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20.06.2014

Franziskus zu Fronleichnam: "Nur Gott kann Hunger nach Liebe und Ewigkeit stillen"

Papst verzichtete auf das Mitgehen bei der traditionelle Fronleichnamsprozession

 Jeder Mensch trägt nach den Worten von Papst Franziskus einen durch keine Macht dieser Welt stillbaren Hunger nach Liebe und Ewigkeit in sich. Diesen könnten nur die eucharistischen Gaben von Brot und Wein stillen, sagte der Papst am Donnerstagabend während des traditionellen Fronleichnamsgottesdienst in Rom.

 

Speisen, die uns die Welt anbietet: Gier nach Geld, Erfolg und Macht

Jesus selbst sei das "lebendige Brot". Sein Leib und sein Blut nähmen in der Eucharistiefeier die Gestalt von Brot und Wein an. Allerdings erscheine diese Speise zunächst oft "weniger geschmackvoll als gewisse Speisen, die uns die Welt anbietet", so der Papst in seiner Predigt vor mehreren Zehntausend Menschen auf dem Platz vor der Lateranbasilika. Als Beispiele nannte er die Gier nach Geld, Erfolg und Macht sowie Eitelkeit und Ehrgeiz.

 

Franziskus verwies auf die biblische Geschichte vom Auszug des Volks Israel aus Ägypten. In der Wüste hätten die Flüchtenden dem Fleisch und den Zwiebeln nachgetrauert, die sie in Ägypten gegessen hätten, und dabei vergessen, dass sie diese Speisen als Sklaven eingenommen hätten, führte der Papst aus.

 

Zur Vorbereitung auf Kalabrien ein weniger beschwerliches Programm

Auf die traditionelle Fronleichnamsprozession zur Kirche Santa Maria Maggiore im Anschluss an den Gottesdienst verzichtete der Papst in diesem Jahr. Er legte die rund zwei Kilometer zu der päpstlichen Basilika im Auto zurück und wartete dort das Eintreffen der Prozession ab.

 

Angesichts der bevorstehenden Reise nach Kalabrien am Samstag wolle der 77-Jährige den Weg von der Lateranbasilika nach Santa Maria Maggiore nicht zu Fuß zurücklegen, teilte der Vatikan mit. Die Benutzung eines umgebauten offenen Lieferwagens, wie ihn seine Vorgänger verwendet hatten, lehne Franziskus ab. Die Aufmerksamkeit der Gläubigen solle sich nach dem Wunsch des Papstes auf die Monstranz mit der geweihten Hostie konzentrieren.

 

Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) hatten für die Prozession einen Lieferwagen benutzt, wobei sie während der Fahrt auf einer Bank vor der Monstranz mit dem Allerheiligsten knieten. Seine erste Fronleichnamsprozession im vergangenen Jahr hatte Franziskus anders als seine Vorgänger zu Fuß zurückgelegt.

 

Wohnungslose harren in Santa Maria Maggiore aus

Unterdessen harren in Santa Maria Maggiore weiterhin rund 120 Frauen und Männer mit ihren Kindern aus. Vor knapp drei Wochen hatten sie nach der Räumung eines von ihnen besetzten Gebäudes hier Zuflucht gesucht. Die Verhandlungen mit der Stadt Rom über eine alternative Unterbringung dauern an.

 

Der Vatikan, zu dessen extraterritorialen Gebiet die Kirche zählt, äußerte sich bislang offiziell nicht zur Kirchenbesetzung. Die Familien, die der Wohnungslosen-Bewegung angehören, sollen den Papst in zwei Briefen um Hilfe gebeten haben. Aus dem vatikanischen Presseamt verlautete am Donnerstag, dass es sich um eine Angelegenheit der Stadt Rom handle; diese müsse eine Lösung finden. Nach Medienberichten sollen die Besetzer in den vergangenen Tagen auch mit dem päpstlichen Almosenverwalter, Erzbischof Konrad Krajewski, zusammengetroffen sein.