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Alte Weltkarte aus dem Jahr 1675
iStock/javarman3 / Alte Weltkarte aus dem Jahr 1675
19.01.2026

Wiener im Dienst der Weltkirche bis ins Jahr 1700

Lange bevor Wien selbst Bischofssitz wurde, prägten hier geborene oder ausgebildete Männer die Geschicke der Kirche weit über Mitteleuropa hinaus. Von mittelalterlichen Geschichtsriesen wie Otto von Freising über standhafte Reformer in Zeiten der Gegenpäpste bis hin zu barocken Fürstbischöfen, Diplomaten und Kunstmäzenen.

 

Der erste Teil dieser Serie zeigt, wie stark Wiener Persönlichkeiten seit dem 12. Jahrhundert an den Schaltstellen der Weltkirche wirkten – in Prag, Passau, Salzburg, Tournai oder an den Grenzen des Reiches. Eine Reise zu jenen, die den geistlichen Horizont Wiens schon früh auf die Welt ausdehnten.

Diese chronologische Übersicht zeigt nicht nur Lebensläufe, sondern auch die großen Linien kirchlicher Geschichte: die Verflechtung von alten österreichischen Familien und Kirche, die Spannung zwischen Staat und Glauben, die Dynamik von Reform und Tradition. Sie macht deutlich, wie eng die Geschichte der Erzdiözese Wien mit der Entwicklung der Weltkirche verbunden ist – und wie aus einer lokalen Kirche Impulse für die universale Kirche erwachsen.

Begonnen hat das sogar lang, bevor Wien eine Diözese war.

 

Otto von Freising

Otto von Freising wurde um 1112 als Sohn des Markgrafen Leopold III. von Österreich und der Kaisertochter Agnes von Waiblingen in Klosterneuburg geboren. Nach einer umfassenden Ausbildung in den „Sieben Freien Künsten“ und der Theologie in Paris, dem damaligen intellektuellen Zentrum Europas, trat er 1132 in das Zisterzienserkloster Morimond ein, wo er bereits kurze Zeit später zum Abt gewählt wurde.

 

Im Jahr 1138 ernannte ihn König Konrad III. zum Bischof von Freising. Otto wirkte als einer der engsten Berater seines Neffen, Kaiser Friedrich I. Barbarossa, und begleitete diesen auf dem Zweiten Kreuzzug. Seine wahre Bedeutung erlangte er jedoch als Geschichtsschreiber: In seiner Weltchronik „Chronica sive Historia de duabus civitatibus“ deutete er den Lauf der Geschichte als Ringen zwischen dem Gottesstaat und der Welt. Mit den „Gesta Friderici I. Imperatoris“ schuf er zudem eines der bedeutendsten biografischen Werke des Mittelalters. Otto starb am 22. September 1158 in Morimond. Er gilt als einer der größten Denker seiner Epoche, der die Philosophie der Antike mit der christlichen Geschichtsdeutung seiner Zeit meisterhaft verknüpfte. Im Zisterzienserorden wird er als Seliger verehrt.

 

Konrad von Salzburg

Konrad von Salzburg wurde um 1115 als jüngerer Bruder Ottos von Freising in die Familie der Babenberger in Klosterneuburg geboren. Seine kirchliche Laufbahn begann er als Propst in Utrecht und Hildesheim, bevor er 1148 zum Bischof von Passau gewählt wurde. Im Jahr 1164 erreichte er mit der Erhebung zum Erzbischof von Salzburg die höchste Stufe seiner Karriere. Seine Amtszeit war geprägt von dem erbitterten Konflikt zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III.

 

Obwohl Konrad eng mit dem Kaiserhaus verwandt war, weigerte er sich standhaft, den vom Kaiser unterstützten Gegenpapst anzuerkennen, was ihn politisch isolierte und zeitweise in die Flucht zwang. Trotz dieses Drucks blieb er ein unermüdlicher Reformer, der die Verwaltung des Erzbistums Salzburg festigte und die kirchliche Unabhängigkeit gegen weltliche Ansprüche verteidigte. Konrad starb am 28. September 1168 in Salzburg. Er hinterließ das Bild eines charakterfesten Kirchenfürsten, der im Spannungsfeld zwischen dynastischer Loyalität und kirchlicher Pflichttreue seinen eigenen, konsequenten Weg ging.

