Passail stammend und einst Erzieher des jungen Maximilian I., war der erste wirkliche Bischof von Wiener Neustadt – und eine Persönlichkeit von Format. 1477 von Papst Sixtus IV. ernannt und 1478 in Rom persönlich geweiht, verband er geistliche Integrität mit organisatorischem Geschick. Engelbrecht baute den Bischofshof aus, legte eine bemerkenswerte Bibliothek an und führte neue Marienfeste in der Diözese ein. Sein „Kalendarium“ von 1483 ist ein einzigartiges Dokument der frühen Bistumsgeschichte. Zugleich geriet er in einen erbitterten Konflikt mit dem Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr, der die Gründung des Bistums nie akzeptiert hatte. Engelbrecht verteidigte die Unabhängigkeit der Diözese mit großer Standhaftigkeit. Auch die vom Kaiser gewünschte Union mit dem St. Georgs‑Ritterorden lehnte er entschieden ab. Sein Tod 1491 markierte das Ende einer Aufbauphase, die er mit Energie, Frömmigkeit und einem klaren Bewusstsein für die Würde seines Amtes geprägt hatte.
Augustin Kiebinger (1491–1495)
Augustin Kiebinger, zuvor Propst der regulierten Augustiner‑Chorherren in Wiener Neustadt, wurde 1491 auf kaiserliche Initiative zum zweiten Bischof ernannt. Seine Wahl war Teil eines politischen Kompromisses: Friedrich III. wollte die Chorherren für eine Union mit dem St. Georgs‑Ritterorden gewinnen, doch Kiebinger verweigerte – wie schon Engelbrecht – konsequent das Tragen des Ordenshabits. Rom stellte sich auf seine Seite und inkorporierte den Dom endgültig dem Chorherrenstift. Kiebinger übernahm eine Diözese, die noch immer unter den Folgen der ungarischen Besetzung litt, und bemühte sich um Stabilität und geistliche Ordnung. Seine Amtszeit blieb kurz, aber bedeutsam: Unter ihm wurde das Domkapitel erstmals dauerhaft mit regulierten Chorherren besetzt, was die kirchliche Identität des Bistums nachhaltig prägte. Kiebinger starb 1495 und wurde im Dom beigesetzt – als letzter Bischof, der noch unmittelbar in der Gründungsphase wirkte.
Administrator Johann Huntzdorfer (1495–1497)
Nach Kiebingers Tod fiel das Bistum in eine lange Phase der Sedisvakanz. Der Chorherrenpropst Johann Huntzdorfer übernahm als Administrator die Leitung der Diözese. Er war ein entschiedener Gegner der vom Kaiser gewünschten Union mit dem St. Georgs‑Ritterorden und verteidigte die Rechte seines Konvents mit großer Beharrlichkeit. Unter seiner Führung stabilisierte sich die Verwaltung des Bistums, das nun faktisch von den regulierten Chorherren getragen wurde. Huntzdorfer bestellte einen Offizial, der die Rechtsprechung und Teile der Verwaltung übernahm – ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung der Diözesanstrukturen. Seine Amtszeit war kurz, aber sie legte den Grundstein für die jahrzehntelange Verwaltung des Bistums durch die Chorherren. Huntzdorfer starb 1497 und hinterließ ein Bistum, das trotz politischer Spannungen innerlich gefestigt war.
Administrator Bernhard Zottmann (1497–1503)
Bernhard Zottmann, ein energischer und durchsetzungsstarker Propst, führte das Bistum in einer Zeit, in der die Frage der Zugehörigkeit des Domes erneut umstritten war. Er blieb – wie seine Vorgänger – ein entschiedener Gegner der Union mit dem St. Georgs‑Ritterorden und verteidigte die Rechte der Chorherren mit juristischer und politischer Geschicklichkeit. Unter seiner Leitung gelang es, die Position des Kapitels gegenüber dem Kaiserhof zu stärken. Zottmann war zugleich ein fähiger Verwalter, der die wirtschaftliche Basis des Bistums sicherte und die geistliche Disziplin im Klerus förderte. 1503 wurde er zum Propst von St. Dorothea in Wien gewählt und verließ Wiener Neustadt. Seine Amtszeit markiert die Phase, in der die Chorherren endgültig als Träger der Diözesanverwaltung etabliert wurden.
