Allzeit bereit! – so lautet die Devise der Pfadfinder.
Allzeit bereit! – so kann die auch die Botschaft des heutigen Evangeliums kurz zusammengefasst werden. Wofür aber sollen wir bereit sein? Oder für wen? Die Antwort des Evangeliums ist klar: Für den Herrn! Das heißt für Gott, für Jesus, für sein Kommen. Aber was heißt das? Um welches Kommen handelt es sich? Wann und wie kommt der Herr? Um uns das nahezubringen gebraucht Jesus vertraute Bilder, die auch heute verständlich sind.
Alle wissen wir, was "Bereitschaftsdienst" bedeutet. Es gibt viele Berufe, in denen man "allzeit bereit" sein muss: Die Rettung, die Feuerwehr, der diensthabende Arzt, die Polizei oder die vielen Wachdienste, um nur einige Beispiele zu nennen.
Jesus selber gebraucht zwei Vergleiche: Der Herr ist auf eine Hochzeit gegangen. Der Diener muss warten, bis der Chef nach Hause kommt, um ihm zu öffnen. Heute wäre es der Chauffeur, der warten muss, bis sein Chef endlich kommt, und das kann lange dauern. Er muss nur "allzeit bereit" sein.
Der zweite Vergleich betrifft die Wachsamkeit gegen Einbrecher. Wer schon Opfer von Dieben war, weiß wie sehr man im Nachhinein mangelnde Wachsamkeit bereut.
Wir wissen alle, was solche wache Bereitschaft bedeutet. Was aber heißt es, "das Kommen des Menschensohnes" zu erwarten? Vielleicht verstehen wir das besser, wenn wir das zweite Gleichnis ansehen. Es dreht sich um den "treuen und klugen Verwalter". Was erwartet man von einem Verwalter? Dass er seine Stellung nicht missbraucht, dass er das ihm Anvertraute gut betreut und seine Mitarbeiter ordentlich behandelt und vor allem: Dass er jederzeit Rechenschaft über seine Verwaltung abgeben kann. Wir haben genügend Beispiele für schlechte, ja kriminelle Handhabung von Verwaltungsdiensten, im Bankwesen, in der Wirtschaft, in der Politik und leider auch in der Kirche. Und immer ist es dasselbe Muster: Die unersättliche Geldgier!
Was hat das alles mit dem "Warten auf den Herrn" zu tun? Da geht es doch einfach um Haltungen, die für viele Berufe selbstverständlich sind (oder sein müssten): Um alle Arten von Bereitschaftsdiensten und von Verwaltungsaufgaben. Nun weiß Jesus genauso gut wie wir alle, wie schlimm es ist, wenn Menschen ihren Bereitschaftsdienst nicht wahrnehmen, wenn zum Beispiel die Rettung nicht kommt, die Polizei versagt oder der Priester nicht erreichbar ist. Und wie viel Schaden es anrichtet, wenn Korruption und Machtmissbrauch in die Verwaltung eindringen.
"Auf den Herrn warten", das heißt: Allzeit bereit sein, vor Gott Rechenschaft über unser Tun und Lassen geben zu können. Und das nicht erst irgendwann am Ende des Lebens, sondern hier und heute. Wer so lebt, sammelt "Schatz im Himmel" – und ist für seine Mitmenschen ein Segen!