Schon die ersten Christen verwendeten kurze Formeln, die sich leicht merken ließen. Sie waren Teil der Gottesdienste und spielten bei der Taufe eine zentrale Rolle. Ein frühes Beispiel findet sich im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, geschrieben um das Jahr 55. Paulus, berichtet einleitend, dass er selbst diesen Text schon so empfangen hat. Er muss also schon vor 50 unter den Jesus-Gläubigen im Umlauf gewesen sein und weist literarisch deutlich eine jüdische Form auf. Das erkennt man vor allem auf den beiden parallel aufgebauten Hauptsätzen.
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift;
er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, gemäß der Schrift; und er erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Das kürzeste Bekenntnis, das bis heute alle Christen kennen, lautet:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Es geht direkt auf den Auftrag Jesu zurück, wie ihn das Matthäusevangelium überliefert: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“(Mt 28, 18f)
Zwei große Glaubensbekenntnisse – und ihre Geschichte
Im Laufe der Zeit entstanden längere und präzisere Texte. Zwei davon sind bis heute zentrale liturgische Bekenntnisse: das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Nicaeno-Konstantinopolitanum.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, kurz Apostolicum, wuchs aus der Praxis der Taufe im Westen des Römischen Reiches. In den ersten Jahrhunderten wurden Taufbewerber gefragt: „Glaubst du an Gott, den Vater? Glaubst du an Jesus Christus?“ – Das Apostolicum ist die ausformulierte Antwort auf diese Fragen.
Es erzählt schlicht die wichtigsten Stationen im Leben Jesu: seine Geburt aus Maria, das Leiden unter Pontius Pilatus, das Kreuz und das Grab. Keine komplizierten Erklärungen, sondern klare Fakten. Seine Ursprünge liegen in der römischen Kirche im zweiten Jahrhundert. In der heute bekannten Fassung ist er im 8. Jahrhundert in Gallien festgelegt worden, aber sein Geist ist der des frühen Christentums geblieben: bodenständig, erzählerisch und auf das Wesentliche konzentriert.
Nicaeno-Konstantinopolitanum
Ganz anders das „Große Glaubensbekenntnis“, das Nicaeno-Konstantinopolitanum. Es entstand im 4. Jahrhundert in einer Zeit großer theologischer Spannungen. Ein Priester namens Arius lehrte, Jesus sei nicht ganz Gott, sondern ein Geschöpf. Um die Einheit des Glaubens zu bewahren, beriefen die Kaiser große Konzilien in Nikaia (325) und Konstantinopel (381). Das Ergebnis war ein Text, der nicht nur erzählt, sondern präzise definiert. Während das Apostolicum einfach sagt, Jesus sei Gottes Sohn, verwendet das Nicaenum fast juristische Formulierungen: Jesus ist „gezeugt, nicht geschaffen“ und „eines Wesens mit dem Vater“. Damit wurde die Einheit von Vater und Sohn gegen jede Relativierung abgesichert. Auch die Beschreibung des Heiligen Geistes wurde erweitert: Er wird als „Herr und Lebensspender“ gewürdigt, dem die gleiche Verehrung gebührt wie dem Vater und dem Sohn.
Das kleine Wort mit großer Wirkung: „filioque“
Im Westen fügte man beim Artikel über den Hl. Geist später ein Wort hinzu: „…der aus dem Vater „und dem Sohn“ (filioque)hervorgeht“. Damit wollte man betonen, dass der Heilige Geist nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgeht.
Die Ostkirche sah darin eine eigenmächtige Veränderung und lehnte die Ergänzung ab. Diese theologische Differenz war einer der Gründe für die Spaltung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche im Jahr 1054. Bis heute ist er einer der großen Themen im Dialog zwischen Ost- und Westkirche. Zu ökumenischen Gottesdiensten aber auch in den den katholischen Ostkirchen wird dieser Zusatz heute häufig weggelassen.
Zwei Wege, ein Ziel
Vergleicht man beide Texte, wird deutlich: Das Apostolicum ist ein Bekenntnis des Vertrauens – schlicht und erzählerisch. Das Nicaenum ist ein Bekenntnis der Erkenntnis – tief und präzise. Das eine will den Glauben bekennen, das andere will ihn schützen und erklären. Und doch führen beide zurück zu demselben Ursprung: dem Auftrag Jesu, alle Völker zu taufen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.