Die Anfänge der Diözese Wien waren von struktureller Schwäche, begrenzten finanziellen Mitteln und langjährigen Kompetenzkonflikten geprägt. Daher wurde das junge Bistum in den ersten Jahrzehnten fast durchgehend von Administratoren und nicht von residierenden Bischöfen geleitet.
Den Auftakt bildete Leo von Spaur († 1479/80), der 1471 mit kaiserlicher und päpstlicher Zustimmung als erster Leiter der Diözese Wien bestellt wurde. Aufgrund des Widerstands des Bistums Passau sowie einer schweren geistigen Erkrankung konnte er sein Amt jedoch nie aktiv ausüben.
Ab 1476 trat Johann Beckenschlager († 1489) als Koadjutor an die Seite Spaurs und übernahm ab 1480 faktisch die Administration der Diözese. Als Kanzler der Universität Wien und enger Berater Kaiser Friedrichs III. leitete er das Bistum bis 1482.
Ihm folgte Bernhard von Rohr († 1487), der von 1482 bis 1487 als Administrator wirkte. Seine Amtszeit endete abrupt nach der Einnahme Wiens durch König Matthias Corvinus.
Während der ungarischen Herrschaft verwaltete Urban Dóczi († 1493) die Diözese von 1488 bis 1490. Nach dem Tod Corvinus’ und politischen Umwälzungen übernahm Johann Vitéz († 1499) ab 1493 die Administration und festigte die diözesanen Strukturen bis 1499.
Von 1499 bis 1504 stand Bernhard von Pollheim als Administrator an der Spitze der Wiener Kirche, gefolgt von Franz Bakócz ab Erdöd, der das Bistum von 1504 bis 1509 ebenfalls als Administrator leitete.
Erst mit der Ernennung und dem Antsantritt Georgs von Slatkonia zum Bischof im Jahr 1513 erhielt Wien einen ordentlich residierenden Oberhirten.
Georg von Slatkonia (Bischof von Wien 1513–1522)
Der gebürtige Slowene Georg von Slatkonia war der erste wirklich amtierende Bischof der jungen Diözese. Humanist, Musiker und Hofkapellmeister Kaiser Maximilians I., formte er die Wiener Hofmusikkapelle zu einem europäischen Zentrum und holte bedeutende Komponisten an den Hof. 1513 zum Bischof geweiht, führte er die Diözese durch die frühen Spannungen der Reformation, die Wien bereits 1521 erreichte. Er förderte Liturgie und Kirchenmusik, stabilisierte die Verwaltung und bemühte sich um seelsorgliche Kontinuität. Slatkonia starb 1522 und wurde im Stephansdom beigesetzt.
Konrad Renner (Administrator) wurde am 2. Februar 1519 von Kaiser Karl V. zum Koadjutor des Wiener Bischofs Georg Slatkonia mit dem Recht der Nachfolge ernannt. Ab dem 1. September 1519 führte er gemeinsam mit seinem Bruder Johann die Administration des Bistums Wien. Nach dem Tod Slatkonias im Jahr 1522 verzichtete Renner freiwillig auf das ihm zugesicherte Nachfolgerecht und übernahm das Bischofsamt nicht. Seine Tätigkeit in Wien war damit auf eine Übergangsphase beschränkt, in der er die kirchliche Verwaltung der Diözese sicherstellte.
Pietro Bonomo (Administratorvon 1522–1523)
Pietro Bonomo, Humanist aus Triest, war Diplomat und Berater Maximilians I. und Ferdinands I. Nach Studien in Padua und Bologna wirkte er an mehreren europäischen Höfen. Als Administrator der Diözese Wien stabilisierte er die Verwaltung in einer heiklen Übergangsphase nach Slatkonia. Seine kurze Amtszeit war geprägt von politischer Vermittlung und organisatorischer Konsolidierung. 1523 kehrte er nach Triest zurück, wo er bis zu seinem Tod 1546 als Bischof wirkte.
