Ein Festsaal wird zum Zufluchtsort: Die Döblinger Pfarre richtet in kurzer Zeit ein Notquartier ein und fängt neu ankommende Ukrainerinnen und Ukrainer mit engagierter Hilfe auf.
Die Pfarre Franz von Sales in Wien-Döbling bereitet sich in diesen Wochen intensiv darauf vor, neu ankommende Ukrainerinnen und Ukrainer aufzunehmen. Während staatliche Stellen noch keine Lösung für die Erstunterbringung gefunden haben, hat die Gemeinde längst begonnen, das zu tun, was sie seit Jahren auszeichnet: schnell, verlässlich und mit großem Einsatz zu helfen.
Der große Festsaal der Pfarre wird Schritt für Schritt in ein einfaches, aber sicheres Notquartier umgewandelt. Bis zu 30 Menschen sollen dort in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft einen Platz zum Schlafen, Ausruhen und Ankommen finden. Die Ausstattung entsteht vollständig durch freiwilliges Engagement: Betten werden aufgebaut, Decken sortiert, Lebensmittel und Hygieneartikel gesammelt. Alles, was gebraucht wird, kommt aus der Gemeinde und dem Umfeld der Pfarre.
Das Herzstück des Projekts sind die vielen Freiwilligen. Sie übernehmen Küche, Reinigung, Organisation und Betreuung. Manche helfen täglich, andere punktuell – aber alle tragen dazu bei, dass das Notquartier funktionieren kann. Die Aufgaben sind vielfältig: vom Kochen über das Sortieren von Kleidung bis hin zum Empfang der Menschen, die nach einer langen Reise erschöpft ankommen. Alex Gotsmy, der seit Jahren die Flüchtlingsarbeit der Pfarre mitgestaltet, koordiniert die Abläufe. Er sammelt Spenden, spricht Helferinnen und Helfer an und sorgt dafür, dass alles bereitsteht, wenn die ersten Menschen eintreffen. Seine Haltung prägt das gesamte Projekt: nicht warten, sondern handeln.
Provisorische Sofortmaßnahme in Zusammenarbeit mit der Pfarrcaritas
Das Notquartier ist bewusst als kurzfristige Übergangslösung angelegt. In enger Zusammenarbeit mit der Pfarrcaritas stellt die Pfarre eine provisorische Sofortmaßnahme bereit, um die ersten Tage nach der Ankunft abzufedern. Es geht darum, eine Lücke zu schließen, bis staatliche Stellen wieder reguläre Unterbringungsmöglichkeiten anbieten können. Die Pfarre übernimmt damit eine Aufgabe, die eigentlich anderswo liegen sollte – aber sie tut es, weil Menschen sonst ohne Unterkunft dastehen würden.
Für die Pfarre Franz von Sales ist dieses Engagement keine Ausnahme, sondern Teil ihrer Identität. Schon 2015/16 stellte sie an mehreren Standorten Unterkünfte bereit und bot Nacht für Nacht bis zu 60 Menschen Schutz. Auch 2022, nach Beginn des Krieges in der Ukraine, reagierte die Gemeinde sofort. Diese Erfahrung macht vieles leichter: Die Abläufe sind bekannt, die Bereitschaft groß, die Zusammenarbeit eingespielt. Die Pfarre weiß, was es braucht, um Menschen in den ersten Tagen zu begleiten – und sie weiß, dass es oft gerade diese ersten Tage sind, die über Sicherheit und Stabilität entscheiden.
Das Engagement der Pfarre ist bewusst unkompliziert. Es geht nicht um langfristige Unterbringung oder große Strukturen, sondern um das, was sofort möglich ist: einen warmen Raum, ein Bett, eine Mahlzeit, ein freundliches Gegenüber. Die Gemeinde schafft einen Ort, an dem Menschen nach der Flucht zur Ruhe kommen können, bevor die formalen Schritte beginnen. In einer Situation, in der staatliche Lösungen noch ausstehen, setzt die Pfarre Franz von Sales ein klares Zeichen: Niemand soll in den ersten Tagen in Österreich ohne Unterkunft dastehen. Die Gemeinde zeigt, dass Solidarität nicht von Zuständigkeiten abhängt, sondern von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Über freiwillige Helferinnen und Helfer freut sich die Pfarre natürlich.