 

Johannes Kaspar Stredele von Montani und Wisberg (um 1582–1642)

Johannes Kaspar Stredele war ein einflussreicher Wiener Kirchenrechtler und Administrator, dessen Laufbahn die engen personellen Verflechtungen zwischen der Universität Wien, dem Wiener Domkapitel und den habsburgischen Eigenbistümern im 17. Jahrhundert verdeutlicht. Als Sohn eines Wiener Universitätsprofessors und Rektors in die städtische Elite hineingeboren, durchlief er eine exzellente Ausbildung am Collegium Germanicum in Rom.

 

Bereits 1608 wurde er Kanoniker an St. Stephan in Wien und trat damit in den Klerus seiner Heimatstadt ein, deren Universität er 1611 – in der Tradition seines Vaters – als Rektor vorstand. Seine administrative Karriere war untrennbar mit dem Wiener Raum und den kaiserlichen Interessen verknüpft. Er diente über Jahre als Generalvikar des Bistums Passau für das „Land unter der Enns“ (Niederösterreich), womit er die kirchliche Verwaltung in Wien und Umgebung maßgeblich gestaltete. 1631 stieg er zum Titularbischof von Sarepta und Weihbischof auf. Als enger Vertrauter von Erzherzog Leopold Wilhelm übernahm er hochrangige Funktionen in den Diözesen Passau und Olmütz, wobei er stets als kaiserlicher Rat für Ferdinand II. und Ferdinand III. agierte. Seine Wiener Prägung und seine juristische Expertise machten ihn zu einem unverzichtbaren Akteur der Gegenreformation im habsburgischen Kernland. Sein Leben endete tragisch durch die Folgen von Misshandlungen durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg.

 

Philipp Friedrich Graf von Breuner (1597–1669)

Philipp Friedrich Graf von Breuner war eine der prägendsten Gestalten in der Geschichte der Erzdiözese Wien, deren Geschicke er als Fürstbischof über drei Jahrzehnte hinweg leitete. Nach seinem Studium am Collegium Germanicum in Rom und seiner Priesterweihe im Jahr 1621 wirkte er zunächst als Weihbischof in Olmütz, bevor ihn Kaiser Ferdinand III. im Jahr 1639 zum Bischof von Wien ernannte. Seine Amtszeit fiel in eine Phase des intensiven Wiederaufbaus und der barocken Erneuerung nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges.

 

Als Seelsorger lag ihm besonders die Qualität der Predigt und die geistliche Versorgung der wachsenden Wiener Vorstädte am Herzen, wofür er die Pfarrgrenzen grundlegend neu ordnete. Sein bleibendes Erbe ist jedoch untrennbar mit dem Wiener Stephansdom verbunden, den er in ein monumentales Barockjuwel verwandelte. Unter seiner Leitung wurde der heutige Hochaltar von Johann Jacob Pock geschaffen und 1647 feierlich geweiht, wobei das markante Wappen des Bischofs bis heute von seinem Wirken zeugt. Er vollendete zudem das Fürstbischöfliche Palais und förderte die religiöse Kunst und Verehrung im öffentlichen Raum, was unter anderem in der Weihe der Mariensäule Am Hof zum Ausdruck kam. Mit seiner Beisetzung im Frauenchor des Stephansdoms fand er seine letzte Ruhestätte inmitten jener Kathedrale, die er maßgeblich mitgestaltet hatte.

 

Ernst Adalbert von Harrach (1598–1667)

Ernst Adalbert von Harrach war eine zentrale Figur der Gegenreformation in Mitteleuropa. Der gebürtige Wiener stieg früh in der Kirchenhierarchie auf: Bereits mit 25 Jahren wurde er Erzbischof von Prag und kurz darauf zum Kardinal erhoben. Später amtierte er zudem als Fürstbischof von Trient und Großmeister der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Sein Wirken war geprägt von dem Ziel, Böhmen nach dem Dreißigjährigen Krieg religiös zu konsolidieren.