Administrator Egidius Wiblinger (1503–1512)
Egidius Wiblinger – auch Ubleys genannt – übernahm das Bistum in einer Phase wachsender Spannungen. Der St. Georgs‑Ritterorden erhob erneut Anspruch auf Dom und Pfarre, und Wiblinger musste die Rechte seines Konvents energisch verteidigen. 1506 gelang es ihm, vom König eine Bestätigung aller Privilegien zu erhalten, doch nur Monate später setzte sich der Ritterorden durch: Maximilian I. übertrug Dom und Pfarre den Georgsrittern. Wiblinger und sein Konvent wehrten sich fast zwei Jahre lang, mussten aber 1508 schließlich weichen und in das notdürftig wiederhergestellte Kloster St. Ulrich zurückkehren. Trotz dieser Niederlage blieb Wiblinger ein gewissenhafter Administrator, der die geistliche Versorgung der Stadt sicherstellte. Er starb 1512 – kurz bevor der Ritterorden selbst die Verwaltung des Bistums übernahm.
Administrator Wolf Hamerbach (1510–1530, St. Georgs‑Ritterorden)
Mit Wolf Hamerbach übernahm erstmals ein Vertreter des St. Georgs‑Ritterordens die Verwaltung des Bistums. Als Senior des Ordens war er formal Verweser, überließ die praktische Leitung jedoch seinem Generalvikar Johann Schlosser von Hambach. Die Verwaltung durch den Orden erwies sich als wenig effektiv: wirtschaftliche Probleme verschärften sich, die geistliche Disziplin litt, und die Diözese verlor an Stabilität. Hochmeister Johann Geymann erkannte die Missstände und drängte auf die Ernennung eines echten Bischofs. Hamerbachs Amtszeit markiert die tiefste Krise des Bistums vor der Reformation – eine Phase, in der die institutionelle Identität der Diözese nahezu erodierte. Erst 1531 wurde mit Gregor Angrer wieder ein Bischof eingesetzt.
Gregor Angrer von Angerburg (1531–1548)
Gregor Angrer, aus einer angesehenen Wiener Familie, wurde auf Empfehlung Johann Fabris zum Bischof ernannt. Seine Amtszeit fiel in eine Zeit großer Herausforderungen: die Türkenkriege, die beginnende Reformation und die wirtschaftliche Schwäche des Bistums. Angrer war häufig abwesend, da er gleichzeitig Ämter in Brixen innehatte, bemühte sich jedoch bei seinen Aufenthalten in Wiener Neustadt um die rechtliche Sicherung der Diözese und die Wiederherstellung kirchlicher Ordnung. Er versuchte, die Auswirkungen der Reformation einzudämmen, doch die Mittel waren begrenzt. Angrer starb 1548 in Wien. Seine Amtszeit war geprägt von äußeren Bedrohungen und innerer Erosion – ein schwieriges Kapitel der Bistumsgeschichte.
Heinrich Muelich (1548–1550)
Heinrich Muelich, zuvor Hofprediger Ferdinands I., übernahm ein Bistum in desolatem Zustand. In seinen Berichten an den Kaiser schilderte er drastisch die Lage: verwaiste Pfarren, kaum Einkünfte, ein dramatischer Priestermangel. Muelich war ein Mann klarer Worte und versuchte, die schlimmsten Missstände zu beheben, doch seine Amtszeit war zu kurz, um nachhaltige Reformen durchzusetzen. Er starb bereits 1550. Seine zwei Jahre im Amt zeigen die strukturelle Schwäche des Bistums in einer Zeit, in der die Reformation bereits tief in die Bevölkerung eingedrungen war.