Johann von Revellis (Bischof von Wien 1524–1529)
Johann von Revellis, Beichtvater Erzherzog Ferdinands I., übernahm eine finanziell schwer angeschlagene Diözese. Er leitete das „Glaubensgericht der Zwölf“ gegen reformatorische Prediger und versuchte, kirchliche Ordnung wiederherzustellen. Während der Ersten Türkenbelagerung 1529 blieb er in Wien und teilte die Not der Bevölkerung. Die Belastungen der Belagerung schwächten ihn; kurz nach der Befreiung starb er im Dezember 1529.
Johann Fabri (Bischof von Wien 1530–1541)
Johann Fabri war einer der führenden katholischen Intellektuellen der frühen Reformationszeit. Als Diplomat Ferdinands I. verfasste er zahlreiche Schriften gegen Luther und Zwingli. 1530 wurde er Bischof von Wien. Er gründete das Collegium trilingue, förderte Bildung und Predigt und setzte auf theologische Argumentation statt bloße Repression. Fabri war ein entschiedener Verteidiger der katholischen Lehre, zugleich ein gelehrter Humanist. Er starb 1541 in Baden bei Wien.
Friedrich Nausea (Bischof von Wien 1541–1552)
Friedrich Grau, genannt Nausea, Humanist und Diplomat, vertrat eine gemäßigte Reformlinie innerhalb der katholischen Kirche. Er befürwortete Laienkelch, Priesterehe und eine Erneuerung der Liturgie in der Volkssprache und suchte einen Ausgleich zwischen Rom und Reformatoren. Als Bischof von Wien stärkte er Priesterausbildung, Predigt und seelsorgliche Erneuerung in einer konfessionell angespannten Zeit. Er nahm am Konzil von Trient teil und starb dort 1552.
Christoph Wertwein (ernannter Bischof von Wien, †1553)
Christoph Wertwein, Hofprediger Ferdinands I., wurde 1552 zum Bischof von Wien ernannt, starb jedoch 1553 vor der päpstlichen Bestätigung an den Folgen eines Reitunfalls. Er galt als angesehener Theologe, Vertreter einer moralischen Kirchenreform und begabter Prediger.
Petrus Canisius SJ (Administrator der Diözese 1554–1555)
Petrus Canisius, einer der bedeutendsten Jesuiten der Kirchengeschichte und späterer Kirchenlehrer, war 1554–1555 Administrator der Diözese Wien. Er gründete das Collegium Viennense, reformierte Predigtwesen und Priesterausbildung und stärkte die katholische Erneuerung in Stadt und Universität. Sein berühmter Katechismus, den er in seiner Wiener Zeit verfasste („der Canisi“) prägte den katholischen Glaubensunterricht im deutschsprachigen Raum über Generationen hinweg bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts.
Anton Brus von Müglitz (Bischof von Wien 1558–1561)
Anton Brus von Müglitz war Reformer, Diplomat und später Erzbischof von Prag. In Wien bemühte er sich um seelsorgliche Erneuerung, stärkere kirchliche Disziplin und Umsetzung früher Reformimpulse. 1561 wurde er nach Prag berufen, wo er als erster katholischer Erzbischof nach der Hussitenzeit die tridentinische Reform durchsetzte. Sein Wirken steht für die Neuformierung der katholischen Kirche in Böhmen und Österreich.
Urban Sagstetter (Administrator der Diözese 1563–1568)
Urban Sagstetter, Bischof von Gurk, war zugleich Administrator von Wien. Er befürwortete – in vorsichtig reformorientierter Haltung – Laienkelch und Predigt in deutscher Sprache und bemühte sich um eine bessere Ausbildung des Klerus. Seine seelsorgliche Tätigkeit war geprägt von der Suche nach Ausgleich zwischen römischen Vorgaben und lokalen Reformimpulsen. 1568 legte er das Amt nieder und kehrte nach Gurk zurück.
