Montag 2. März 2026
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40 „brave“ Männer und 4 „schlimme“ Frauen

(18.12.2011) Klare und verborgene weihnachtliche Spuren im Alten Testament.

„Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“, schreibt der große Kirchenvater  Hieronymus im Prolog seines Jesaja-Kommentars. Die junge Christenheit hat aus dem Reichtum des sogenannten Alten Testaments geschöpft, hier entdeckten die Christen auch jene Texte, die den Messias ankündigten und von seinem Kommen prophetisch künden. Oder die durch An- und Einspielungen das Jesus-Geschehen rückblickend tiefer erkennen ließen. Im Advent und zu Weihnachten finden sich in Frömmigkeit und in den Texten der Liturgie deutliche und verborgene Spuren des Alten Testaments.

Wenn Rahel weint

Deutlich sind die alttestanentlichen Spuren bei den sogenannten neutestamentlichen „Erfüllungszitaten“ zu erkennen. So „illustriert“ beispielsweise Matthäus die Geschichte der dahingemordeten Kinder von Betlehem mit einem „Erfüllungszitat“ („Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin“, Matthäus 2,18) aus dem Buch des Propheten Jeremia (31,15). Matthäus  will zeigen, dass das, was damals geschehen ist, an die untröstliche Rahel, an die Leidensgeschichte des Volkes, erinnert.

40 Männer, 4 Frauen

Genauer hinhören und hinschauen muss der Bibel-Leser auf die Bilder- und Zeichenwelt, auf die alttestamentlichen Wurzeln der Weihnachtsgeschichte. So heißt es  bei Matthäus (1,1): „Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Hier schwingt der ganze biblische Bedeutungsreichtum mit, wenn von Abraham und David die Rede ist.

 

Matthäus bringt dann eine Kette von 44 Namen, 40 Männer und 4 Frauen. Denn hier fängt keine neue Geschichte an, Jesus ist hineingestellt in die große Geschichte des Gottesvolkes. Gelesen werden sollte dieser sogenannte „Stammbaum“ Jesu (Mt 1,1-25) in der Messe am „Heiligen Abend“, meist wird jedoch nur die Kurzfassung (Mt 1,18-25) vorgetragen. Und die Mitfeiernden hören dann nicht die Namen der vier Frauen – Tamar, Rahab, Rut und Batseba (von Matthäus als „Frau des Urija“ bezeichnet).

 

Diese Frauen der matthäischen Vorgeschichte „stören“ die vorbildliche Geneaologie der Männer: Tamar macht sich als verkleidete Dirne durch eine List zur Frau ihres Schwiegervaters, der ihr seinen Sohn verweigert. Die Dirne Rahab gewährt den Kundschaftern Schutz. Die „Ausländerin“ Rut, eine Moabiterin, lässt ihre Schwiegermutter nicht allein und sichert schließlich das Fortleben der Familie. Batseba, die Frau des Urija, die von David ehebrecherisch begehrt wurde, wird zur Mutter des Königs Salomo.

 

Wird Gottes Geschichte nicht nur von Geschichte machenden Männern geschrieben? Die Väter und Mütter Israels erinnern, dass Jesus der Christus, ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams ist. Matthäus bestimmt damit die Identität der Christen, indem er die Verbindung zum Volk Israel, dem Gottesvolk, herstellt.

Hirten als Propheten

Geht es nach den oft von Schafen und Hirten überbevölkerten Weihnachtskrippen, müssen sich auf den Feldern von Betlehem Unmengen von Hirten aufgehalten haben. Wahrscheinlich waren es nur einige.  Nach Lukas (zweites Kapitel) finden sie – vom Engel angeleitet – das Kind in der Krippe. „Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.“ Hier klingt der alttestamentlich vertraute Auftrag der Propheten an.  Die Hirten werden – wie die Propheten – von ihren Feldern weggeholt und Zeugen der geschichtsmächtigen Tat Gottes. Sie sind die ersten Verkündiger der Froen Botschaft, ohne schon Christen zu sein, heißt es doch bei Lukas 2,20: „Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten.“

Ochs und Esel

Lange, bevor schließlich die Schafe der Hirten auf den Weihnachtsdarstellungen auftauchten, fehlen weder Ochs noch Esel, obwohl diese beiden Tiere nicht in den neutestamentlichen Kindheitsgeschichten vorkommen. Ausgehend von der drei Mal genannten „Krippe“ bei Lukas (zweites Kapitel), verbanden schon die Kirchenväter das Stichwort „Krippe“ mit einem Jesaja-Text (1,3): „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ Was will dieses Bild sagen? „Der Besitzer, der Herr der Krippe, den Ochs und Esel kennen, das ist für die Christen der Gott Israels und die Krippe selbst, der Futtertrog, das kann für sie nur die Bibel Israels, das sogenannte Alte Testament, sein“, schreibt der Regensburger Alttestamentler Christoph Dohmen in seinem Buch „Von Weihnachten keine Spur? Adventliche Entdeckungen im Alten Testament“.      

 

Kronthaler

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