Christoph Wertwein (1550–1553)
Christoph Wertwein, Beichtvater Kaiser Ferdinands I., wurde aus politischen Gründen nach Wiener Neustadt entsandt. Er sollte als loyaler Vertreter des Hofes wirken und die Diözese stabilisieren. Doch schon 1552 starb der Wiener Bischof Nausea, und Wertwein wurde nach Wien transferiert. Seine kurze Amtszeit in Wiener Neustadt war geprägt von dem Versuch, die Verwaltung beider Diözesen zu koordinieren – ein frühes Experiment kirchlicher Zentralisierung. Obwohl er nur drei Jahre amtierte, hinterließ er Spuren in der Verwaltungsstruktur des Bistums.
Franz Abstemius (1553–1558)
Franz Abstemius, ein humanistisch gebildeter Adliger, trat sein Amt in einer Zeit großer Unsicherheit an. Er war Zeuge eines spektakulären Raubes im Dom, bei dem wertvolle kaiserliche Urkunden entwendet wurden – ein Symbol für die fragile Lage der Diözese. Abstemius genoss hohes Ansehen am Hof und taufte 1558 Erzherzog Maximilian III. Er bemühte sich, die katholische Disziplin zu wahren, während große Teile der Bürgerschaft bereits protestantisch geprägt waren. Seine Amtszeit war ein Balanceakt zwischen Hofnähe, seelsorglicher Verantwortung und den Realitäten einer religiös gespaltenen Stadt.
Martin Duelacher (1558–1559)
Martin Duelacher, Abt des Zisterzienserstiftes Rein, wurde als Reformbischof nach Wiener Neustadt berufen. Er hatte in seinem Kloster erfolgreiche Reformen durchgeführt und sollte nun die Diözese erneuern. Doch politische Intrigen um einen geplanten Klostertausch und sein plötzlicher Tod in der Neujahrsnacht 1559 verhinderten, dass er sein Amt überhaupt antreten konnte. Duelacher bleibt eine tragische Figur: ein fähiger Reformer, dessen Wirken in Wiener Neustadt nie beginnen durfte.
Kaspar von Logau (1560–1562)
Kaspar von Logau, aus schlesischem Adel und gemeinsam mit den kaiserlichen Prinzen erzogen, war ein Vertreter des tridentinischen Reformgeistes. Seine kurze Amtszeit nutzte er, um die Priesterausbildung zu fördern und die Beschlüsse des Konzils von Trient in der Diözese zu verankern. Logau war ein Übergangsbischof, der die Weichen für eine katholische Erneuerung stellte, bevor er 1562 zum Fürstbischof von Breslau berufen wurde.
Christian Napponäus (1564–1571)
Christian Napponäus trat sein Amt in einer Zeit an, in der die Reformation in Wiener Neustadt bereits tief verwurzelt war. Er kämpfte gegen das „Auslaufen“ der Bürger zu protestantischen Predigten in der Umgebung und versuchte durch Visitationen und Predigten gegenzusteuern. Doch der Magistrat der Stadt duldete oder förderte den neuen Glauben, sodass Napponäus oft machtlos blieb. Seine Amtszeit zeigt die Grenzen bischöflicher Autorität in einer Stadt, die sich religiös bereits weit von Rom entfernt hatte.
Lambert Gruter (1572–1582)
Lambert Gruter, ehemaliger Hofkaplan Maximilians II., war ein Mann des Ausgleichs. Er widmete sich besonders der Verbesserung des Schulwesens und versuchte, die religiösen Spannungen zu entschärfen. Trotz seines hohen Alters blieb er bis zuletzt aktiv. Auf einer Reise zum Reichstag in Augsburg, wo er die Interessen seines Bistums vertreten wollte, starb er 1582. Gruter steht für eine Phase vorsichtiger Konsolidierung vor der großen Gegenreformation.