Johann Caspar Neubeck (Bischof von Wien 1575–1594)
Johann Caspar Neubeck, Hofkaplan Ferdinands I., übernahm die Diözese, als der Protestantismus in Wien stark verbreitet war. Er stabilisierte die desolaten Finanzen, förderte die Jesuiten und stärkte Priesterausbildung und Visitationen. Seine Amtszeit markiert den Übergang von einer Phase konfessioneller Unsicherheit zu einer strukturierteren katholischen Reform, die unter seinen Nachfolgern weiter intensiviert wurde.
Melchior Khlesl (Bischof von Wien 1602–1630, Kardinal)
Melchior Khlesl, Konvertit und Jesuitenschüler, war einer der mächtigsten Kirchenpolitiker der Habsburgermonarchie. Als Bischof reorganisierte er die Diözesanverwaltung, führte systematische Visitationen ein, stärkte die Priesterausbildung und setzte eine konsequente katholische Reform durch. Unter Kaiser Matthias stieg er zum zentralen Berater auf. Die Bischofsweihe erhielt er am 30. März 1614 im Stift Kremsmünster. 1616 wurde er als erster Bischof von Wien zum Kardinal erhoben (Titelkirchen Santa Maria degli Angeli, später San Silvestro in Capite). Er nahm am Konklave von 1623 teil, aus dem Kardinal Maffeo Barberini als Papst Urban VIII. hervorging. Damit war Khlesl der erste Wiener Bischof, der an einer Papstwahl teilnahm. Seine gemäßigte Politik brachte ihn in Konflikt mit radikaleren Kräften; zeitweise wurde er verhaftet. Er starb 1630 in Wiener Neustadt. Khlesl war die entscheidende Figur bei der Rekatholisierung Wiens und der habsburgischen Erblande und gilt als Begründer der modernen Diözesanstruktur.
Anton Franz Wolfradt (Bischof von Wien 1631–1639)
Anton Franz Wolfradt, Zisterzienser und später Benediktiner, war zuvor Abt von Kremsmünster und Präsident der Hofkammer. Als Finanzreformer spielte er eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der Währung während der Kipper- und Wipperzeit, einer spätmittelalterlichen Inflationskrise. 1631 wurde er Bischof von Wien. Er förderte Jesuiten, kirchliche Disziplin, Visitationen und Priesterausbildung, während der Dreißigjährige Krieg das Land belastete. Er verband klösterliche Spiritualität mit hoher staatlicher Verantwortung und wurde im Stephansdom beigesetzt.Sein wahlspruch "Wenn der Herrgott net will, nutzt das gar nichts", wurde zur klassichen Wiener Redewendung.
Philipp Friedrich Graf von Breuner (Bischof von Wien 1639–1669)
Philipp Friedrich von Breuner war einer der bedeutendsten Bauherren unter den Wiener Bischöfen. Nach Studien in Rom und Bologna wurde er 1639 Bischof von Wien. Er ließ den monumentalen barocken Hochaltar des Stephansdoms errichten und förderte insgesamt eine glanzvolle barocke Ausgestaltung der Kirchen. Gleichzeitig stärkte er Priesterausbildung, führte Visitationen durch und stabilisierte das kirchliche Leben in der Nachkriegszeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Er starb 1669 in Wien.
Wilderich Freiherr von Walderdorff (Bischof von Wien 1669–1680)
Wilderich von Walderdorff entstammte einer rheinischen Adelsfamilie und war zuvor Reichsvizekanzler. Als Bischof von Wien galt er als mildtätig, seelsorglich nah und volksverbunden. Er förderte Priesterausbildung, Armenfürsorge und eine würdige Feier der Liturgie, predigte häufig selbst und suchte direkten Kontakt zu den Pfarren. Seine Amtszeit brachte den Menschen nach kriegsgeprägten Jahrzehnten pastorale Stabilität. Er starb 1680 im Stephansdom.
