Nun, es kann sein, dass bald der Schrecken auch zu uns kommt. So Gott will, bin ich opferbereit“, schreibt Pater Titus Helde SDS in seinem letzten Brief vom 29. März 1945, dem Gründonnerstag.
Der Salvatorianerpater, Jahrgang 1905, war seit 1942 Pfarrvikar und Kurat in Mistelbach, wo er sich vor allem als Kinderseelsorger einen Namen gemacht hatte. Die von P. Titus Helde gestalteten Gottesdienste für Kinder in der Mistelbacher Pfarrkirche erfreuten sich größter Beliebtheit, berichten Zeitzeugen.
Titus – sein Taufname war Josef – stammte aus Radolfszell am Bodensee und war Versicherungsbeamter, bevor er in den Salvatorianerorden eintrat und 1938 zum Priester geweiht wurde.

Die Apriltage des Jahres 1945 bedeuteten durch den Einmarsch der Russen vor allem für die weibliche Zivilbevölkerung Leid und Schrecken.
Historiker schätzen, dass in Österreich rund 270.000 Frauen Opfer von Vergewaltigung durch russische Soldaten wurden. „Über die Tage nach Ostern und über die Kriegswirren in Mistelbach wurde wenig veröffentlicht. Pater Titus Helde und seine Mitbrüder spielten für die Bevölkerung in diesen Wochen eine einmalige Rolle“, schreibt Pater Peter van Meijl SDS im Buch „Erzähl mir die Geschichte von Pater Titus Helde“.
Eine Zeitzeugin drückte es so aus: „So lange Pater Titus und Pater Erwin da sind, passiert uns nichts. Es war sehr beruhigend. Ich weiß nicht warum. Es würde beunruhigend sein, wenn sie nicht mehr da wären. Es war dann ein Schock, als Pater Titus erschossen wurde“.
Der Salvatorianerpater hatte sich am 21. April 1945 im Barnabitenkolleg von Mistelbach zum Schutz der dort versteckten Frauen und Mädchen vor die russischen Soldaten geworfen und wurde in der Folge von einem russischen Soldaten angeschossen.
Einen Tag später starb Helde an den Folgen der Verwundung. Noch am Tag vor seinem Tod hatte er gesagt: „Ich lasse mich eher erschießen, bevor ich die Soldaten ins Kolleg zu den Frauen lasse.“
Anlässlich des 70. Todestages von P. Titus feiert die Pfarre Mistelbach am 19. April, 9.30 Uhr, in der Pfarrkirche einen Festgottes-
dienst mit Provinzial P. Josef Wonisch SDS.
Wiener Neustadt war während des Zweiten Weltkrieges wegen seiner Rüstungs- und Industrieanlagen sowie als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt ein Dauerziel der Bombardements.
Rund 50.000 Bomben legten die Stadt in Schutt und Asche. Auch im Frühjahr 1945 fielen zahlreiche Bomben. Die Folge waren Hunderte Tote und Schwerverletzte. Obwohl viele die Stadt verließen, blieb Pater Alberich Rabensteiner OCist von der Stiftspfarre Neukloster vor Ort und wirkte bis zuletzt als Seelsorger. Er beerdigte Tote und stand Verletzten und Sterbenden bei.
Pater Alberich Rabensteiner, Jahrgang 1875, stammte aus Südtirol, trat 1898 in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz ein und wurde 1903 zum Priester geweiht.
Rabensteiner wird als als „religiöser Feuergeist“ beschrieben, „der aus einer tiefen eucharistischen und marianischen Frömmigkeit heraus lebte“.
Am Ostermontag, 2. April, zog die Rote Armee in die Stadt ein. Rabensteiner bemühte sich, verlassene Leichen von den Straßen zu entfernen, damit sie nicht von den russischen Fahrzeugen überrollt würden.
Ein russischer Offizier, der ihn dabei beobachtete, folgte ihm und erschoss ihn in der Neuklosterkirche. Der selbstlose Mönch wurde im Kreuzgang des Neuklosters bestattet.