Josef Schoiswohl wurde am 3. Jänner 1901 in Guntramsdorf geboren. Nach seiner Matura in Hollabrunn studierte er Theologie an der Universität Wien und wurde dort zum Doktor der Theologie promoviert. Am 20. Juli 1924 empfing er die Priesterweihe. Seine ersten Berufsjahre verbrachte er als Kaplan und Studienpräfekt, bevor er 1930 als Domkurat an den Wiener Stephansdom berufen wurde. Dort übernahm er den Aufbau der Finanzkammer der Erzdiözese Wien, die er ab 1940 als Direktor leitete. Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre wirkte er zudem als Seelsorger in Wien-Mauer.
Am 11. November 1949 wurde Schoiswohl zum apostolischen Administrator des Burgenlandes ernannt und empfing 1951 die Bischofsweihe. Drei Jahre später trat er die Nachfolge von Ferdinand Stanislaus Pawlikowski als Bischof von Graz-Seckau an. Während er anfangs als sittenstreng und konservativ galt, wandelte sich seine Haltung durch die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil tiefgreifend. Er forderte eine stärkere Einbindung von Laien, modernisierte die Priesterausbildung und förderte soziale Experimente wie den Einsatz von Priestern im Bergbau.Diese liberale Linie führte zu massiven Spannungen mit konservativen Kreisen und dem Apostolischen Nuntius.
Nachdem er in Rom vergeblich für die Zulassung verheirateter Priester zum Diakonat eingetreten war, reichte er schließlich seinen Rücktritt ein. Dieser wurde am 1. Jänner 1969 wirksam und erfolgte für die Öffentlichkeit völlig überraschend. Seinen Lebensabend verbrachte er als einfacher Seelsorger in Guntramsdorf, wo er am 26. Februar 1991 verstarb.Er blieb als Reformbischof in Erinnerung, der die Kirche der Steiermark nachhaltig öffnete und modernisierte.
Alfons Maria Stickler wurde am 23. August 1910 in Neunkirchen geboren und wuchs in Wien auf (Matura am Gymnasium Fichtnergasse). Als Salesianer Don Boscos empfing er 1937 in Rom die Priesterweihe. Er wurde ein international renommierter Kirchenrechtler, Rektor der Salesianer-Hochschule in Rom und 1971 Präfekt der Vatikanischen Bibliothek. Unter seiner Leitung wurde die Bibliothek modernisiert, inklusive eines Schutzbunkers für Handschriften.
1985 erhob ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal; er übernahm das Amt des Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche. Stickler profilierte sich als Verteidiger der klassischen lateinischen Liturgie und des Zölibats.
Er starb am 12. Dezember 2007 im Vatikan, damals ältester Kardinal der Welt, und lebte lange in unmittelbarer Nachbarschaft zu Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) Er ist im rechten Seitenschiff seiner Titelkirche, der antiken Basilika San Giorgio in Velabro, unweit des römischen Kapitols begraben.
Alfred Kostelecky war ein bedeutender Wiener Geistlicher der Nachkriegszeit, dessen gesamte klerikale Laufbahn tief in der Erzdiözese Wien verwurzelt war. Geboren in Wien, begann er sein Theologiestudium 1938 in seiner Heimatstadt. Seine Ausbildung wurde durch den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Gestapo-Haft und den Kriegsdienst unterbrochen.
Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft beendete er sein Studium und wurde am 29. Juni 1948 zum Priester geweiht, womit er offiziell zum Diözesanklerus von Wien gehörte. Nach kirchenrechtlichen Studien in Rom übernahm er zentrale Aufgaben in der Wiener Diözesanverwaltung, unter anderem als Domvikar, Advokat am Metropolitangericht und später als Kanzleidirektor sowie Mitglied des Wiener Domkapitels.
Seine langjährige Tätigkeit als Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz und sein Wirken als Weihbischof in Wien ab 1986 machten ihn zu einer Schlüsselfigur der österreichischen Kirchenleitung unter Kardinal König und Kardinal Groër.
Ein historischer Meilenstein seiner Karriere war die Ernennung zum ersten Militärbischof im modernen Sinne, nachdem die Militärseelsorge 1986 rechtlich einem Diözesanbischof gleichgestellt worden war. In dieser Funktion baute er die Strukturen des Militärordinariats auf und prägte das Verhältnis zwischen Kirche und Bundesheer unter dem Wahlspruch Pax et Iustitia. Trotz seiner nationalen Aufgaben blieb er zeit seines Lebens ein Wiener Priester und Bischof, der die rechtlichen und administrativen Grundlagen der heutigen Erzdiözese und des Militärwesens maßgeblich mitgestaltete.Er verstarb 1994 in Wien und fand seine letzte Ruhestätte in der St. Georgs-Kathedrale in Wiener Neustadt.
