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Menschen im Gebet
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03.02.2026

Gebete, die die Kirche seit Jahrhunderten tragen

Wer beten möchte, sucht oft zuerst nach Worten. Viele Menschen spüren eine Sehnsucht nach Gott, aber sie wissen nicht, wie sie beginnen sollen.

 

Die christliche Tradition hat darauf eine einfache, aber tiefgründige Antwort:

Beginne mit den Gebeten, die die Kirche seit Jahrhunderten tragen.

Diese Grundgebete sind nicht bloß Texte, die man auswendig lernt. Sie sind verdichtete Erfahrung, geformt von Generationen, die Gott gesucht haben. Wer sie betet, tritt in einen Raum ein, der größer ist als die eigene Stimme.

 

Vaterunser

Das "Vaterunser" steht an erster Stelle, weil es von Jesus selbst stammt. Es ist nicht nur ein Gebet, sondern eine Schule des Herzens. Es beginnt mit der Beziehung: "Vater." Dann richtet es den Blick auf Gottes Wirklichkeit, bevor es die eigenen Bedürfnisse ausspricht. Dieses Gebet ordnet das Innere. Es führt aus der Enge der eigenen Sorgen in die Weite des Vertrauens. Wer das Vaterunser betet, betet nicht allein: Er betet im Geist Jesu.

 

Gegrüßet seist du, Maria

Das "Gegrüßet seist du, Maria" ist ein Gebet, das ganz aus der Schrift kommt. Es verbindet den Gruß des Engels mit dem Vertrauen der Kirche. In ihm klingt die Bitte mit, nicht allein zu gehen, sondern begleitet zu sein von einer, die den Weg des Glaubens vor uns gegangen ist. Dieses Gebet ist kein Umweg, sondern eine Einladung, das Geheimnis Christi mit dem Herzen Mariens zu betrachten. Es ist ein Gebet, das nicht trennt, sondern verbindet.

 

Ehre sei dem Vater

Das "Ehre sei dem Vater" ist eines der ältesten christlichen Gebete. In wenigen Worten fasst es zusammen, was Christen glauben: dass Gott Beziehung ist, Bewegung, Liebe. Dieses Gebet ist wie ein kurzer Atemzug des Glaubens. Es öffnet den Blick und führt in den Lobpreis, der die Kirche seit ihren Anfängen trägt. Es ist ein Gebet, das man im Gehen sprechen kann, im Warten, im Übergang von einer Aufgabe zur nächsten.

 

Engel des Herrn

Der "Engel des Herrn" führt dreimal am Tag in das Geheimnis der Menschwerdung hinein. Er erinnert daran, dass Gott nicht fernbleibt, sondern in die Welt kommt – in das Konkrete, in das Zerbrechliche, in das Menschliche. Dieses Gebet ist ein Innehalten im Alltag, ein kurzes Öffnen der Tür für das Licht, das Gott schenkt. Das österliche Regina caeli nimmt denselben Rhythmus auf, aber mit dem Klang der Freude: Christus lebt, und mit ihm beginnt eine neue Wirklichkeit.

 

Das Glaubensbekenntnis

Auch das Glaubensbekenntnis gehört zu den Grundgebeten. Es ist kein theoretischer Text, sondern ein gesprochenes Vertrauen. Wer es betet, sagt nicht: "Ich habe alles verstanden", sondern: "„Ich stelle mich in diese Wahrheit hinein."

 

Das Credo ist ein Gebet, das Halt gibt, gerade dann, wenn das eigene Herz unsicher ist. Es ist ein Bekenntnis, das nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus der Mitte des Glaubens. Diese Grundgebete sind wie tragende Balken im Haus des Glaubens. Sie geben Halt, wenn die eigenen Worte fehlen. Sie verbinden Menschen über Zeiten und Orte hinweg. Und sie öffnen einen Raum, in dem Gott sprechen kann. Viele entdecken gerade heute neu, dass diese Gebete nicht altmodisch sind, sondern zeitlos. Sie sind wie ein Fluss, in den man eintaucht, wenn man selbst nicht weiß, wie man schwimmen soll.

 

Wer mit diesen Gebeten beginnt, betet nicht weniger persönlich, sondern tiefer. Denn sie führen in eine Sprache hinein, die größer ist als die eigene. Sie tragen, wenn die eigenen Kräfte schwach sind. Und sie öffnen das Herz für das, was Gott schenken will. Christliches Beten beginnt nicht mit Originalität, sondern mit Vertrauen. Die Grundgebete sind der Ort, an dem dieses Vertrauen wachsen kann.