 

Dabei verfolgte er einen differenzierten Ansatz: Er lehnte die Vertreibung von Nichtkatholiken ab und setzte stattdessen auf Bildung und kulturelle Überzeugung. Zur Priesterausbildung gründete er das Erzbischöfliche Seminar in Prag sowie die Bistümer Leitmeritz und Königgrätz. Um dem Personalmangel zu begegnen, holte er zahlreiche Orden wie Piaristen und Barmherzige Brüder ins Land. Trotz seiner Präferenz für friedliche Bekehrung griff er zur Durchsetzung der Rekatholisierung auch auf staatliche Gewalt und kaiserliche Truppen zurück. Als bedeutender Kirchenfürst krönte er mehrere böhmische Regenten und hinterließ umfangreiche Diarien, die heute als wichtige historische Quellen dienen.

 

Johann Ulrich Grappler von Trappenburg (1600–1658)

Johann Ulrich Grappler von Trappenburg wurde am 1. Mai 1600 in Wien geboren. Nach humanistischen Studien in Wien wechselte er ans Collegium Germanicum nach Rom, studierte dort zwei Jahre Rechtswissenschaften und vier Jahre Theologie und promovierte zum Doktor der Theologie. Am 29. Mai 1627 empfing er in Rom die Priesterweihe.

 

Zurück in Österreich wirkte er als geschickter Vermittler, etwa bei der Beruhigung der Bauernunruhen im Land ob der Enns mit Graf Khevenhüller. Seine Beredsamkeit machte ihn zu einem gefragten Prediger in Linz, Wels, Graz und Klagenfurt. Ab 1639 war er Pfarrer und Dechant in Mistelbach. Am 23. April 1646 ernannte ihn Fürstbischof Leopold Wilhelm zum Weihbischof für Ober- und Niederösterreich und zum Titularbischof von Lampsakos.

 

In dem riesigen Passauer Sprengel war er unermüdlich unterwegs: Er weihte zahlreiche Altäre und Kirchen, darunter die Jesuitenkirche in Steyr und den Chor des Stifts St. Pölten. Grappler starb am 9. Jänner 1658 in Passau und wurde im Dom beigesetzt. Er gilt als prägender Vertreter der Gegenreformation und der kirchlichen Neuordnung nach dem Dreißigjährigen Krieg.

 

Leopold Wilhelm von Österreich (1614-1662)

Leopold Wilhelm von Österreich wurde am 5. Jänner 1614 in Wiener Neustadt als jüngster Sohn von Kaiser Ferdinand II. geboren. Als nachgeborenem Sohn war ihm eine Laufbahn als Kirchenfürst vorbestimmt, weshalb er bereits 1626 seinem Onkel als Bischof von Passau und Straßburg sowie als Abt von Murbach nachfolgte.

 

Im Zuge der Gegenreformation übernahm er zahlreiche weitere Bistümer, darunter Halberstadt, Magdeburg, Olmütz und Breslau, sowie das Amt des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Trotz seiner geistlichen Ämter verbrachte er den Großteil seines Lebens im militärischen Dienst; im Dreißigjährigen Krieg bekleidete er zweimal den Oberbefehl über das kaiserliche Heer und verteidigte 1645 erfolgreich die Donaulinie gegen die Schweden.

 

Von 1647 bis 1656 wirkte er als Statthalter der Spanischen Niederlande, wo er sich neben der Kriegführung gegen Frankreich vor allem als einer der bedeutendsten Kunstmäzene seiner Zeit profilierte. Er trug eine der kostbarsten Kunstsammlungen Europas zusammen, die heute den Kernbestand des Kunsthistorischen Museums in Wien bildet. Leopold Wilhelm starb am 20. November 1662 in Wien und wurde in der Kaisergruft beigesetzt. Er gilt als Prototyp des barocken Fürstbischofs, der religiöse Frömmigkeit, militärische Pflicht und höchste Kennerschaft in der Kunst vereinte.

 

Giacomo Ferdinando de Gorizzutti (1621–1691)

Giacomo Ferdinando de Gorizzutti war ein bedeutender Oberhirte des 17. Jahrhunderts, dessen klerikale Laufbahn eng mit der kaiserlichen Residenzstadt Wien verknüpft war. Geboren um das Jahr 1621 in Görz, führte ihn sein Weg zur Ausbildung nach Wien, wo er im Jahr 1652 die Priesterweihe empfing. Mit dieser Weihe gehörte er fortan zum Diözesanklerus der Erzdiözese Wien, in deren Dienst er über zwei Jahrzehnte lang wirkte. Diese Wiener Jahre waren entscheidend für seine Vernetzung innerhalb der kirchlichen und staatlichen Verwaltung der Habsburgermonarchie, was schließlich den Weg für seine Berufung in höhere Ämter ebnete.

