Es kommt nicht oft vor, dass Pakistan einer Christin ein Staatsbegräbnis gewährt. Viele Christen leben dort in Angst. Das Blasphemiegesetz des muslimischen Landes ist eine ständige Bedrohung. Oft kommt es zu Gewalttätigkeiten.
Ein pakistanischer Bischof, der vor einigen Monaten zu Gast in Wien war, hat erzählt: Der Westen wird in Pakistan oft gleichgesetzt mit der Christenheit. Und jedes Mal, wenn im Westen Aktionen gegen den Islam laufen, wenn ein Politiker großspurig redet oder die religiösen Gefühle von Muslimen verletzt werden, dann wird das der kleinen christlichen Minderheit vorgehalten: „Das sind eure Leute!“
In diesem von Gewalt, Elend und gegenseitigem Misstrauen geplagten Land bekommt nun Ruth Pfau ein Staatsbegräbnis.
Ruth Pfau, die Deutsche, die Katholikin, die Ordensfrau. Vor 55 Jahren ist sie – eigentlich zufällig – auf dem Weg nach Indien in Pakistan hängen geblieben. Seitdem hat sich die Ärztin für die Leprakranken eingesetzt.
Das von ihr gegründete und geleitete Werk hat mehr als 50.000 Menschen geheilt und entscheidend dazu beigetragen, dass das Land heute die Krankheit im Griff hat. „Die Mutter der Aussätzigen“ hat man Ruth Pfau genannt. Eine pakistanische Abgeordnete hat sie nun als „Mutter Teresa Pakistans“ bezeichnet.
Wieder einmal sehen wir: Über alle religiösen, nationalen und ethnischen Differenzen hinweg gibt es eine Sprache, die alle Menschen verstehen: die Sprache der Nächstenliebe, der Zuwendung, der Güte.
Und wenn wir wirklich etwas dazu beitragen wollen, dass das Christentum sich gegen alle Widersacher durchsetzt – dann ist auf lange Sicht unsere wichtigste und vielleicht sogar unsere einzige wirklich wichtige Aufgabe, diese Sprache zu sprechen – unablässig, hartnäckig, furchtlos, ins Angesicht aller Anfeindungen.
Es ist die Sprache des Kreuzes, und ich fürchte: Nur wer sie spricht, folgt Christus nach.