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05.01.2015

Die Brückenbauerin

Wie Ute Craemer die Favela Monte Azul verwandelte

Favela – das ist der Name einer Pflanze, ein stacheliges Kraut, das ganze Landstriche überzieht und kaum Platz für (anderes) Leben lässt.

 

Kein Wunder eigentlich, das ihr Name Pate für die Armenviertel stand, die sich an den Rändern der großen Städte Brasiliens gebildet haben. Wild und planlos machen sie sich etwa auf den Hügeln rund um die Megacity Sao Paolo breit.

 

Eines dieser Armenviertel ist die Favela Monte Azul. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lässt sich Anfang der 70er Jahre die junge Deutsche Ute Craemer nieder. Die Favela zieht sie sofort in ihren Bann: Tausende Menschen leben hier. Häuschen aus Brettern, Pappe und Plastikplanen prägen das Bild. Das Abwasser rinnt in dünnen, stinkenden Bächen die Straßen entlang. Die Kinder verbringen ihre Tage auf den Straßen. Die Erwachsenen arbeiten entweder so viel, dass sie nur zum Schlafen nach Hause kommen oder sitzen frustriert vom Nichtstun in ihren Hütten. Ute Craemer will da nicht tatenlos zusehen. Sie will helfen. Aber wo ansetzen?

Mit Achtung und Respekt

Immer wieder stehen Kinder aus der Favela vor der Tür der jungen Deutschen. Sie gibt den den Kindern Brot. Eines Tages beschließt sie mehr zu tun: Sie beginnt mit den Kinder zu spielen, zu lernen. Immerhin ist sie Lehrerin, Waldorfpädagogin.

 

Bald ist ihr Engagement generationenübergreifend. Mit den Kindern lernt sie. Den Frauen bringt sie bei, wie sie und ihre Familien gesund bleiben. Die Männer lässt sie eine „Escolinha“, eine Schule bauen – speziell für die Kinder der Favela.

 

Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen macht Ute Craemer den Menschen klar, wie sie sich selbst helfen können, wie sie ihr Leben in die Hand nehmen können. 1979 wird die Organisation „Associacao Communitaria Monte Azul“ gegründet. Das Ziel: der Arbeit von Ute Craemer Struktur zu geben und die Verbesserung in der Favela geregelt vorantreiben zu können.

Das Ziel immer vor Augen

„Die Brückenbauerin“ ist die bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die ihr Ziel – trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten – nie aus den Augen verliert und die sich mit Ungerechtigkeiten nicht abfinden will. Es ist aber auch ein Buch über die Geschichte Brasiliens, den Alltag in einem der größten Länder der Erde und das Potenzial der Waldorfpädagogik.