 

Im September 1672 wurde Gorizzutti zum Bischof von Triest gewählt und Anfang 1673 päpstlich bestätigt. Seine enge Verbindung zur Wiener Kirche zeigte sich besonders bei seiner Bischofsweihe am 28. Mai 1673, die in Wien vollzogen wurde. Als Hauptkonsekrator fungierte der Wiener Bischof Wilderich von Walderdorff, assistiert vom Bischof von Wiener Neustadt, Leopold Karl von Kollonitsch. Während seiner achtzehnjährigen Amtszeit in Triest wirkte er als loyaler Vertreter der Kirche im Sinne der habsburgerischen Interessen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1691 blieb er ein Beispiel für jenen Kreis an Geistlichen, die in der Wiener Diözese geschult wurden, um später an den strategisch wichtigen Grenzen des Reiches verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen.

 

Johann Joseph von Breuner (1641–1710)

Johann Joseph von Breuner war ein bedeutender Kirchenfürst des Barock, dessen Biografie eng mit seiner Wiener Herkunft und seiner tiefen Verwurzelung in der Erzdiözese Wien verknüpft ist. Geboren in der kaiserlichen Residenzstadt als Sohn einer einflussreichen Adelsfamilie, war sein Lebensweg von Beginn an für den geistlichen Stand vorgezeichnet.

 

Obwohl er einen Großteil seiner frühen Laufbahn in Olmütz verbrachte, blieb er durch seine familiären Bindungen und seine Ausbildung stets ein Vertreter des Wiener Adelsklerus. Seine Priesterweihe im Jahr 1664 markierte den Beginn einer Karriere, die ihn über das Amt des Weihbischofs schließlich auf den prestigeträchtigen Erzbischofsstuhl von Prag führte.

 

In seiner Prager Amtszeit ab 1695 zeigte sich Breuner als tatkräftiger Reformer und Organisator. Er legte großen Wert auf die Disziplinierung des Klerus und die Verbesserung der Priesterausbildung, wobei er administrative Standards setzte, die teilweise auf seinen Erfahrungen im Wiener Umfeld basierten. Er förderte soziale Einrichtungen wie ein Emeritenhaus für Priester und sicherte die wirtschaftliche Basis seines Bistums durch kluge Zukäufe. Gleichzeitig musste er sich mit den Bestrebungen des Wiener Hofes auseinandersetzen, der die kirchlichen Rechte zunehmend zugunsten des Staatskirchentums einschränkte.

 

Franz Anton Graf von und zu Losenstein (1642–1692)

Franz Anton von und zu Losenstein war ein bedeutender Wiener Kirchenfürst des Barock. Geboren in der kaiserlichen Residenzstadt, wurde er bereits früh für den geistlichen Stand bestimmt und absolvierte seine Studien als Alumne des Collegium Germanicum in Rom. Nach seiner Rückkehr nach Wien empfing er die Priesterweihe und wurde als Priester der Erzdiözese Wien fest in das dortige Metropolitankapitel integriert. Als Domherr von St. Stephan und späterer Dompropst nahm er eine Schlüsselrolle in der Verwaltung der Wiener Hauptkirche ein und vertrat die Interessen der Diözese gegenüber dem kaiserlichen Hof.

 

Sein kirchenpolitischer Aufstieg erreichte 1690 einen Höhepunkt, als er zum Titularbischof von Dura und zum Weihbischof in Wien ernannt wurde. In dieser Funktion war er ein enger Mitarbeiter des Wiener Bischofs und trug maßgeblich zur Festigung der katholischen Reform im Geiste des Barock bei. Seine Ernennung zum Koadjutor des Bischofs von Olmütz im Jahr 1691 sollte ihn auf eines der reichsten Bistümer der Monarchie vorbereiten, doch verstarb er bereits im darauffolgenden Jahr in seiner Heimatstadt Wien. Als letzter männlicher Vertreter seines bedeutenden Adelsgeschlechts blieb er bis zuletzt seiner Identität als Wiener Priester treu. Sein Wirken in der Erzdiözese Wien wird durch sein monumentales Grabmal im Wiener Stephansdom gewürdigt, das seine Bedeutung als Brückenbauer zwischen Adel, Kirche und Kaiserhaus unterstreicht.