Melchior Klesl (Administrator 1588–1630)
Melchior Klesl ist die überragende Gestalt der österreichischen Gegenreformation – und der mächtigste Mann, der je das Bistum Wiener Neustadt leitete. Als Administrator führte er die Diözese über vier Jahrzehnte mit unerbittlicher Energie. Er vertrieb protestantische Prediger, stellte die kirchliche Ordnung wieder her und machte Wiener Neustadt zu einem Zentrum der Rekatholisierung. Klesl war zugleich Bischof von Wien und später Kardinal, ein politischer Akteur von europäischem Format. Sein Tod 1630 in Wiener Neustadt und sein prachtvolles Epitaph im Dom markieren das Ende einer Epoche, in der die Diözese unter seiner Führung zu neuer Stärke fand.
Matthias Geißler (1631–1639)
Matthias Geißler, ein enger Mitarbeiter Klesls, führte dessen Werk fort. Er war ein geschickter Diplomat, der selbst hochrangige Persönlichkeiten – darunter den Markgrafen von Brandenburg – zur Konversion bewegen konnte. Unter seiner Leitung stabilisierte sich die Diözese wirtschaftlich und personell. Geißlers Amtszeit steht für die Konsolidierung nach den stürmischen Jahrzehnten der Reformation.
Johannes Thuanus (1639–1666)
Johannes Thuanus leitete das Bistum fast drei Jahrzehnte lang und prägte eine Phase des Aufblühens. Er holte die Jesuiten dauerhaft nach Wiener Neustadt, die ein Gymnasium gründeten und das Bildungswesen nachhaltig beeinflussten. Thuanus war ein volksnaher Bischof, der sich auch sozial engagierte – etwa durch die Gründung eines Lazaretts. Seine lange Amtszeit brachte Stabilität und geistliche Erneuerung nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges.
Laurenz Aidinger (1666–1669)
Die Nachfolge von Johannes Thuanus wurde außergewöhnlich schnell geregelt, da Kaiser Leopold I. bereits einen Monat nach dessen Tod seinen ehemaligen Erzieher, den aus Freising stammenden Theologieprofessor Laurenz Aidinger, als Kandidaten präsentierte. Nach der päpstlichen Bestellung im Dezember 1666 wurde Aidinger im März 1667 in Wien zum Bischof geweiht. Trotz seiner neuen Würde durfte er seine Pfründe als Propst des Wiener Domkapitels behalten. Seine tiefe Verbundenheit zum Kaiserhaus zeigte sich bei hochrangigen Zeremonien, etwa als er 1668 in Gegenwart Leopolds I. die Gruft der verstorbenen Kaiserin Eleonora im Neukloster öffnete. Aidinger verstarb im Alter von 54 Jahren nach einer Amtszeit von nur zweieinhalb Jahren und fand seine letzte Ruhe im Wiener Neustädter Dom vor dem Apostelaltar.
Leopold Graf Kollonitsch (1669–1685)
Als Nachfolger Aidingers übernahm der Malteserritter Leopold Graf Kollonitsch die Diözese und prägte sie über 15 Jahre lang maßgeblich. Während seiner Amtszeit war er häufig am kaiserlichen Hof in Wien oder in Pressburg anzutreffen, war jedoch stets bei bedeutenden Ereignissen vor Ort, wie etwa der Einweihung des Klosters der Karmelitinnen im Jahr 1675 oder der Hochzeit der Erzherzogin Eleonora Maria in der Burgkapelle 1678. Als bleibendes Zeichen seines Wirkens stiftete er 1678/79 die Mariensäule auf dem Hauptplatz und rief eine Stiftung für mittellose Handwerkslehrlinge ins Leben. Sein mutiges Ausharren in der belagerten Stadt Wien während des Türkenjahres 1683 brachte ihm höchste kaiserliche Anerkennung ein. Infolgedessen wurde er 1685 zum Bischof von Raab ernannt und kurz darauf zum Kardinal erhoben, woraufhin er Wiener Neustadt verließ.