Emerich Sinelli OFMCap (Bischof von Wien 1680–1685)
Emerich Sinelli, Kapuziner und Hofprediger, war eine markante Figur am Hof Leopolds I. 1680 wurde er Bischof von Wien. Während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 verließ er mit dem Kaiserhof die Stadt, kehrte jedoch unmittelbar nach dem Entsatz zurück und organisierte den Wiederaufbau der verwüsteten Kirchen. Seine Amtszeit war kurz, aber geprägt von krisenhafter Kriegszeit und dem Beginn des barocken Wiederaufbaus. Er starb 1685.
Ernst Graf von Trautson (Bischof von Wien 1685–1702)
Ernst von Trautson entstammte einem traditionsreichen Adelsgeschlecht und erhielt seine Ausbildung in Rom. 1685 wurde er Bischof von Wien. In einer Phase des Wiederaufbaus nach der Türkenbelagerung ließ er barocke Altäre und Ausstattungen im Stephansdom und in anderen Kirchen errichten. Berühmt ist das „Trautsoner Manuskript“, eine Sammlung von Wappen und Grabinschriften Wiener Kirchen, das bis heute eine wichtige historische Quelle ist. Trautson war ein ruhiger, kunstsinniger und gelehrter Bischof Sein Hirtenschreiben gilt als wichtiger Vorbote der josephinischen Reformen und zeigt den Einfluss der Aufklärung auf die österreichische Kirche. Er wurde 1702 in der Bischofsgruft des Stephansdoms beigesetzt.
Franz Anton Fürst von Harrach (Bischof von Wien 1702–1705)
Franz Anton von Harrach, aus einer einflussreichen Hofadelsfamilie, wurde nach Studien in Rom rasch in hohe kirchliche Ämter berufen. 1702 wurde er Bischof von Wien. Seine Amtszeit war kurz, geprägt von organisatorischer Konsolidierung und seelsorglicher Erneuerung. 1705 wurde er Koadjutor von Salzburg, 1709 Fürsterzbischof. In Salzburg prägte er mit groß angelegten Bauprojekten und der Förderung bedeutender Künstler die Barockzeit. Er starb 1727 in Salzburg.
Franz Ferdinand von Rummel (Bischof von Wien 1706–1716)
Franz Ferdinand von Rummel, aus einem Patriziergeschlecht, war ursprünglich auf dem Weg zum Kapuzinerorden, folgte aber dem Rat Marco d’Avianos, als Weltpriester zu wirken. Er wurde Erzieher des späteren Kaisers Joseph I. und gelangte so in die Nähe des Hofes. 1706 wurde er Bischof von Wien. Er stärkte Priesterausbildung (mit außergewöhnlich hohen Weihezahlen), förderte Volksfrömmigkeit und ließ 1711 aus Kanonenkugeln der Türkenbelagerung die Pummerin gießen – als Zeichen des Wiederaufbaus. Er starb 1716 im Stephansdom.
Sigismund Anton Graf von Kollonitz (Bischof von Wien ab 1716, Erzbischof 1722–1751, Kardinal)
Sigismund von Kollonitz entstammte einer ungarisch-österreichischen Adelsfamilie und war bereits Bischof von Waitzen, bevor er 1716 Bischof von Wien wurde. Gemeinsam mit Kaiser Karl VI. betrieb er die Erhebung Wiens zur Erzdiözese, die 1722 erfolgte – Kollonitz wurde damit erster Erzbischof von Wien. Als solcher prägte er die neue Erzdiözese nachhaltig. Er setzte auf seelsorgliche Erneuerung, regelmäßige Exerzitien für Priester, Generalvisitationen und soziale Initiativen wie das spätere Invalidenhaus. Unter ihm wurde die Erzdiözese strukturell gefestigt und territorial erweitert. 1727 erhob ihn Papst Benedikt XIII. zum Kardinal (Titelkirchen Santi Marcellino e Pietro und später San Crisogono). Er nahm am Konklave vom Februar bis August 1740 teil, aus dem Kardinal Prospero Lambertini als Benedikt XIV. hervorging.
