Sonntag 1. März 2026
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Breites Betätigungsfeld für die Kirchen

(4.12.2011) Interview mit Univ.-Prof. Helga Kromp-Kolb über Klima-Gipfel und Politik


 

 

O.Univ.Prof. Dr.phil. Helga Kromp-Kolb (Universität für Bodenkultur, Wien).

 


 

Welche Hoffnungen und Erwartungen verbinden Sie mit dem Klima-Gipfel?

Kromp-Kolb: Konkrete Hoffnungen knüpfe ich an diesen Gipfel nicht, dennoch halte ich eine Fortsetzung der Bemühungen auf der globalen Ebene für notwendig.

 

Weniger Delegierte und Geschäftigkeit auf Seite der Regierungen täten es aber wohl auch. Dann hätten die Entscheidungsträger vielleicht Gelegenheit, mit den ebenfalls in Durban anwesenden Vertretern der Zivilgesellschaft zusammenzutreffen und zu erleben, dass es auch ganz andere Weltbilder gibt, als jene, die in den Konferenzräumen diskutiert werden.

Der globale Ausstoß des Treibhausgases CO2 hat 2010 eine neue  Rekordmarke erreicht,  die  Klimakonferenzen in Kopenhagen (2009)  und in Cancún, Mexiko (2010) erreichten wenig. Warum?

Kromp-Kolb: Warum tut nicht jeder und jede von uns, was er oder sie ohne große Politik tun könnte? Warum sind die Ferienflüge immer noch ausgebucht, die Staus auf Straßen trotz öffentlicher Verkehrsmittel alltäglich und im Angebot der Geschäfte immer noch Zwiebel aus China zu kaufen?

 

Wir Menschen sind Meister im Verdrängen von Tatsachen, die uns eventuell unangenehme Handlungen abfordern könnten. Und wenn wir als Wähler nicht signalisieren, dass wir Klimaschutzmaßnahmen wünschen, woher sollen dann die demokratisch gewählten Politiker den Mut zum Handeln nehmen?  

 

Wäre es nicht sinnvoller, kleinere Ziele anzustreben, die  einfacher anzugehen sind, als auf den großen Wurf zu warten?

Kromp-Kolb: Auf der politischen Ebene ist das eine Frage der Taktik und der Verhandlung. Das Kyoto Protokoll war so ein kleiner Schritt. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist gut. Man darf nur das große Ziel und die Dringlichkeit nicht aus den Augen verlieren.

 

Aber auch wirkönnen mit kleinen Schritten anfangen: sich eine Woche am Autofasten beteiligen, die Temperatur in der Wohnung um 1°C absenken, das Handy, den Computer um ein halbes Jahr länger nutzen, usw.

 

Was können Entwicklungsländer tun, was die reichen Länder?

Kromp-Kolb: Die Entwicklungsländer sollten die Sackgasse des unmäßigen Ressourcenverbrauchs vermeiden, in welche die Industrieländer geraten sind, und die Industrieländer sollten unmissverständlich zeigen, dass sie eine Kehrtwende machen, um aus der Sackgasse wieder heraus zu kommen.

 

Konkret: Die reichen Länder müssen zeigen, dass gute Lebensqualität auch mit wesentlich weniger Ressourcenverbrauch erzielbar ist. Die im neuen Lebensstil geforderten Qualitäten – Genügsamkeit, Ehrfurcht vor allem Leben, Mitgefühl und Solidarität, Verantwortungsbewusstsein etc. – gelten in praktisch allen Religionen als Tugenden. Wir haben sie nur aus den Augen verloren.

„Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir  müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten“, sagte Papst Benedikt XVI. im September vor dem Deutschen Bundestag. Hören wir gut genug?

Kromp-Kolb: Am Hören liegt es nicht – zumindestens die lauten Schreie, wie jene des Klimawandels, sind nicht mehr zu überhören. Andere sind noch weniger prominent, wie das Artensterben oder der Verlust unserer fruchtbaren Böden.

 

Das eigentliche Problem ist das Fehlen einer angemessenen, tätigen Antwort. Hier wäre auch für die Kirchen noch ein breites Betätigungsfeld.  

 

Interview: Stefan Kronthaler

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