Dienstag 3. März 2026
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Pastoraltagung: „Jugend geht ab“

(8.1.2012) Interview mit Walter Krieger über die fehlende Jugend.


 

Dr. Walter Krieger, Geschäftsführer des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI).

 


 

„Jugend geht ab“ kann heißen: Sie zischt wie eine Rakete los, oder es kann heißen, dass sie fehlt. Vor welchen Herausforderungen im Hinblick auf die Jugend steht die Kirche in Österreich?

Krieger: Die Sorge Nummer 1 der Pfarren in Österreich ist die fehlende Jugend.  Dahinter steht  die Beobachtung, dass Jugendliche kaum in der Sonntagsmesse oder im klassischen pfarrlichen Alltag zu sehen sind. Ebenso gehen „junge Erwachsene“ oder andere ab: die demografische Entwicklung vor Ort ist zu berücksichtigen. Auch der immer losere Kontakt der älteren Generation mit Kirche bzw. Glauben wirkt sich deutlich aus: Wer durch die Familie keinen Zugang zum Glauben findet, entdeckt ihn im Jugendalter nicht  Hinzu kommt eine Individualisierung, die eine Gemeinschaftsbildung schwerer macht. Wenn man „früher“ etwa in der Firmvorbereitung Gruppen bilden konnte, gelingt dies „heute“ kaum. Die Jugendlichen bleiben eher Einzelpersonen oder in Cliquen, die keine Einbindung in eine größere Gemeinschaft wollen.

Was sind die Aufträge der Jugendpastoral heute?

Krieger: Weil es „die Jugend“ genauso wenig gibt wie „die Erwachsenen“, kann es heute nur um eine Vielfalt von Ansatzpunkten gehen, wo und wie man Jugendlichen begegnen, sie begleiten und ihnen Zugänge zu einem „heilsamen“ Leben eröffnen kann. Doch immer liegt es am Freiheitsverständnis der jungen Menschen, ob und wie weit sie sich darauf einlassen wollen. Konkret heißt dies: Es gibt kein allgemein gültiges Rezept. Es kommt auf die Situation an, auf die konkreten Jugendlichen, auf jene Christen, die vor Ort tatsächlich da sind. Man kann nicht alles bieten, nicht alle ansprechen. Man sollte das tun, was man (gut) tun kann – und regelmäßig etwas Neues versuchen.

Was heißt das konkret?

Krieger: Die Pfarren sind – immer noch – der wichtigste Ort für (junge) Menschen, um dem Glauben zu begegnen. Eine „richtige Pfarrjugend“ gibt es selten; am ehesten, wo dies noch eine ungebrochene Tradition hat. Pfarren können dennoch einiges versuchen: Jugendliche ansprechen und gemäß ihren Stärken anlässlich von Aktionen u. ä. zur Mitgestaltung einladen. Einige Möglichkeiten werden auf der Österreichischen Pastoraltagung in Workshops und Statements angesprochen: z. B. Impulse für die pfarrliche Jugendarbeit, Firmpastoral, Liturgie mit Jugendlichen, 72 Stunden ohne Kompromiss usw.

Was sind mögliche „neue“ Orte der Jugendpastoral?

Krieger: Jugendliche vernetzen sich gern. Vielleicht lässt das in einem „größeren Raum“ jene Gleichgesinnten finden, mit denen man ein gemeinsames, nicht nur religiöses Interesse teilen kann. Auch dazu gibt es Themen und „Bildungsangebote“, die auf der Österreichischen Pastoraltagung angesprochen werden, z. B.: Jugendpastoral in größeren pastoralen Räumen, „Abenteuer Liebe“, Jugendgebetskreise. Darüber hinaus kann man Gelegenheiten schaffen, wo sich Jugendliche unter Gleichaltrigen „normal“ und „gut“ fühlen, wenn sie sich zum Glauben bekennen: Events, Treffpunkte, Jugendreisen, der Weltjugendtag, regionale Treffen von Bewegungen oder Diözesen u.a.m.

Wie kann eine Jugendpastoral junge Menschen so begleiten, dass sie Wege zu ihrem Heil und zu einem gelingenden Leben – in Beziehung mit Gott – finden?

Krieger: Junge Menschen sollen – mit uns – finden, was ihnen zu ihrem Heil dient. Das hat mit Lebensfreude, mit der Eröffnung von Perspektiven, mit Glaubenserfahrungen, mit Wohlwollen, mit tragfähigen Beziehungen, mit Anteilnahme und mit gegenseitigem Respekt zu tun. Und damit kann man überall und stets neu beginnen.          
    

Interview: Stefan Kronthaler

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