Christoph de Royas y Spinola (1685–1695)
Der in den Niederlanden geborene Spanier Christoph de Royas y Spinola war bereits als kaiserlicher Diplomat und Gelehrter hoch angesehen, bevor er 1687 den Bischofsstuhl von Wiener Neustadt bestieg. Er war zeitlebens von der Vision einer Wiedervereinigung der christlichen Konfessionen getrieben und führte dazu intensive Gespräche mit protestantischen Theologen in ganz Europa. In seiner Diözese widmete er sich der Stärkung der kirchlichen Strukturen, was 1688 zur Gründung eines neuen Domkapitels führte. Diese Reformen und seine energische Amtsführung führten jedoch zu häufigen Reibereien mit der Wiener Neustädter Stadtverwaltung über Zuständigkeiten und finanzielle Mittel. Nach seinem Tod wurde er zunächst in St. Peter an der Sperr beigesetzt und später in die Katharinenkapelle des Bischofshofes überführt.
Franz Anton Graf von Puchheim (1695–1718)
Franz Anton von Puchheim war eine markante, zugleich widersprüchliche Gestalt des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Er trat sein Amt mit großem Eifer an und verstand sich als kompromissloser Verteidiger des katholischen Bekenntnisses. Sein strenger Kurs führte jedoch immer wieder zu Konflikten – etwa als er Prozessionen absagte, um zu verhindern, dass die jüdische Gemeinde sie sehen konnte. Diese Haltung zeigt seinen ausgeprägten konfessionellen Rigorismus, der in der barocken Frömmigkeitskultur zwar nicht ungewöhnlich war, aber in Wiener Neustadt zu Spannungen beitrug. Zugleich war Puchheim ein Mann mit organisatorischem Talent, dem jedoch jede finanzielle Mäßigung fehlte. Seine private Lebensführung war so kostspielig, dass er das Bistum in eine schwere Schuldenkrise führte. Als er 1718 starb, war die Diözese wirtschaftlich erschöpft, und sein eigenes Adelsgeschlecht erlosch in männlicher Linie. Puchheim hinterließ ein zwiespältiges Erbe: geistlich engagiert, aber wirtschaftlich ruinös.
Ignaz von Lovina (1718–1720)
Ignaz von Lovina, ein gebürtiger Schweizer und ehemaliger Ordensmann, trat sein Amt in einer Phase an, in der das Bistum dringend Ruhe und Ordnung benötigte. Nach den finanziellen Exzessen seines Vorgängers bemühte er sich mit großer Bescheidenheit und administrativer Klarheit, die Diözese wieder auf eine solide Grundlage zu stellen. Lovina war ein Gelehrter von ruhigem Wesen, der weniger durch große Gesten als durch stille, konsequente Arbeit wirkte. Seine Amtszeit war jedoch tragisch kurz: Bereits 1720 starb er, bevor er die begonnene Konsolidierung vollenden konnte. Sein Grabstein im Dom ist heute nicht mehr erhalten, doch in der Erinnerung bleibt er als jener Bischof, der in einer schwierigen Übergangszeit mit Integrität und Pflichtbewusstsein handelte. Lovinas Wirken markiert einen kurzen, aber wichtigen Moment der Erholung nach den turbulenten Jahren Puchheims.
Johann Moritz Graf von Manderscheid‑Blankenheim (1721–1734)
Manderscheid‑Blankenheim war einer der erfolgreichsten Verwalter in der Geschichte des Bistums Wiener Neustadt. Als erfahrener Ökonom erkannte er rasch, dass die Diözese nur durch eine konsequente Sanierung ihrer Besitzungen wieder handlungsfähig werden konnte. Mit bemerkenswerter Umsicht ordnete er die Verwaltung der bischöflichen Weingüter – insbesondere in Rust – neu und führte das Bistum aus der Schuldenlast, die es seit Puchheims Zeiten bedrückte. Unter seiner Leitung erlebte der Bischofshof eine bauliche und wirtschaftliche Renaissance, die das Selbstverständnis der Diözese nachhaltig stärkte.