Johann Joseph Graf von Trautson (Erzbischof von Wien 1751–1757, ernannter Kardinal)
Johann Joseph von Trautson, aus der bekannten Adelsfamilie, wurde 1751 Erzbischof von Wien. Sein Hirtenschreiben vom 1. Januar 1752, in dem er Wunderglauben, Missbrauch des Ablasses und mangelhaftes Predigtwesen kritisierte, gilt als eines der ersten Programmdokumente der katholischen Aufklärung in Österreich. Maria Theresia schätzte seine Bildung und betraute ihn mit der Aufsicht über die theologischen und philosophischen Fakultäten der Universität Wien. 1756 wurde er zum Kardinal ernannt; eine eigene Titelkirche in Rom wurde ihm nicht mehr zugewiesen. Er starb noch vor der formellen Aufnahme ins Kardinalskollegium 1757.
Christoph Anton Migazzi (Erzbischof von Wien 1757–1803, Kardinal)
Christoph Anton Migazzi entstammte einer italienisch-österreichischen Adelsfamilie und wurde nach Studien am Collegium Germanicum Richter an der Römischen Rota. Auf Wunsch Maria Theresias wurde er Bischof von Waitzen und 1757 Erzbischof von Wien. 1761 wurde er Kardinal (Titelkirche Santi Quattro Coronati). Am Konklave 1769, aus dem Kardinal Lorenzo Ganganelli als Clemens XIV. hervorging, konnte er zwar nicht teilnehmen, er nahm aber am Konklave 1774/1775 teil (134 Tage lang!), aus dem Kardinal Giovanni Angelo Braschi als Papst Pius VI. hervorging. Diesen begrüßte Migazzi 1782 in Wien, als der Papst versuchte, Kaiser Joseph II. von dessen Kirchenreformen abzubringen. Er gründete 1758 das Wiener Priesterseminar, leitete die Studienhofkommission und prägte die Reform des Bildungswesens. In der josephinischen Reformzeit verteidigte er die kirchliche Autonomie gegen staatliche Eingriffe. Unter ihm erreichte die Erzdiözese ihre größte territoriale Ausdehnung. Am historischen Konklave 1799/1800 auf der Isola San Giorgio in Venedig, aus dem Kardinal Luigi Barnaba Chiaramonti Papst Pius VII. hervorging, konnte er gesundheitshalber nicht mehr teilnehmen. Seine 46-jährige Amtszeit ist die bislang längste eines Wiener Erzbischofs.
Sigismund Anton Graf von Hohenwart SJ (Erzbischof von Wien 1803–1820)
Sigismund von Hohenwart, aus einer krainischen Adelsfamilie, trat in den Jesuitenorden ein und wurde 1759 zum Priester geweiht. Er war Erzieher des späteren Kaisers Franz II. und Bischof von Triest und St. Pölten, bevor er 1803 Erzbischof von Wien wurde. Er förderte Klemens Maria Hofbauer und neue geistliche Gemeinschaften, erweiterte das Curhaus des Priesterseminars und führte zahlreiche Visitationen durch. Politisch stand er Napoleon kritisch gegenüber, musste aber 1810 dessen Trauung mit Maria-Luise vollziehen. Er starb 1820 und wurde im Stephansdom beigesetzt. Als Jesuit in der nachjosephinischen Ära förderte er stark die geistliche Erneuerung und gilt als Wegbereiter für das Vordringen des ultramontanen Katholizismus gegen das Staatskirchentum.
Leopold Maximilian Graf von Firmian (Erzbischof von Wien 1822–1831)
Leopold Maximilian von Firmian, aus einem bekannten Kirchenfürstengeschlecht, war zuvor Bischof von Lavant und Administrator von Salzburg. 1822 wurde er Erzbischof von Wien. Er galt als repräsentativer Kirchenfürst des Spätjosephinismus, loyal zum Kaiser und weniger konfliktfreudig gegenüber staatlichen Eingriffen. In seine Amtszeit fällt die Gründung der Leopoldinenstiftung (1829) zur Unterstützung der nordamerikanischen Missionen. Er förderte Kirchenmusik und stabilisierte die Diözese nach den napoleonischen Kriegen. Firmian starb 1831 in Wien.
