Als ich ein ein Kind war, in den 70er Jahren, waren exotische Früchte eine echte Rarität. Kiwis, Melonen, Bananen und vor allem Orangen waren wirklich sehr schwer zu bekommen. Wir hatten allerdings Glück: Mein Onkel hatte ein Gemüsegeschäft, und so bekam meine Familie jedes Jahr zu Weihnachten zwei Orangen.
Ich kann mich noch gut an die Freude erinnern, die wir alle damit hatten: Allein wenn meine Eltern die Früchte schälten, war das schon ein Erlebnis. Schnell verbreitete sich im ganzen Raum ein herrlicher Duft. Wir Kinder waren oft schon versucht, die Schalen zu essen, weil sie gar so gut gerochen haben. Traditionell werden am Heiligen Abend in Polen ja 12 Speisen gereicht, aber die Orangen waren trotz all der Köstlichkeiten, unter denen sich unser Tisch gebogen hat, immer etwas ganz Besonderes und für mich eng mit Weihnachten verbunden.
Das ist übrigens auch heute noch so: Wenn ich den Duft von Orangen rieche, denke ich an das Weihnachten meiner Kindheit und welche Freude wir damals empfunden haben.
P. Dariusz Schutzki CR
ist Bischofsvikar des Vikariates Wien-Stadt und Pfarrer der Pfarre St. Othmar, Wien 3
Mein Mann ist ein großer Fan von Weihrauch und Räuchern. Die Kinder und ich stehen dieser Leidenschaft etwas gespalten gegenüber. Froh und stolz hielt ich vor Jahren den Fotoapparat bereit, um festzuhalten, wie unsere damals 6-jährige Esther erstmals das Weihnachtsevangelium las – von der prächtig geschmückten Rückseite des „Sonntags“. Voll Rührung über jeden fehlerfrei gelesenen Satz schwenkte mein Mann daneben eifrig die Pfanne mit Weihrauch… und die Kinder und ich verschwanden langsam, aber stetig im Nebel. Das Foto, das ich von der ersten Evangeliumslesung unseres Kindes machen wollte, zeigt einen grünen Fleck (Christbaum), einen Roten (Esthers Pulli), einen kleinen blauen (Hannah mit drei Jahren) und sonst graue Schwaden. Es war trotzdem ein wunderschönes Fest – und geräuchert wird auch heuer.
Martina Kronthaler
ist Generalsekretärin der aktion leben österreich
Weihnachtsduft; leuchtende Lampengirlanden; Punschstandl und Glühwein; dicke Jacken, hoffentlich Schnee; eine duftende Tanne, Lebkuchen und die geschnitzte Krippe – das ganze Drumherum um Weihnachten ist irgendwie auch nötig, um in die richtige Weihnachtsstimmung zu kommen. Zwar war das Geburtsfest Jesu in meiner Herkunftsfamilie immer ein echtes Glaubensfest und mir war von Kindesbeinen an klar, dass das Drumherum nicht das Eigentliche ist – und dennoch besteht Weihnachten für mich auch aus den liebgewordenen Traditionen.
Das tiefe Staunen über die Menschwerdung Gottes ist dabei wirklich ganz unabhängig von alledem. Ich habe das selbst erleben dürfen. Auch bei 30 Grad im Schatten, unter Palmen und im leichten Baumwollkleid wurde es richtig Weihnachten – 1991 auf den Philippinen. Bei Nanai Malina in ihrer Nippahütte, bei Tatai Ben, dem ausgemergelten Zuckerrohrarbeiter, bei Ate Jenny, der Basisgemeindeleiterin, bei den Müllsammlern in Cebu, … hat mich die Ankunft Gottes in der Armut eines Menschenkindes noch einmal ganz anders berührt. Ich durfte Weihnachten feiern mit Menschen, die auf der Kehrseite der Medaille meines Wohlstands leben – und mich dennoch herzlich aufgenommen haben und mich damit spüren ließen, dass wir gemeinsam Kinder Gottes sind, Geschwister dieses Jesus, der uns Hoffnung bringt auf eine gerechte Welt, in der alle gut leben können.
Ich bin froh, dass jedes Jahr Weihnachten ist – und dass ich zwischen Tannenduft und Geschenkpapier auch immer noch Grüße von philippinischen Freunden bekomme: eine spezielle Erinnerung an das, was der großartige Kern des Festes ist.
Veronika Prüller-Jagenteufel
ist Leiterin des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien
Als junger „Katechet“ in meiner Studienzeit habe ich im Salzburger Flachgau die ersten Religionsstunden in der Hauptschule Lamprechtshausen und in der Volksschule Arnsdorf gehalten; in dieser Volksschule hatten auch Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber gewirkt, die das Lied „Stille Nacht“ in Oberndorf, ganz in der Nähe, uraufgeführt haben.
So war es in der Adventzeit in der Volksschule Arnsdorf Brauch, dass die Kinder ein Krippenspiel einstudierten. Am 23. Dezember 1974 war es so weit, und die Kinder durften das Krippenspiel in der Religionsstunde aufführen. Es war damals sehr viel Schnee, und meine Autofahrt zwischen zwei Religionsstunden von Lamprechtshausen nach Arnsdorf dauerte länger als geplant. Die Kinder konnten meine Ankunft nicht erwarten, also zogen sie über die tief verschneite Strasse schon verkleidet als Hirten, Josef und Maria, begleitet von Engeln.
