Weihnachten 2011 in Betlehem. Wie jedes Jahr zieht der kleine Ort nördlich von Jerusalem rund um den 24. Dezember besonders viel Aufmerksamkeit auf sich.
Das bringt auch ein Mehr an Aufmerksamkeit für die christliche Gemeinde vor Ort, die es, so Sr. Bernadette Schwarz, Vizerektorin des Österreichischen Hospizes, besonders schwer hat. „Eine 8 Meter hohe Betonmauer und Sperrzäune trennen Betlehem von Jerusalem. Es gibt dort einen Checkpoint, den man nur nach eingehender Kontrolle passieren kann; jeder Bewohner von Betlehem braucht außerdem ein eigenes „Permit“, eine spezielle schriftliche Erlaubnis, die leider nicht jedem und jeder erteilt wird“, erzählt Sr. Bernadette.
Die Christen seien in Israel eine ganz kleine Minderheit – weniger als 2 % der Gesamtbevölkerung. Dazu komme, dass sich die Zahl der Christen in den letzten 60 Jahren von ungefähr 31000 auf 6000 verringert habe, während die Zahl der Muslime und Juden um ein Vielfaches gestiegen ist.
„Meine Erfahrung ist, dass aufgrund der schwierigen Situation immer mehr Christen auswandern, weil sie für sich und vor allem für ihre Kinder keine Zukunft sehen“, erzählt Sr. Bernadette Schwarz. Eine große Herausforderung für alle Helferinnen und Helfer ist es, Tag für Tag die Lebensbedingungen der einheimischen Christen so nachhaltig positiv zu verändern, dass sie im Land bleiben. „Egal wie wenig es sind. Die Christen hier im Land brauchen unsere Unterstützung“, so die Vizerektorin, „So finde ich es zum Beispiel richtig und gut, wenn österreichische Pilger ins Heilige Land reisen – speziell auch nach Betlehem – um Solidarität zu zeigen und die ortsansässigen Christen in ihrer Hoffnung zu stärken.“
Generell sei die Lage in Israel und da auch vor allem in Jerusalem natürlich nicht die einfachste. Der Alltag im Österreichischen Hospiz aber werde von den Spannungen nicht beeinflusst. „ Wir wollen das Haus als offenes Haus, als ein Haus der Begegnung für alle sehen und führen. Wir leben damit im Österreichischen Hospiz auf einer ,Friedensinsel‘“, sagt Sr. Bernadette, „Das erlebe nicht nur ich so, auch unsere Besucher behaupten das.“
Advent und Weihnachten wird im Hospiz natürlich in besonderer Art und Weise gefeiert. „Im Advent versuchen wir durch schlichten weihnachtlichen Schmuck die Umgebung darauf aufmerksam zu machen, dass Advent, ist und Weihnachten, das Fest der Geburt des Herrn, naht: Ein Adventkranz – heuer ein Geschenk aus Oberösterreich und aus Tannenreisig hergestellt – ziert unsere Kapelle. Im Kaffeehaus und an einigen Plätzen im Haus stehen Laternen oder Gestecke mit brennenden Kerzen. Und es duftet im ganzen Haus nach frisch gebackenen Keksen.“ Tradition haben im Österreichischen Hospiz auch die Rorate-Gottesdienste „um 6.00 Uhr früh bei Kerzenschein.“
Rechtzeitig vor Weihnachten wird eine kleine aus Olivenholz geschnitzte Krippe in der Kapelle aufgestellt. „Was zu Weihnachten hier nicht fehlen darf, sind auch jugendliche Pfadfinder und laute Trommelmusik“, schmunzelt Sr. Bernadette, „Und nicht Fichten- oder Tannenbäume werden mit Strohsternen, Silberkugeln und Lichtern geschmückt, sondern Zypressen.“
Die Christmette wird am Heiligen Abend um 22.00 Uhr gefeiert. Nach dem Gottesdienst gehen erfahrungsgemäß noch einige zu Fuß nach Betlehem. Beim Überqueren des Checkpoints sind in dieser Nacht Militär und Polizei besonders freundlich und rufen den Pilgern „Happy Christmas!“ zu. „Diese Nachtwanderung erinnert an die Botschaft der Hirten von damals“, betont Sr. Bernadette, „,Auf, lasst uns nach Betlehem gehen....‘ Betlehem ist jener Ort, wo der Engel den Hirten verkündet hat: ,Friede den Menschen‘. Sich für diesen Frieden im Heiligen Land einzusetzen – nicht durch große Taten, sondern einfach durch das Dasein – ist für mich besonders wichtig.“
Andrea Harringer
Sr. Bernadette Schwarz SCSC Vizerektorin stammt aus Traberg in Oberösterreich und lebt seit 1999 in Jerusalem. Rund neun Jahre war sie dort als Prokuratorin in der Benediktinerabtei Dormitio tätig. Seit 2008 arbeitet sie im Hospiz, wo die Bereiche „Volontäre“ und „Hauswirtschaft“ zu ihrem Aufgabenfeld gehören.
Das Hospiz als ältestes nationales Pilgerhaus im Heiligen Land liegt an der Via Dolorosa. Es ist eine Stiftung der katholischen Kirche in Österreich mit dem jeweiligen Wiener Erzbischof als Protektor. Rektor ist Markus Bugnyar. (www.austrianhospice.com)