Vincenz Eduard Milde (Erzbischof von Wien 1832–1853)
Vincenz Eduard Milde, aus einfachen Verhältnissen in Brünn stammend, war einer der bedeutendsten Pädagogen Österreichs. Als erster Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Wien prägte er Heil-, Sonder- und Kriminalpädagogik. 1823 wurde er Bischof von Leitmeritz, 1832 Erzbischof von Wien. Er förderte Priesterausbildung, seelsorgliche Erneuerung und schulische Bildung. Während der Revolution 1848 agierte er sehr vorsichtig, was ihm Kritik einbrachte. Dennoch bleibt er eine Schlüsselgestalt der österreichischen Pastoral- und Pädagogikgeschichte. Als wichtiger Vertreter des Reformkatholizismus seiner Zeit betonte er die Bedeutung der Seelsorge und der schulischen Bildung in der Erzdiözese. Er starb 1853.
Joseph Othmar Ritter von Rauscher (Erzbischof von Wien 1853–1875, Kardinal)
Joseph Othmar von Rauscher, Priester, Professor und Erzieher Kaiser Franz Josephs, wurde 1853 Erzbischof von Wien. Er war die zentrale Figur der Kirchenpolitik der Neoabsolutismus-Zeit. 1855 schloss er im Auftrag des Kaisers das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, das der Kirche weitreichende Rechte sicherte und den Josephinismus beendete. 1855 wurde er zum Kardinal erhoben (Titelkirche Santa Maria della Vittoria). Er gründete das Erzbischöfliche Knabenseminar, verteidigte die kirchliche Ehe gegen staatliche Eingriffe und nahm als „Inopportunist“ am Ersten Vatikanischen Konzil teil. Er verließ im Vorfeld der Abstimmung zum Unfehlbarkeitsdogmas das Konzil. 1875 verstarb er.
Johann Baptist Rudolf Kutschker (Erzbischof von Wien 1876–1881, Kardinal)
Johann Baptist Rudolf Kutschker stammte aus einfachen Verhältnissen in Schlesien und wurde Professor für Moraltheologie in Olmütz. Er war Hof- und Burgpfarrer in Wien und später leitender Beamter im Ministerium für Cultus und Unterricht. 1862 wurde er Weihbischof und Generalvikar von Wien. 1876 wurde er Erzbischof, 1877 Kardinal (Titelkirche Sant’Eusebio). Er nahm am Konklave 1878 teil (Kardinal Gioacchino Pecci – Papst Leo XIII). In seiner Person verbanden sich hohe Staats- und Kirchenämter; er vermittelte zwischen Kirche und Staat und trug entscheidend dazu bei, dass der Kulturkampf in Österreich vergleichsweise moderat verlief. Er starb 1881.
Cölestin Josef Ganglbauer OSB (Erzbischof von Wien 1881–1889, Kardinal)
Cölestin Ganglbauer, aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, trat in das Benediktinerstift Kremsmünster ein und wurde 1876 dessen Abt. 1881 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Erzbischof von Wien; 1884 wurde er Kardinal (Titelkirche Sant’Eusebio). Er war volksnah, seelsorglich engagiert und gründete den Allgemeinen Wiener Kirchenbauverein, der den Bau vieler Pfarrkirchen in den neuen Arbeiterbezirken ermöglichte. Er unterstützte die Arbeiterseelsorge, etwa durch Förderung der Gründung des Kalasantinerordens, und widmete einen Hirtenbrief 1889 der sozialen Frage – ein früher Beitrag zur katholischen Soziallehre. Er starb 1889.
Anton Josef Gruscha (Erzbischof von Wien 1890–1911, Kardinal)
Anton Josef Gruscha, Sohn eines Wiener Handwerkers, war Domprediger, Professor für Moraltheologie und engagierter Förderer der katholischen Volksbewegung. Er gründete Gesellen- und Meistervereine mit Adolph Kolping. 1878 wurde er Apostolischer Feldvikar, 1890 Erzbischof von Wien, 1891 Kardinal (Titelkirche Santa Maria degli Angeli). Gruscha war ein charismatischer Prediger, volksnah und konservativ in Glaubensfragen, kritisch gegenüber Liberalismus und Säkularisierung. Gruscha war einer der führenden Vertreter des politischen Katholizismus in Österreich-Ungarn und förderte die katholische Sozialbewegung. Er nahm am Konklave 1903 teil (Kardinal Giuseppe Sarto – Papst Pius X). In seinen letzten Lebensjahren war er fast blind und taub; sein Koadjutor Franz Xaver Nagl unterstützte ihn. Er starb 1911.
Franz Xaver Maria Nagl (Erzbischof von Wien 1911–1913, Kardinal)
Franz Xaver Nagl, aus einer Wiener Handwerkerfamilie, studierte in Wien und Rom und wurde Rektor des Priesterkollegs Santa Maria dell’Anima. 1902 wurde er Bischof von Triest, 1910 Koadjutor von Wien und 1911 Erzbischof. 1911 erhob ihn Papst Pius X. zum Kardinal (Titelkirche San Marco). Nagl gründete das neue Wiener Priesterseminar in der Boltzmanngasse und war Ehrenmitglied mehrerer katholischer Studentenverbindungen. Er galt als kultiviert, diplomatisch geschickt und seelsorglich engagiert. Seine Amtszeit war kurz: Er starb 1913 mit 57 Jahren.
Friedrich Gustav Piffl CanReg (Erzbischof von Wien 1913–1932, Kardinal)
Friedrich Gustav Piffl, gelernter Buchbinder, trat als junger Mann in das Stift Klosterneuburg ein und wurde Augustiner-Chorherr. Er war Professor für Moraltheologie und 1907–1913 Propst des Stiftes. 1913 wurde er Erzbischof von Wien, 1914 Kardinal (Titelkirche San Marco). Er nahm am Konklave 1914 (Kardinal Giacomo Della Chiesa – Papst Benedikt XV) und am Konklave 1922 (Kardinal Achille Ratti – Papst Pius XI) teil. Piffl führte die Erzdiözese durch den Ersten Weltkrieg, den Zerfall der Monarchie und die schwierige Anfangszeit der Republik. Er gründete oder stärkte zahlreiche Werke: Caritas Socialis, Canisiuswerk, Katholische Aktion und das Wiener Seelsorgeinstitut. Als erster Erzbischof der Republik Österreich verzichtete er auf den Titel "Fürsterzbischof" und richtete die Kirche auf die neuen sozialen und politischen Gegebenheiten der Ersten Republik aus. Er starb 1932.
Theodor Innitzer (Erzbischof von Wien 1932–1955, Kardinal)
Theodor Innitzer, aus einer Arbeiterfamilie in Böhmen, war Neutestamentler, Universitätsprofessor und Rektor der Universität Wien, bevor er 1929 Sozialminister wurde. 1932 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Erzbischof, 1933 wurde er Kardinal (Titelkirche San Crisogono). Er war eine der ganz wenigen Stimmen die Stalins Hungergenozid an den Ukarinern (Holodomor) öffentlich anprangerte. Sein Verhalten beim „Anschluss“ 1938 – insbesondere eine unter Druck entstandene Zustimmungserklärung – ist dagegen bis heute umstritten; noch im selben Jahr distanzierte er sich davon nach einer Audienz bei Pius XI. Er nahm am Konklave 1939 teil (Kardinal Eugenio Pacelli – Papst Pius XII). Die Jugendkundgebung im Stephansdom im Oktober 1938 gilt als Beginn des katholischen Widerstands. Innitzer gründete Hilfsstellen für „nichtarische“ Katholiken und blieb nach 1945 eine wichtige moralische Stimme. Er starb 1955.