Auf meine Frage, warum sie mir auf der Strasse im Schneegestöber entgegen kommen, sagten sie, weil ich nicht schon bei ihnen bin und sie mir doch versprochen haben, das Krippenspiel vorzuführen. Für mich war das wie ein verfrühtes, aber sehr liebenswürdiges „Weihnachtsgeschenk“!
Msgr. Rupert Stadler
ist Bischofsvikar des Vikariates Unter d. Wienerwald und Pfarrer der Pfarre Breitenfurt St. Bonifaz
Mit einem Schaf hat es angefangen – einmal zu Weihnachten damals als Kind… Das hab ich aus der Krippe geklaut, und es ist bei mir geblieben – bis zum nächsten Weihnachtsfest. – Da durfte es dann wieder zurück in die Krippe zu den anderen Schafen und zu den Hirten. Und ich war mit ihm irgendwie auch ein Teil der Krippe. Dann war es ein König – der Schwarze natürlich – der hat mir am besten gefallen, vielleicht weil er anders war, ich weiß nicht mehr so genau. Und so ging das weiter: Wer immer aus der Krippe klammheimlich verschwand – war das ganze Jahr über bei mir und hat mir (fast) jeden Tag ein bisschen etwas von Weihnachten erzählt. So fand das Fest nicht nur an dem einen Abend statt, sondern ein klein wenig zumindest das ganze Jahr über.
Heute brauche ich das nicht mehr heimlich zu tun, heute steht ein Hirte aus der Krippe immer gut sichtbar in meiner Wohnung und einer im Büro: Sie erzählen mir von ihrer so tiefen Freude und vom Staunen aller, wie sie den Messias fanden – damals in der Krippe von Betlehem – und wecken genau diese Sehnsucht und Neugier in mir – heute, wenn ich meinen Meister suche, um Ihn anzubeten, um von Ihm zu lernen…
Andrea Geiger
ist Mitglied der Steuerungsgruppe „Masterplan“ und Mitverantwortlich für den Prozess APG 2010
Ich erinnere mich gerne an ein Weihnachtsfest als ich noch Pfarrer in Hadersdorf war. Nach der Krippenandacht feierte ich, wie jedes Jahr, mit meinen Mitarbeitern den Hl. Abend. Wir haben Lieder gesungen und in der Hl. Schrift gelesen und miteinander ein festliches Weihnachtsessen genossen – da klingelte es plötzlich an der Tür. Als ich öffnete stand ein Mann vor mir, der erzählte, dass er gerade aus der Haft entlassen ist und dass er Hunger hat. Ich habe ihn daraufhin eingeladen, mit uns zu essen und zu feiern, und ich sehe noch sein erstauntes Gesicht vor mir, als er ins Zimmer kommt und der Tisch festlich gedeckt ist. „Was feiern sie denn da?” hat er mich gefragt, und als ich es ihm gesagt habe, hat er ganz erstaunt gemeint. „Daran hab ich gar nicht gedacht.“ Er hat dann mit uns gegessen und uns aus seinem Leben erzählt. Mich hat das damals sehr berührt, dass es da jemanden gibt, der am Hl. Abend unterwegs ist und einen Platz sucht, an dem er sein kann. Und ich habe mich sehr gefreut, dass er einen solchen Platz gefunden hat.
Prälat Matthias Roch
ist Bischofsvikar für das Vikariat Unter d. Manhartsberg
Als ich noch ein Kind war, war die Zeit vor Weihnachten eine Zeit voller Aufregungen, die durch flitterübersäte Briefchen des Christkinds am Fensterriegel, „verlorene“ Federn (von Weihnachtsengeln) und auf dem Fußboden gefundene Goldsternchen, Tannennadeln und Seidenpapierfransen ständig gesteigert wurden. Der Höhepunkt der Weihnachtsabende war dann das nach dem Abendessen am großen Tisch in der Küche – gebackener Fisch mit Erdäpfel-Vogerlsalat – durch die Glastüre des Wohnzimmers aufleuchtende warme Licht der Kerzen, das leise Aufrauschen der „Sternspucker“ und dann das zarte Glöckchen, das zur Bescherung rief. Auch die Weihnachtslieder – immer „Stille Nacht“ und „Oh Tannenbaum“ – mit den von Rührung über meine kindliche Freude belegten Stimmen der Erwachsenen habe ich noch im Ohr.
Im Licht des nächsten Morgens kehrte der Alltag allmählich wieder ein. Ohne dass ich es damals hätte formulieren können, blieb immer eine leise Trauer in mir zurück: das Langersehnte war so rasch vorbei, die Freude war nicht festzuhalten...
Meiner Kindheit folgten lange 20 Jahre, in denen ich mich der Kunst zu- und, wie ich damals meinte, deshalb konsequenterweise vom Glauben abgewandt hatte. Das Fest gewann für mich erst wieder an Bedeutung, als ich begann, seinen wahren Inhalt für mich zu entdecken, und mit ihm jene tiefe und stille Freude, die bleibt: „Das eigentliche Geheimnis, um das es an Weihnachten geht, ist das innere Leuchten, das von diesem Kinde kommt. Lassen wir uns von diesem inneren Leuchten anstecken... lassen wir dieses Licht nicht auslöschen durch die Zugluft der Zeit. Hüten wir es treulich und schenken wir es weiter“ (Papst Benedikt XVI., 24.12.2005).
Elisabeth Maier
ist Generalsekretärin der Wiener Katholischen Akademie und Mitarbeiterin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften