Papst und Kardinäle beraten in Rom über zentrale Zukunftsfragen der Kirche, liturgische Konflikte, Reformprozesse und weltweite Kommunikationsstrukturen.
Im Vatikan beginnt am Mittwoch ein zweitägiges Konsistorium, bei dem Papst Leo XIV. erstmals gemeinsam mit allen Kardinälen über zentrale Weichenstellungen für die katholische Kirche berät. Zu der Versammlung wurden sämtliche 245 Purpurträger aus 107 Ländern eingeladen. Eine vollständige Teilnehmerliste liegt zwar noch nicht vor, doch ist bereits absehbar, dass nicht alle Kardinäle anreisen können. Viele sind hochbetagt – 123 von ihnen haben das 80. Lebensjahr überschritten – andere sind aus gesundheitlichen oder politischen Gründen verhindert. Kardinal Christoph Schönborn kann etwa wegen einer hartnäckigen Erkältung nicht teilnehmen.
Die Beratungen finden in einem ungewohnten Rahmen statt. Statt der traditionellen Reihen sitzen die Kardinäle an runden Tischen, ein Format, das erstmals während der Weltsynode 2023 erprobt wurde. Leo XIV. übernimmt dieses Modell nun für seine erste große Zusammenkunft und setzt bewusst auf direkten Blickkontakt und gleichberechtigten Austausch. Nach Angaben des Vatikans soll die Versammlung nicht nur der Klärung zentraler Fragen dienen, sondern auch das Miteinander der weltweit verstreuten Papstberater stärken und persönliche Begegnungen ermöglichen.
Im Mittelpunkt der Beratungen stehen vier Themenfelder, die Papst Leo XIV. zur Diskussion gestellt hat. Zu Beginn sollen die Kardinäle selbst festlegen, welche beiden Punkte sie in den kommenden anderthalb Tagen prioritär behandeln. Ein Schwerpunkt betrifft die Weiterentwicklung der Synodalität, also die stärkere Einbindung aller Gläubigen in kirchliche Entscheidungsprozesse. Dieser weltweite Reformprozess wurde unter Papst Franziskus angestoßen und soll nach dem Willen Leos XIV. nun vertieft und in konkrete Strukturen überführt werden.
Ein zweites Themenfeld betrifft die Frage, wie die Kirche ihre Botschaft in einer zunehmend säkularen und medial fragmentierten Welt wirksam kommunizieren kann. Leo XIV. knüpft damit an Grundsatzschreiben seines Vorgängers an, in denen Franziskus eine offenere, dialogorientierte Verkündigung forderte. Ebenso steht die interne Kommunikation zwischen der römischen Kurie und den Ortskirchen auf dem Prüfstand – ein Bereich, in dem der Papst nach Einschätzung vatikanischer Beobachter erheblichen Reformbedarf sieht.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage nach der Form der katholischen Messfeier. Seit den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) stehen sich Befürworter der erneuerten Liturgie und Anhänger der traditionellen „Alten Messe“ teils unversöhnlich gegenüber. Benedikt XVI. hatte 2007 die ältere Form weitgehend wieder zugelassen, Franziskus sie 2021 erneut eingeschränkt. Leo XIV. wurde im Konklave ausdrücklich mit dem Wunsch gewählt, hier für Entspannung zu sorgen. Der Papst selbst hatte bereits kurz nach seiner Wahl Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch wird angesichts der Komplexität des Themas nicht mit schnellen Entscheidungen gerechnet.
Die Beratungen finden hinter verschlossenen Türen in der vatikanischen Audienzhalle statt. Leo XIV. setzt dabei auf ein neues Setting, das bereits bei der Weltsynode 2023 erprobt wurde: Statt hierarchisch angeordneter Sitzreihen sitzen die Kardinäle an runden Tischen. Der Papst möchte damit Austausch auf Augenhöhe ermöglichen und die weltweite Gruppe seiner engsten Berater stärker miteinander vernetzen. Neben den inhaltlichen Diskussionen soll das Konsistorium ausdrücklich auch der „Gemeinschaft und Brüderlichkeit“ dienen.
Am Donnerstagabend sollen einige der Kardinäle die Presse über Verlauf und mögliche Ergebnisse informieren. Das Treffen gilt weniger als Ort endgültiger Entscheidungen, sondern vielmehr als weltkirchisches Stimmungsbild, das Leo XIV. Orientierung für die kommenden Monate geben soll.