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Jeussdarstellung, mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus
Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub, Erzdiözese Wien/ Stephan Schön / Jeussdarstellung, mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus
30.01.2026

Glaubensbekenntnisse – Zwei Texte, eine Botschaft

Das Glaubensbekenntnis gehört zu den bekanntesten Texten des Christentums. Aber warum gibt es zwei große Versionen? Und was steckt dahinter? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Die Kirche brauchte von Anfang an Worte, um den Glauben gemeinsam auszusprechen. Glaube ist keine reine Privatangelegenheit, Der gemeinsame Glaube verbindet die Christen zur „einen Kirche“.

Schon die ersten Christen verwendeten kurze Formeln, die sich leicht merken ließen. Sie waren Teil der Gottesdienste und spielten bei der Taufe eine zentrale Rolle. Ein frühes Beispiel findet sich im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, geschrieben um das Jahr 55. Paulus, berichtet einleitend, dass er selbst diesen Text schon so empfangen hat. Er muss also schon vor 50 unter den Jesus-Gläubigen im Umlauf gewesen sein und weist literarisch deutlich eine jüdische Form auf. Das erkennt man vor allem auf den beiden parallel aufgebauten Hauptsätzen.

 

Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift;
er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, gemäß der Schrift; und er erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

 

Das kürzeste Bekenntnis, das bis heute alle Christen kennen, lautet:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

 

Es geht direkt auf den Auftrag Jesu zurück, wie ihn das Matthäusevangelium überliefert: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“(Mt 28, 18f)

 

Zwei große Glaubensbekenntnisse – und ihre Geschichte

Im Laufe der Zeit entstanden längere und präzisere Texte. Zwei davon sind bis heute zentrale liturgische Bekenntnisse: das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Nicaeno-Konstantinopolitanum.

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis, kurz Apostolicum, wuchs aus der Praxis der Taufe im Westen des Römischen Reiches. In den ersten Jahrhunderten wurden Taufbewerber gefragt: „Glaubst du an Gott, den Vater? Glaubst du an Jesus Christus?“ – Das Apostolicum ist die ausformulierte Antwort auf diese Fragen.

 

Es erzählt schlicht die wichtigsten Stationen im Leben Jesu: seine Geburt aus Maria, das Leiden unter Pontius Pilatus, das Kreuz und das Grab. Keine komplizierten Erklärungen, sondern klare Fakten. Seine Ursprünge liegen in der römischen Kirche im zweiten Jahrhundert. In der heute bekannten Fassung ist er im 8. Jahrhundert in Gallien festgelegt worden, aber sein Geist ist der des frühen Christentums geblieben: bodenständig, erzählerisch und auf das Wesentliche konzentriert.

 

Nicaeno-Konstantinopolitanum

Ganz anders das „Große Glaubensbekenntnis“, das Nicaeno-Konstantinopolitanum. Es entstand im 4. Jahrhundert in einer Zeit großer theologischer Spannungen. Ein Priester namens Arius lehrte, Jesus sei nicht ganz Gott, sondern ein Geschöpf. Um die Einheit des Glaubens zu bewahren, beriefen die Kaiser große Konzilien in Nikaia (325) und Konstantinopel (381). Das Ergebnis war ein Text, der nicht nur erzählt, sondern präzise definiert. Während das Apostolicum einfach sagt, Jesus sei Gottes Sohn, verwendet das Nicaenum fast juristische Formulierungen: Jesus ist „gezeugt, nicht geschaffen“ und „eines Wesens mit dem Vater“. Damit wurde die Einheit von Vater und Sohn gegen jede Relativierung abgesichert. Auch die Beschreibung des Heiligen Geistes wurde erweitert: Er wird als „Herr und Lebensspender“ gewürdigt, dem die gleiche Verehrung gebührt wie dem Vater und dem Sohn.

 

Das kleine Wort mit großer Wirkung: „filioque“

Im Westen fügte man beim Artikel über den Hl. Geist später ein Wort hinzu: „…der aus dem Vater „und dem Sohn“ (filioque)hervorgeht“. Damit wollte man betonen, dass der Heilige Geist nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgeht.

 

Die Ostkirche sah darin eine eigenmächtige Veränderung und lehnte die Ergänzung ab. Diese theologische Differenz war einer der Gründe für die Spaltung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche im Jahr 1054. Bis heute ist er einer der großen Themen im Dialog zwischen Ost- und Westkirche. Zu ökumenischen Gottesdiensten aber auch in den den katholischen Ostkirchen wird dieser Zusatz heute häufig weggelassen.

 

Zwei Wege, ein Ziel

Vergleicht man beide Texte, wird deutlich: Das Apostolicum ist ein Bekenntnis des Vertrauens – schlicht und erzählerisch. Das Nicaenum ist ein Bekenntnis der Erkenntnis – tief und präzise. Das eine will den Glauben bekennen, das andere will ihn schützen und erklären. Und doch führen beide zurück zu demselben Ursprung: dem Auftrag Jesu, alle Völker zu taufen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Im Folgenden der Text des Apostolische Glaubensbekenntnisses (Symbolum Apostolicum) auf Deutsch, Latein und Englisch.