 

Johann Friedrich Reichsgraf von Waldstein (1642–1694)

war ein bedeutender klerikaler Netzwerker und Barockmäzen, dessen Biografie die Verbindung zwischen dem Wiener Hochadel und den böhmischen Elitepositionen verdeutlicht. Als Sohn des kaiserlichen Oberstkämmerers in Wien geboren, war er durch seine familiäre Nähe zum Kaiserhaus Leopold I. für höchste Ämter prädestiniert. Seine Ausbildung bei den Jesuiten in Prag und das Theologiestudium in Rom verschafften ihm jene internationale Perspektive, die später seine Bautätigkeit und seine kirchenpolitische Haltung prägen sollte. Obwohl er seine priesterliche Karriere als Wiener Adeliger begann, verlagerte sich sein Wirkungskreis nach der Priesterweihe 1665 rasch in den böhmisch-mährischen Raum.

 

Nach seiner Ernennung zum Bischof von Königgrätz (1668) agierte er zunächst zögerlich und verwaltete die Diözese aus der Ferne, was beinahe zu seiner Absetzung durch die Kurie führte. Erst 1675 trat er das Amt des Erzbischofs von Prag an, das er bis zu seinem Tod 1694 innehatte. In dieser Position profilierte er sich als energischer Reformer: Er begegnete dem Priestermangel durch die Berufung auswärtiger Kleriker, wehrte staatliche Eingriffe in Kirchenrechte ab und förderte die Verehrung der böhmischen Landespatrone.

 

Als Bauherr hinterließ Waldstein bleibende Spuren; er brachte den Architekten Jean Baptiste Mathey nach Prag, um die erzbischöfliche Residenz am Hradschin zu errichten. Trotz seines prunkvollen Auftretens als Reichsgraf und Kirchenfürst lebte er persönlich asketisch und gründete soziale Einrichtungen wie einen Unterstützungsfonds für alte Priester. Er starb 1694 in Dux an den Blattern und wurde im Prager Veitsdom bestattet.

 

Johann Philipp Graf von Lamberg (1652-1712)

Johann Philipp Graf von Lamberg wurde am 25. Mai 1652 in Wien als Sohn des Diplomaten Johann Maximilian von Lamberg geboren. Nach breit gefächerten Studien der Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften in Wien, Steyr, Passau und Siena, wo er zum Doktor beider Rechte promovierte, trat er früh in den geistlichen und diplomatischen Dienst ein. Bereits 1676 wurde er zum Kaiserlichen Hofrat ernannt und wirkte als versierter Gesandter an den Höfen in Dresden, Berlin und Regensburg.

 

Am 24. Mai 1689 wählte ihn das Passauer Domkapitel zum Fürstbischof; die Bischofsweihe empfing er im Folgejahr. Auch im hohen geistlichen Amt blieb Lamberg primär als kaiserlicher Spitzendiplomat tätig: Er betrieb die Königswahl Augusts des Starken in Polen und vertrat als Prinzipalkommissar die kaiserlichen Interessen auf dem Reichstag zu Regensburg. Im Jahr 1700 wurde er von Papst Innozenz XII. zum Kardinal erhoben. Politische Tatkraft bewies er im Spanischen Erbfolgekrieg, als er die Reichsacht gegen die bayerischen Kurfürsten durchsetzte. In Passau vollendete er die barocke Ausstattung des Domes St. Stephan, begründete die Neue Residenz und förderte durch Ortsgründungen wie Philippsreut die wirtschaftliche Erschließung des Grenzlandes.

 

Lamberg starb am 20. Oktober 1712 in Regensburg und fand seine letzte Ruhestätte in der von ihm erbauten Lamberg-Kapelle im Passauer Domkreuzgang. Er gilt als einer der einflussreichsten Staatsmänner des barocken Österreich, der das Bistum Passau zu einem Zentrum kaiserlicher Reichspolitik machte.