Franz König (Erzbischof von Wien 1956–1985, Kardinal)
Franz König, aus bäuerlicher Familie im Pielachtal, promovierte in Philosophie und Theologie, war Professor, Weihbischof in St. Pölten und wurde 1956 Erzbischof von Wien. 1958 erhob ihn Papst Johannes XXIII. zum Kardinal (Titelkirche Sant’Eusebio). König war eine Schlüsselfigur des Zweiten Vatikanischen Konzils, setzte sich für Religionsfreiheit, Ökumene und den Dialog mit der Moderne ein und pflegte intensive Kontakte in den Ostblock. Er nahm an drei Konklaven teil: 1963 (Kardinal Giovanni Battista Montini – Papst Paul VI), 1978 (Kardinal Albino Luciani – Papst Johannes Paul I) und 1978 (Kardinal Karol Wojtyła – Papst Johannes Paul II). Er spielte dem Vernehmen nach eine entscheidende Rolle bei der Wahl Karol Wojtyłas zum Papst. In Österreich wirkte er als Brückenbauer zwischen Kirche und Sozialdemokratie und blieb bis ins hohe Alter eine moralische Autorität. Er starb 2004.
Hans Hermann Groër OSB (Erzbischof von Wien 1986–1995, Kardinal)
Hans Hermann Groër, aus einer Offiziersfamilie, war lange Jahre Religionslehrer und Studentenseelsorger in Hollabrunn, Gründer der Wallfahrt nach Maria Roggendorf, Mitglied des Oratoriums und später Benediktiner von Göttweig (Ordensname Hermann). 1986 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Wien ernannt, 1988 zum Kardinal (Titelkirche Santi Gioacchino ed Anna al Tuscolano). 1995 wurden schwere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bekannt, denen sich weitere Meldungen anschlossen. 1998 erklärten führende österreichische Bischöfe, sie seien „zur moralischen Gewissheit gelangt“, dass die Vorwürfe im Wesentlichen zutreffen. Groër trat von allen Ämtern zurück und lebte zurückgezogen in Marienfeld, wo er 2003 starb. Die Krise um seine Person führte zur tiefgreifendsten Erschütterung der österreichischen Kirche in der Nachkriegszeit und löste einen wichtigen Aufarbeitungsprozess aus.
Christoph Schönborn OP (Erzbischof von Wien 1995–2025, Kardinal)
Christoph Schönborn, aus der böhmischen Linie der Familie Schönborn, wuchs nach der Vertreibung der Familie in Vorarlberg auf. Er trat 1963 in den Dominikanerorden ein, studierte in Wien, Paris und Fribourg, promovierte über die Ikonographie Christi und war Professor für Dogmatik und Ostkirchenkunde in Fribourg. International bekannt wurde er als Sekretär der Redaktionskommission des Katechismus der Katholischen Kirche. 1991 wurde er Weihbischof in Wien, 1995 Koadjutor und im selben Jahr Erzbischof. 1998 erhob ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal (Titelkirche Gesù Divin Lavoratore). Er nahm am Konklave 2005 (Kardinal Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI) und 2013 (Kardinal Jorge Maria Bergoglio – Papst Franziskus) sowie altersbedingt als Non-Elektor am Vorkonklave 2025 (Kardinal Robert Francis Prevost – Papst Leo XIV) teil. Schönborn leitete von 1998 bis 2020 die Österreichische Bischofskonferenz, prägte Debatten zu Bioethik, Migration und interreligiösem Dialog und gilt als Brückenbauer innerhalb der Weltkirche.
Erzbischof Josef Grünwidl (Weihe 24. Jänner 2026 - heute)
Josef Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn in Niederösterreich geboren und wuchs im nahen Wullersdorf auf. 1981 trat er nach der Matura in Hollabrunn in das Wiener Priesterseminar ein.