Wenn die ersten Christen zusammenkamen, stand im Mittelpunkt ihrer Treffen ein einfaches, aber kraftvolles Ritual: das Brechen des Brotes. Die Apostelgeschichte beschreibt diese junge Bewegung mit einem Satz, der bis heute nachhallt: Sie verharrten „in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“. Was für uns selbstverständlich klingt, war damals ein radikal neuer Weg, den Glauben zu leben.
Der älteste schriftliche Bericht über die Eucharistie stammt von Paulus, etwa aus dem Jahr 55 n. Chr. Er zitiert die Worte Jesu beim letzten Mahl und erklärt, was die Gemeinden darin erkannten: „So oft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Für die frühen Christen war die Eucharistie also nicht nur Erinnerung, sondern eine lebendige Begegnung mit Christus. Paulus spricht sogar von einer realen Teilhabe: „Der Kelch des Segens – ist er nicht Gemeinschaft mit dem Blut Christi?“
Gefiert wurde zunächst in Hauskirchen – privaten Räumen, die zu Orten des Glaubens wurden. Die Atmosphäre war familiär, die Gruppen klein, die Liturgie schlicht. Oft war die Eucharistie eingebettet in ein gemeinsames Mahl, die sogenannte Agape.
Die Didache, ein christlicher Text aus dem späten 1. Jahrhundert, überliefert einfache Gebete, die einen tiefen Einblick in die Spiritualität dieser frühen Gemeinden geben. Über das Brot heißt es dort: „Wie dieses zerbrochene Brot über die Berge hin verstreut war und zusammengebracht eins wurde, so werde deine Kirche zusammengebracht von den Enden der Erde.“ Schon hier zeigt sich: Die Eucharistie war nicht nur ein Ritus, sondern Ausdruck der Hoffnung auf eine geeinte Kirche.
Im 2. Jahrhundert wächst die junge Kirche, und die Feier erhält eine klarere Form. Der Philosoph Justin der Märtyrer beschreibt um 150 n. Chr. detailliert, wie die Christen am „Tag der Sonne“, also am Sonntag, zusammenkommen.
Es werden die Schriften der Apostel und Propheten vorgelesen, der Vorsteher hält eine Ansprache, die Gemeinde betet gemeinsam. Dann folgt der Friedenskuss, und Brot, Wein und Wasser werden gebracht. Justin schreibt: „Der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen, so gut er kann, und das Volk antwortet mit Amen.“ Anschließend wird die Kommunion ausgeteilt, und Diakone bringen sie zu den Abwesenden. Wer diesen Text liest, erkennt sofort die Grundstruktur der heutigen Messe.
Im 3. Jahrhundert vertieft sich die theologische Bedeutung der Eucharistie weiter. Kirchenväter wie Cyprian von Karthago betonen den Opfercharakter der Feier: „Das Opfer des Herrn wird nicht recht gefeiert, wenn wir nicht tun, was er getan hat.“
Zugleich wird die Rolle des Bischofs deutlicher. Ignatius von Antiochien schreibt: „Nur jene Eucharistie gilt als gültig, die unter dem Bischof oder einem von ihm Beauftragten gefeiert wird.“ Die Eucharistie wird damit zum sichtbaren Zeichen der Einheit der Kirche – und zum Prüfstein der Zugehörigkeit.
Trotz aller Entwicklungen bleibt der Kern über die ersten drei Jahrhunderte hinweg erstaunlich stabil. Die Eucharistie ist Danksagung, Gedächtnis und Gegenwart Christi. Sie stiftet Gemeinschaft, formt Identität und verbindet die Gläubigen mit dem zentralen Geheimnis des christlichen Glaubens. Was in den Hauskirchen begann, wurde zum Herzstück der Kirche – damals wie heute.