Rom, Basilika Santi Quattro Coronati, Oratorium des Hl. Silvester
Rom, Basilika Santi Quattro Coronati, Oratorium des Hl. Silvester
Der Jahreswechsel ist mehr als nur ein Datum – er berührt etwas Grundlegendes in uns. Abschied und Aufbruch liegen dicht beieinander, wie die zwei Seiten einer Medaille.
Nicht zufällig trägt der erste Monat des Jahres den Namen des römischen Gottes Janus, der mit seinen zwei Gesichtern zugleich zurück und nach vorne blickt. Doch warum heißt der letzte Tag des Jahres „Silvester“?
Silvester war kein antiker Festtag, sondern der Name eines Papstes. Silvester I. lebte zur Zeit der Konstantinischen Wende, als das Christentum durch das Mailänder Edikt erstmals anerkannt wurde und später zur Staatsreligion des Römischen Reiches aufstieg. Sein Name bedeutet in etwa Waldmann oder Waldmensch. Über sein Leben wissen wir wenig – umso reicher sind die Legenden: Er soll Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und sogar einen Drachen bezwungen haben, der in den Ruinen Roms hauste. Ein Freskenzyklus im Kloster Santi Quattro Coronati in Rom erzählt diese Geschichten bis heute.
Als Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 den Kalender reformierte und den 31. Dezember als letzten Tag des Jahres festlegte, fiel dieser auf Silvesters Todestag. So wurde sein Name zum Synonym für den Jahreswechsel.
Das war nicht immer so. Im antiken Rom begann das Jahr im März – passend zum Erwachen der Natur. Noch heute erinnern unsere Monatsnamen daran: September (der siebte), Oktober (der achte), Dezember (der zehnte Monat). Erst Julius Cäsar verlegte den Jahresbeginn 45 v. Chr. auf den 1. Januar, um ihn mit dem Amtsantritt der Konsuln zu synchronisieren. Im Mittelalter herrschte dann ein buntes Durcheinander: Weihnachten, Ostern oder der 25. März galten je nach Region als Jahresanfang. Erst die gregorianische Reform brachte Ordnung.
Der Name des Festes ist christlich, doch das Feuerwerk stammt aus einer ganz anderen Tradition. Silvester liegt mitten in den Rauhnächten – jener geheimnisvollen Zeit „außerhalb der Zeit“, in der nach altem Volksglauben die Tore zur Geisterwelt offenstanden. Um sich vor dunklen Mächten zu schützen, machten unsere Vorfahren Lärm und verbrannten Weihrauch. Was damals Peitschenknallen und Kettenrasseln war, sind heute Knallkörper und bunte Raketen: Licht und Lärm, um das Alte zu verabschieden und das Neue hell willkommen zu heißen.
Der 1. Januar ist zwar international heute der allgemeine, maßgebliche Kalender. In der katholischen Kirche hat das neue Jahr allerdings bereits mit dem Ersten Adventsonntag - heuer am 30. November- begonnen. Zudem hat sich der alte Brauch erhalten, dass in den Bischofskirchen am Ende der Eucharistie zum Fest der Erscheinung des Herrn (6. Jänner) der liturgische Kalender, v.a. der Termin des Osterfestes feierlich verkündet wird.
Die Ostkirchen beginnen das Kirchenjahr mit dem 1. September. Darüber hinaus hält die Kirche im christlichen Osten - auch in den unierten - zur Gänze oder wenigstens für das Osterfest und den damit verbundenen Festtagen am julianischen Kalender fest, der aktuell 13 Tage vom gregorianischen abweicht.
Auch andere anderen Kulturen und Religionen führen parallele Kalenderund feiern dementsprechend u.a. je eigene Neujahrsfeste. Wer die Magie des Neubeginns liebt, kann den Jahresbeginn gleich mehrfach feiern:
14. Januar – Orthodoxes ("altes") Neujahr nach dem julianischen Kalender
17. Februar – Chinesisches Neujahr: Wir begrüßen das Jahr des Feuer-Pferdes
20. März – Nowruz, das persische Frühlingsfest
13. April – Songkran in Thailand: Wasserschlachten für Glück und Reinigung
16. Juni – Islamisches Neujahr: Beginn des Jahres 1448 nach der Hidschra
11. September – Rosch Haschana, das jüdische Neujahr 5787