„2010 haben sich in Wien mehr als 3.000 Menschen an die Caritas gewandt, die zum ersten Mal in ihrem Leben keine Wohnung mehr haben. Das sind so viele ,neue Obdachlose‘ wie nie zuvor, und die Zahlen für 2011 zeigen, dass es hier leider keine Entspannung gibt“, betonte Landau in der Caritas-Obdachloseneinrichtung „Gruft“ unter der Mariahilferkirche.
Erschreckend hoch sei auch der Anteil junger Menschen: Ein Drittel der KlientInnen, die sich wegen Wohnproblemen an die Caritas wenden, ist jünger als 30 Jahre.
Leider steige die Nachfrage nach Hilfsangeboten kontinuierlich, so Landau in einer kurzen Bilanz. 2010 seien mit knapp 88.000 Mahlzeiten so viele Essen wie nie zuvor an Bedürftige ausgegeben worden. 2011 rechnen die Caritas-Helfer mit einem weiteren Anstieg auf rund 90.000 Mahlzeiten. Jeder 4., der sich um ein warmes Essen anstellt, hat laut Caritas zwar noch eine eigene Wohnung, kann sich aber das Essen nicht mehr leisten. „Erschreckend viele Menschen leben am Limit“, warnte Landau.
Was als Initiative des damaligen Pfarrers P. Albert Gabriel SDS begann, der im Advent 1986 mit SchülerInnen des Amerling-Gymnasiums unter der Kirche eine Wärmestube einrichtete und Obdachlose mit Schmalzbroten und Tee bewirtete, ist heute Wiens wohl bekannteste Obdachloseneinrichtung.
Seit 1994 ist die Gruft mit Unterstützung der Stadt Wien rund um die Uhr geöffnet. Nacht für Nacht schlafen ca. 70 Menschen in dem Raum unter der Kirche in der Barnabitengasse. Zusätzlich werden dreimal pro Woche Obdachlose von Nacht-Streetworkern in Parks, WC-Anlagen etc aufgesucht und betreut. Seit der Gründung vor 25 Jahren wurden in der Gruft über 1,3 Millionen warme Essen an obdachlose und verarmte Menschen verteilt. Bis heute hat die Gruft 500.000 Mal einen warmen und trockenen Schlafplatz für obdachlose Menschen geboten.
Doch nicht alle Menschen, die diese Hilfe brauchen, finden gleich den Weg in die Gruft. Schätzungen zufolge schlafen trotz zunehmender Kälte einige hundert Obdachlose in Wien aus verschiedenen Gründen im Freien, in Abbruchhäusern, WC-Anlagen oder auf der Donauinsel. Für sie ist das Leben ein täglicher Überlebenskampf. „Niemand darf in Österreich unversorgt und schutzlos auf der Straße stehen, niemand darf im Freien erfrieren“, appelliert Michael Landau.
„Schnüren wir gemeinsam ein Gruft-Winterpaket für einen obdachlosen Menschen – mit € 50,- für einen Schlafsack & eine warme Mahlzeit! Jede Spende wärmt und hilft Obdachlosen durch die härteste Zeit des Jahres“.
lin