Maximilian Aichern, geboren am 26. Dezember 1932 in Wien in der Pfarre St. Josef/Reindlgasse, lernte zunächst Fleischhauer in St. Marx in Wien – Landstraße und trat dann ins Benediktinerstift St. Lambrecht ein. 1977 wurde er Abt, 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Linz.
Aichern prägte als „Sozialbischof“ die kirchliche Stimme für Arbeitslose, Sonntagsruhe und ökologische Verantwortung (u. a. gegen Atomkraft). In Linz förderte er eine offene, dialogorientierte Kirche – anerkannt von vielen, kritisiert von konservativen Kreisen. 2005 trat er aus Altersgründen zurück und blieb als moralische Instanz präsent, auch mit mutigen Reformvorschlägen (z. B. Weihe bewährter verheirateter Männer).Sein Weg vom Wiener Lehrling zum Diözesanbischof steht für eine volksnahe, zeitgenössische Kirche.
Andreas Laun war ein österreichischer Moraltheologe und langjähriger Weihbischof in Salzburg, dessen klerikale Wurzeln und akademischer Aufstieg eng mit der Erzdiözese Wien verknüpft waren. In Wien geboren, trat er nach ersten Studienjahren den Oblaten des hl. Franz von Sales bei und empfing 1967 die Priesterweihe.
Er wirkte zunächst als Kaplan in Wien-Döbling sowie später als Pfarrmoderator im Kahlenbergerdorf. Seine akademische Laufbahn begann an der Universität Wien, wo er sich 1981 für Moraltheologie habilitierte. Als Generalsekretär der Wiener Katholischen Akademie und Professor in Heiligenkreuz prägte er über Jahrzehnte die priesterliche Ausbildung und den intellektuellen Diskurs innerhalb der Erzdiözese.
Im Jahr 1995 wurde er zum Weihbischof in Salzburg ernannt, wo er bis zu seinem altersbedingten Rücktritt 2017 amtierte. In seiner Salzburger Zeit sowie in seinen späten Lebensjahren wurde Laun zunehmend zu einer kontroversen Figur. Er verstarb am Silvestertag 2024 und wurde am Friedhof von St. Peter in Salzburg beigesetzt.
Alois Schwarz (geb. 14. Juni 1952) stammt aus dem Wiener Umland (Niederösterreich) und ist seit seiner Priesterweihe 1976 eng mit der Erzdiözese Wien verbunden – als Seelsorger, Spiritual im Wiener Priesterseminar und in Leitungsaufgaben der Diözesanpastoral. 2001 wurde er zum Bischof von Gurk-Klagenfurt ernannt und widmete sich dort der pastoralen Erneuerung, der Stärkung kirchlicher Bildung und der Präsenz der Kirche in der Öffentlichkeit. 2018 übernahm er das Bistum St. Pölten. Schwarz steht für eine Kirche im Dialog mit Gesellschaft und Kultur, mit ausgeprägtem Sinn für Glaubensvermittlung, Spiritualität und Verwaltungsverantwortung.
Seine Biografie verbindet Wiener Prägung mit Verantwortung in zwei bedeutenden österreichischen Diözesen und setzt die Linie fort, in der Persönlichkeiten aus dem Raum Wien an unterschiedlichen Orten der Weltkirche wirken.
Werner Freistetter wurde am 28. Oktober 1953 in Linz geboren und wuchs in Wien auf. Er studierte nach der Reifeprüfung am Bundesgymnasium Wien-Döbling Theologie in Wien und Rom und empfing am 9. Oktober 1979 in Rom die Priesterweihe. Seine akademische Laufbahn führte ihn an die Päpstliche Universität Gregoriana, wo er im Fach Sozialethik promovierte. Nach einer Zeit als Kaplan in Wien-Floridsdorf trat er in den Dienst der Militärseelsorge ein und wirkte ab 1993 als Militäroberkurat sowie als Fachinspektor für den katholischen Religionsunterricht.
Über viele Jahre profilierte sich Freistetter als international anerkannter Experte für Friedensethik und Sicherheitspolitik. Er leitete das Institut für Religion und Frieden der katholischen Militärseelsorge Österreichs und war als Berater im Rahmen der OSZE sowie bei den Vereinten Nationen in New York tätig. Zudem begleitete er als Seelsorger zahlreiche Auslandseinsätze der österreichischen Truppen, unter anderem auf dem Balkan.
Am 28. Juni 2015 empfing er im Wiener Stephansdom die Bischofsweihe und trat sein Amt als Militärbischof für Österreich an. In dieser Funktion ist er für die Seelsorge an den Soldaten des Bundesheeres und deren Angehörigen sowie für die polizeiseelsorgerischen Belange verantwortlich. Vom 28. Juni 2019 bis zum 2. Februar 2020 leitete er das Bistum Gurk als Apostolischer Administrator. Er gilt als Brückenbauer zwischen kirchlicher Friedenslehre und militärischer Praxis, der sich besonders für den interreligiösen Dialog und die ethische Bildung von Führungskräften einsetzt.