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis auf Deutsch

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis auf Latein 

Credo in Deum Patrem omnipoténtem, Creatórem cæli et terræ.
Et in Iesum Christum, Fílium eius únicum, Dóminum nostrum, qui concéptus est de Spíritu Sancto, natus ex María Vírgine, passus sub Póntio Piláto, crucifíxus, mortuus, et sepúltus, descéndit ad ínferos, tértia die resurréxit a mórtuis, ascéndit ad cælos, sedet ad déxteram Dei Patris omnipoténtis, inde ventúrus est iudicáre vivos et mórtuos.
Credo in Spíritum Sanctum, sanctam Ecclésiam cathólicam, sanctórum communiónem, remissiónem peccatórum, carnis resurrectiónem, vitam ætérnam. Amen.

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis auf Englisch (Ecumenical Version)

I believe in God, the Father almighty, creator of heaven and earth.
I believe in Jesus Christ, God's only Son, our Lord, who was conceived by the Holy Spirit, born of the Virgin Mary, suffered under Pontius Pilate, was crucified, died, and was buried; he descended to the dead. On the third day he rose again; he ascended into heaven, he is seated at the right hand of the Father, and he will come to judge the living and the dead.
I believe in the Holy Spirit, the holy catholic Church, the communion of saints, the forgiveness of sins, the resurrection of the body, and the life everlasting. Amen.

 

Das “Große Glaubensbekenntnis“

 

Oder auch das Symbolum von Nicäa und Konstantinopel auf Deutsch, Latein und Griechisch:

 

Deutsch (Ökumenische Fassung)

Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater [und dem Sohn] hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten. Und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

 

Latein (Credo in unum Deum)

Credo in unum Deum, Patrem omnipoténtem, factórem cæli et terræ, visibílium ómnium et invisibílium.
Et in unum Dóminum Iesum Christum, Fílium Dei unigénitum, et ex Patre natum ante ómnia sǽcula. Deum de Deo, lumen de lúmine, Deum verum de Deo vero, génitum, non factum, consubstantiálem Patri: per quem ómnia facta sunt. Qui propter nos hómines et propter nostram salútem descéndit de cælis. Et incarnátus est de Spíritu Sancto ex María Vírgine, et homo factus est. Crucifíxus étiam pro nobis sub Póntio Piláto; passus et sepúltus est, et resurréxit tértia die, secúndum Scriptúras, et ascéndit in cælum, sedet ad déxteram Patris. Et íterum ventúrus est cum glória, iudicáre vivos et mórtuos, cuius regni non erit finis.
Et in Spíritum Sanctum, Dóminum et vivificántem: qui ex Patre Filióque procédit. Qui cum Patre et Fílio simul adorátur et conglorificátur: qui locútus est per prophétas. Et unam, sanctam, cathólicam et apostólicam Ecclésiam. Confíteor unum baptísma in remissiónem peccatórum. Et expécto resurrectiónem mortuórum, et vitam ventúri sǽculi. Amen.

 

Griechisch (Πιστεύω εἰς ἕνα Θεόν)

Πιστεύω εἰς ἕνα Θεόν, Πατέρα, Παντοκράτορα, ποιητὴν οὐρανοῦ καὶ γῆς, ὁρατῶν τε πάντων καὶ ἀοράτων.
Καὶ εἰς ἕνα Κύριον Ἰησοῦν Χριστόν, τὸν Υἱὸν τοῦ Θεοῦ τὸν μονογενῆ, τὸν ἐκ τοῦ Πατρὸς γεννηθέντα πρὸ πάντων τῶν αἰώνων· φῶς ἐκ φωτός, Θεὸν ἀληθινὸν ἐκ Θεοῦ ἀληθινού, γεννηθέντα οὐ ποιηθέντα, ὁμοούσιον τῷ Πατρί, δι' οὗ τὰ πάντα ἐγένετο. Τὸν δι' ἡμᾶς τοὺς ἀνθρώπους καὶ διὰ τὴν ἡμετέραν σωτηρίαν κατελθόντα ἐκ τῶν οὐρανῶν καὶ σαρκωθέντα ἐκ Πνεύματος Ἁγίου καὶ Μαρίας τῆς Παρθένου καὶ ἐνανθρωπήσαντα. Σταυρωθέντα τε ὑπὲρ ἡμῶν ἐπὶ Ποντίου Πιλάτου, καὶ παθόντα καὶ ταφέντα. Καὶ ἀναστάντα τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ κατὰ τὰς Γραφάς. Καὶ ἀνελθόντα εἰς τοὺς οὐρανοὺς καὶ καθεζόμενον ἐκ δεξιῶν τοῦ Πατρός. Καὶ πάλιν ἐρχόμενον μετὰ δόξης κρῖναι ζῶντας καὶ νεκρούς, οὗ τῆς βασιλείας οὐκ ἔσται τέλος.
Καὶ εἰς τὸ Πνεῦμα τὸ Ἅγιον, τὸ κύριον, τὸ ζωοποιόν, τὸ ἐκ τοῦ Πατρὸς ἐκπορευόμενον, τὸ σὺν Πατρὶ καὶ Υἱῷ συμπροσκυνούμενον καὶ συνδοξαζόμενον, τὸ λαλῆσαν διὰ τῶν προφητῶν. Εἰς μίαν, ἁγίαν, καθολικὴν καὶ ἀποστολικὴν Ἐκκλησίαν. Ὁμολογῶ ἓν βάπτισμα εἰς ἄφεσιν ἁμαρτιῶν. Προσδοκῶ ἀνάστασιν νεκρῶν καὶ ζωὴν τοῦ μέλλοντος αἰῶνος. Ἀμήν.