Montag 2. März 2026
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Blick ins Paradies

(25.12.2011) Pluviale des Benediktusornates wieder im Einsatz.

Der aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende „Benediktusornat“ ist eines der beeindruckendsten Stücke der Paramentenkammer des Schottenstiftes. Das zum Ornat gehörende Pluviale (mantelartiges liturgisches Gewand) wurde neulich restauriert und kommt zu Weihnachten erstmals wieder zum Einsatz.


„Von den Ornaten in der Paramentenkammer des Schottenstifts ist der Benediktusornat vielleicht der schönste“, schwärmt der Leiter der Paramentensammlung im Schottenstift, Frater Augustinus Zeman.  „Auf der breiten Borte auf der Vorderseite des Pluviales sind die vier Evangelisten dargestellt. Sie stehen für die Grundlage des christlichen Glaubens“, so Frater Augustinus im Gespräch mit dem „Sonntag“. Das Pluviale komme besonders bei der Wort-Verkündigung, also bei einer Vesper oder einem Wortgottesdienst, zum Einsatz.
Auffallend ist der reiche Blumenschmuck des Mantels. „Dieser ist nicht nur Dekoration, sondern hat eine tiefe theologische Bedeutung“, führt Frater Augustinus aus: „Die  außergewöhnliche Vielfalt der dargestellten Blumen und Pflanzen ist Symbol für die Fülle des Lebens und steht für die von Gott geheilte Schöpfung.“ Das Gewand ist von einer Vielzahl an Goldfäden durchzogen. „Das Gold ist eine Metapher für das Licht und symbolisiert die Vollendung der Schöpfung im Reiche Gottes“, erklärt der Benediktiner.


Anlass für die Restaurierung war der Umstand, dass der Futterstoff des Ornats abgefärbt hat. Der farblich instabile Futterstoff stammte von einer früheren Restaurierung aus dem 20. Jahrhundert.

 

Die jetzige Restaurierung lag in den Händen von Hilde Neugebauer. „Glücklicherweise sind beim Auftrennen des bestehenden Futters Reste des originalen Futters zu Tage gekommen“, berichtet Frater Augustinus. Deren Farbe war eine kleine Sensation: Das barocke Futter zeigte ein lebhaftes, zum Orange tendierendes Rosa. Für den neuen Stoff wurde ein weißer Seidensatin gekauft, der von einer Spezialfirma auf den Farbton des barocken Futters eingefärbt wurde. „Ich kann bezeugen, wie gut die Färbung gelungen ist: Der barocke Farbton ist praktisch punktgenau getroffen!“


Aufgrund von originalen Quittungen – die sich im Stiftsarchiv befinden und aus den Jahren 1725 bis 1730 stammen –  ist die Entstehung der Messgewänder sehr gut dokumentiert. Als Herstellerinnen werden Maria Barbara Kayserin, Witwe nach einem bürgerlichen Bildhauer, und Maria Barbara Schwaigerin, Ehefrau eines kaiserlichen „ambts Prothocollisten“, genannt. An der Herstellung eines aufwändigen Ornates arbeitete eine Stickerin bis zu fünf Jahren.
Seinen Namen hat der Ornat wahrscheinlich von seiner früheren Verwendung an den beiden Festtagen des hl. Benedikt (21. März und 11. Juli). Heute ist das Pluviale bei der Zweiten Vesper von Weihnachten (also am 25. Dezember, heuer um 18 Uhr) und bei der Vesper am Ostersonntag im liturgischen „Einsatz“ ist. Frater Augustinus: „Wer diese Gottesdienste mit uns feiern und die authentische Verwendung eines barocken Pluviales erleben will, ist herzlich dazu eingeladen!“

    

A. Gansterer



Infos: www.schottenstift.at

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