 

Franz Anton Fürst von Harrach (1665-1727)

Franz Anton Fürst von Harrach wurde am 2. Oktober 1665 in Wien als Sohn des Diplomaten Ferdinand Bonaventura I. Graf von Harrach geboren. Er wuchs in Madrid auf und absolvierte seine Studien des kanonischen und zivilen Rechts am Collegium Germanicum in Rom. Nach frühen Kanonikaten in Passau und Salzburg wurde er 1701 zum Koadjutor von Wien ernannt und bereits 1702 dessen Fürstbischof. Im Jahr 1705 wechselte er als Koadjutor nach Salzburg, wo er 1709 die Nachfolge von Johann Ernst Graf von Thun als Fürsterzbischof antrat. Von Kaiser Leopold I. persönlich in den Reichsfürstenstand erhoben, prägte er eine als „Goldene Harrach-Zeiten“ bekannt gewordene Ära des Wohlstands und der kulturellen Blüte.

 

Harrach galt als volksnah und außerordentlich kunstsinnig; unter seiner Ägide wirkten die bedeutendsten Meister des Barock und beginnenden Rokoko, darunter die Architekten Fischer von Erlach und Lukas von Hildebrandt sowie der Bildhauer Georg Raphael Donner. Er ließ die Salzburger Residenz prachtvoll erneuern und baute Schloss Mirabell zu einer glanzvollen Anlage mit der berühmten Marmortreppe aus. Neben seinem Mäzenatentum förderte er entschlossen Wirtschaft und Handel durch den Ausbau der Alpenstraßen in Richtung Venedig. Franz Anton von Harrach starb am 18. Juli 1727 in Salzburg und wurde in der Krypta des Salzburger Domes beigesetzt. Er bleibt als einer der glanzvollsten Kirchenfürsten Salzburgs in Erinnerung, der die Stadt nachhaltig in ein barockes Gesamtkunstwerk verwandelte.

 

Karl Joseph von Lothringen (1680–1715)

Karl Joseph, Sohn von Herzog Karl V. von Lothringen und Erzherzogin Eleonore Maria Josepha, wurde am 24. November 1680 in Wien geboren. Früh sammelte er Kanonikate in Köln, Osnabrück, Trient, Olmütz und Trier. 1695 wurde er – noch minderjährig – Bischof von Olmütz unter päpstlicher Administration; 1698 kam das Bistum Osnabrück hinzu.

 

1711 stieg er zum Erzbischof und Kurfürsten von Trier auf und war damit Mitglied des exklusiven Wahlkollegiums für den Kaiser. Um das Amt antreten zu können, verzichtete er auf Olmütz, behielt aber Osnabrück, um es vor protestantischer Administration zu bewahren. Als gewandter Verwalter mit Hofstaat und politischem Gewicht gewann er im Spanischen Erbfolgekrieg besetzte Gebiete zurück und pendelte zwischen Trier, Wien und seinen Residenzen. Am 4. Dezember 1715 starb er mit nur 35 Jahren in Wien an den Pocken; seine Beisetzung in der Kapuzinergruft

 

François-Ernest de Salm-Reifferscheid (1698–1770)

Geboren in War, war er als Spross des Hauses Salm-Reifferscheid für eine glanzvolle Laufbahn im Dienste der Kirche und der Habsburgermonarchie prädestiniert. Am 27. Oktober 1726 empfing er in Wien die Priesterweih. Die Wiener Jahre waren entscheidend für seine Ausbildung und seine spätere kirchenpolitische Bedeutung, da er im unmittelbaren Umfeld des kaiserlichen Hofes die administrativen und diplomatischen Anforderungen der Reichskirche kennenlernte.

 

Seine tiefe Verbundenheit mit der Wiener Kirche manifestierte sich besonders bei seiner Erhebung zum Bischof von Tournai im Jahr 1731. Seine Bischofsweihe am 23. März 1732 fand in Wien statt, wobei der Wiener Erzbischof Sigismund Kardinal von Kollonitsch als Hauptkonsekrator fungierte, bevor er seine Diözese in den Österreichischen Niederlanden antrat. Während seiner fast vier Jahrzehnte währenden Amtszeit in Tournai wirkte er als treuer Vertreter der habsburgischen Interessen in den westlichen Grenzlanden. Er verstarb 1770 als hochangesehener Oberhirte in Tournai.