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Stephansdom Innenraum
Franz Josef Rupprecht / Der Altar von Maria Pocs
04.07.2019

Der Stephansdom: Ein Kraftort im Herzen von Wien

Der Wiener Stephansdom lädt uns ein, Pause zu machen, zu schauen, zu hören und zu spüren.

Der Stephansdom gilt vielen Wienern als Kraftort. Die Tourismusströme – täglich sind es bis zu 25.000 Besucher – kommen allerdings nicht in den Genuss dieser Energietankstelle. Zu kurz und oberflächlich ist ihr Besuch.

 

„Für das Erspüren eines Kraftortes benötigt man vor allem Ruhe und Zeit“, sagt Robert Bouchal, Mitautor des Buches „Kraftorte in Wien“. 

 

„Grundsätzlich muss ein Kraftplatz nichts Spektakuläres sein“, sagt Heimatforscher Robert Bouchal. „Das kann ein Ort sein, an dem Sie sich ganz wohl fühlen. Dieser kann sogar bei Ihnen zu Hause im Haus oder in der Wohnung sein, z. B. ein Sessel, wo Sie gerne sitzen und lesen, nachdenken oder ein Schläfchen machen. Dann wird das zu Ihrem Energieplatz“, schildert Bouchal.

 

Es müssen also nicht besondere Energieströme aus dem Inneren der Erde sein, vielmehr geht es um ein Zusammenspiel verschiedener Dinge, die uns an einem Ort Kraft schöpfen lassen.

 

Was macht den Dom für viele zum besonderen Kraftort? Für Reinhard Gruber, Domarchivar und Autor zahlreicher Bücher über den Dom, ist die Stephanskirche nicht nur ein unerschöpfliches Universum für die historische Forschung. Wenn die Tore für Touristen geschlossen sind, kann er in der ihm so vertrauten Kathedrale an seinen ganz persönlichen Kraftplätzen auftanken.

 

„Im Dom selber gibt es verschiedene Orte, wo Menschen zur Ruhe kommen, eine Kerze anzünden, beten“, sagt Gruber: „Für mich ein ganz wichtiger Ort ist die Dienstbotenmuttergottes – gerade in Situationen, wo es mir nicht so gut geht, wenn ich besorgt bin oder es Anliegen gibt, die mir anvertraut sind, dann ist hier ein guter Ort.“   


Wo sich die Kräfte bündeln

Ein Kraftplatz im Stephansdom, an dem man merkt, dass hier Ströme zusammenfließen und sich bündeln, ist die Vierung: dort, wo sich Langhaus und Querhaus treffen, wie Reinhard Gruber erklärt: „Hier, wo das Kreuz herabhängt, stand im Mittelalter der wichtigste Altar des Domes, der Leut-Altar, an dem der Gottesdienst für das Volk gefeiert wurde.“

 

Die Vierung sei nach wie vor ein ganz wichtiger Ort im Dom. „Man merkt es auch, wenn man sich umdreht und schaut und diesen Raum auf sich wirken lässt“, schildert Gruber.

 

Neben der Eligiuskapelle (nach dem Eingang gleich rechts) mit ganztägiger eucharistischer Anbetung und der Statue des hl. Antonius ist der Altar von Maria Pocs ein besonderes Phänomen. Er scheint trotz der ihn umgebenden Unruhe durch den nahen Eingang einer der am stärksten anziehenden Plätze im Dom zu sein.


Hier stimmt das Maß

Die Architektur trägt wesentlich dazu bei, ob Menschen einen Raum oder Platz als Kraftort erleben. Gotische Kirchen wie der Stephansdom gelten für viele Menschen als Kraftorte. Reinhard Gruber sagt: „Die Gotik zeichnet sich dadurch aus, dass sie maßvoll baut. Das rechte Maß stimmt hier immer, ob man quer durchschaut oder von vorne nach hinten, egal von wo. Es ist immer maßvoll und schön.“  

 

Für Reinhard Gruber gibt es noch eine ganze Reihe besonderer Kraftplätze in der Stephanskirche: „Der Blick von der Westempore in den Kirchenraum z. B. entschädigt mich für viele Troubles oder wenn ich direkt vor dem Hochaltar stehe, mich umdrehe und von Osten nach Westen schaue.“


Wir sind eingeladen, uns Zeit zu nehmen, zu schauen, zu spüren und aufzutanken.

 


 

Hoch hinauf auf den Turm des Stephandoms

 

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