Die byzantinische Liturgie geht auf zwei große Gestalten der frühen Kirche zurück: Basilius den Großen und Johannes Chrysostomos, deren Namen bis heute über den Gottesdiensten stehen.
Die byzantinische Liturgie ist nicht einfach ein „Gottesdienst“, sondern ein kosmisches Ritual, das Himmel und Erde miteinander verbindet. Sie ist dichter, symbolreicher und musikalischer als die römische Messe – und sie folgt einer eigenen Dramaturgie, die sich über Jahrhunderte kaum verändert hat.
Die Feier beginnt nach langen Einleitungsgesängen und Fürbittlitaneien mit der Liturgie der Katechumenen, dem Wortgottesdienst. Der Priester zieht mit dem Evangelienbuch ein, der Chor singt liturgische Gesänge, und die Gemeinde hört Lesungen aus Apostelbriefen und Evangelien. Alles ist gesungen, nichts wird „einfach gesprochen“. Die Atmosphäre ist getragen, feierlich, fast zeitlos.
Nach der Predigt beginnt die Liturgie der Gläubigen, der eucharistische Teil. Der Große Einzug, eine Prozession mit Brot und Wein, ist einer der eindrucksvollsten Momente: Der Altar wird zum Zentrum, der Gesang füllt den Raum, und die Gemeinde steht wie ein einziger Körper.
Das Hochgebet ist poetisch und bildreich. Besonders wichtig ist die Epiklese, die feierliche Herabrufung des Heiligen Geistes, der die Gaben verwandeln soll. Für die orthodoxe Spiritualität ist dieser Moment der eigentliche Höhepunkt.
Die Kommunion wird unter beiderlei Gestalt empfangen – Brot und Wein gemeinsam aus dem Kelch –, begleitet von jahrhundertealten Hymnen. Die Liturgie endet mit Dankgebeten und einem Segen, doch viele Gläubige bleiben noch lange im Kirchenraum, entzünden Kerzen, beten vor den Ikonen. Die Feier klingt nach, oft noch lange nach dem letzten Amen.
Die byzantinische Liturgie ist ein Fenster in die Welt der frühen Kirche. Sie zeigt, wie tief die christliche Tradition verwurzelt ist – und wie kraftvoll sie sein kann, wenn sie sich nicht an äußeren Formen orientiert, sondern an einer spirituellen Erfahrung:
Gott ist gegenwärtig, und die Liturgie macht diese Gegenwart spürbar.
Wie der Ambrosianische Ritus im Westen ist auch die Göttliche Liturgie ein Beispiel dafür, dass die Kirche nie nur eine einzige liturgische Sprache hatte. Vielfalt ist kein Problem – sie ist ein Reichtum.