Manderscheid‑Blankenheim war kein Mann großer theologischer Debatten, sondern ein nüchterner, verlässlicher Gestalter, der die Grundlagen für eine stabile Zukunft legte. Seine Amtszeit gilt als Musterbeispiel für kluge, pragmatische Kirchenleitung im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus.
Franz Anton Graf von Khevenhüller (1734–1740)
Franz Anton von Khevenhüller war ein Bischof, der sich in Wiener Neustadt nie wirklich heimisch fühlte. Er klagte häufig über das „ungesunde Klima“ der Stadt und litt unter gesundheitlichen Problemen, die seine Amtsführung zunehmend beeinträchtigten. Trotz dieser Einschränkungen bemühte er sich, die geordneten Strukturen seines Vorgängers fortzuführen, doch seine kurze Amtszeit blieb weitgehend unauffällig. Khevenhüller war ein höfischer Geistlicher, der sich in repräsentativen Aufgaben wohler fühlte als in der alltäglichen Verwaltung einer Diözese. 1740 verzichtete er schließlich aus gesundheitlichen Gründen auf sein Amt und zog sich nach Augsburg zurück. Sein Wirken steht für eine Phase relativer Ruhe, in der das Bistum weder große Krisen noch große Impulse erlebte – eine Zwischenzeit, die den Übergang zu den langen, kunstsinnigen Jahren Hallweils vorbereitete.
Ferdinand Graf von Hallweil (1741–1773)
Ferdinand von Hallweil leitete das Bistum Wiener Neustadt über drei Jahrzehnte – eine der längsten Amtszeiten in seiner Geschichte. Er war ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für Repräsentation und Kunst, und unter ihm erhielt der Bischofshof jene barocke Prägung, die ihn bis heute kennzeichnet. Besonders bedeutend war seine Initiative, die Porträtgalerie aller bisherigen Bischöfe vollenden zu lassen – ein bewusst gesetztes Zeichen institutioneller Kontinuität und bischöflicher Identität. Hallweil war jedoch auch eine ambivalente Figur: Während er kirchliche Kunst und Kultur großzügig förderte, führte sein privater Lebensstil das Bistum in eine finanzielle Schieflage. Er lebte weit über seine Verhältnisse, und nach seinem Tod 1773 musste sein gesamter Nachlass – einschließlich Kutschen, Pferden und persönlichem Besitz – versteigert werden, um die Schulden zu decken. Seine Amtszeit steht damit exemplarisch für die Prachtentfaltung des Spätbarock, aber auch für die strukturellen Schwächen eines Bistums, das sich zunehmend in finanziellen Abhängigkeiten verfing.
Heinrich Johann von Kerens (1775–1785)
Heinrich Johann von Kerens, gebürtiger Niederländer und ehemaliger Jesuit, war der letzte Bischof von Wiener Neustadt – und zugleich einer der modernsten. Als enger Vertrauter Maria Theresias und Vertreter eines aufgeklärten Katholizismus brachte er einen neuen Ton in die Diözese: nüchtern, reformorientiert, administrativ klar. Kerens war ein Mann der josephinischen Zeit, und seine Amtsführung spiegelte die großen kirchenpolitischen Umbrüche des späten 18. Jahrhunderts wider. Unter seiner Leitung wurde das Bistum 1785 im Zuge der josephinischen Neuordnung aufgehoben und nach St. Pölten verlegt. Kerens wurde dort erster Bischof und nahm die bedeutende Bibliothek aus Wiener Neustadt mit – ein symbolischer Akt, der die geistige Kontinuität des alten Bistums sicherte. Seine Amtszeit markiert das Ende einer über 300‑jährigen Geschichte und zugleich den Beginn einer neuen Diözesanstruktur, die bis heute besteht. Kerens bleibt als kluger Reformer in Erinnerung, der den Übergang mit Umsicht und Weitblick gestaltete.