Sonntag 1. März 2026
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Mission – Aufgabe für den PGR

(27.11.2011) PGR-Fachtag über die Zukunft der Pfarren.

Die aktuellen kirchlichen Reformbestrebungen können niemals „nur Selbstzweck“ sein, sondern müssen immer eine Antwort auf die Frage darstellen, was die Aufgabe der Kirche in der heutigen Zeit und Gesellschaft ist. Dies unterstrich der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, beim Fachtag der Pfarrgemeinderäte des Vikariates Wien-Stadt, der am 19. November stattfand.


Die demographischen Entwicklungen, die Immigration  und die Art und Weise, wie Menschen heute ihren Glauben leben, ließen Rückschlüsse darauf zu, wie sehr sich die Gestalt der Kirche in den kommenden 10, 20 Jahren verändern werde. Es gelte jedoch, diesen Prozess aktiv und positiv zu gestalten. „Wir müssen lernen ein positives Verhältnis zur säkularen Gesellschaft zu bekommen“, so der Erzbischof, „Wenn wir nicht ein herzhaftes ,Ja‘ zu unserer Zeit sagen, können wir unseren Auftrag nicht erfüllen.“ Reformen müssten aus einer „Leidenschaft der Jüngerschaft“ geschehen.


Im Zentrum aller Reformbewegungen müsse die Mission stehen – Mission wohlgemerkt, die auf die religiösen Suchbewegungen der Menschen mit großem Respekt reagiere: „Die Menschen wollen nicht missioniert werden, sie wollen nicht in ihrer Freiheit beeinträchtigt werden, aber sie sehnen sich nach etwas Großem und Reinem“, so der Wiener Erzbischof.
Auch zur Causa Neulerchenfeld äußerte sich Schönborn bei dem Fachtag. Es seien bei der beabsichtigten Übergabe der Kirche an die serbisch-orthodoxe Gemeinde Fehler gemacht worden; bei anderen vergleichbaren Prozessen in zwei weiteren Wiener Dekanaten gehe man von Beginn an umsichtiger vor.

Schlüsselrolle

Klare Worte zu den anstehenden pfarrlichen Neuordnungen fand auch der Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki. Man müsse sich in den Pfarrgemeinden im Klaren darüber sein, „dass die jetzigen Strukturen von Pfarrgrenzen in dieser Form nicht halten werden“. Die notwendigen Wandlungsprozesse würden aber nicht übereilt von heute auf morgen passieren und würden außerdem intensiv begleitet.


Die Pfarrgemeinderäte werden in jedem Fall in den bevorstehenden Prozessen laut Schutzki „eine Schlüsselrolle spielen und die missionarische Aufgabe haben, sich hinauszustrecken“. „Ihr steht im ,real life‘, im ,echten Leben‘“, so Schutzki, „Ihr seid die Kontaktpersonen zur Gemeinde und habt ein Know-How, das der Pfarrer nicht hat.“

Eigenverantwortung

Neben Kardinal Schönborn und Bischofsvikar Schutzki sprach der Wiener Pastoraltheologe Prof. Johann Pock über „Gemeinden im Wandel der Zeit“. Die Pfarrgemeinden stünden angesichts der aktuellen Kirchenreformdebatten in einer „Spannung zwischen Tradition und Innovation“, einer Spannung, die es „positiv aufzugreifen“ gelte. Pock ermutigte die Pfarrgemeinderäte zur aktiven Teilhabe an den aktuellen kirchlichen Reformprozessen.

 

Ausdrücklich warnte Pock vor einer falschen „Konservierung einer bestimmten Gestalt von Kirche“. Dies entspreche weder dem heutigen „Leben in Wandel und Veränderung“ noch dem Kirchenbild des Konzils, das Kirche bewusst als „Kirche in der Welt“ definierte.

 

In seinen Thesen zur Rolle der Pfarrgemeinderäte heute betonte der Pastoraltheologe u.a., dass Pfarren heute einen „exemplarischen Ort von Kirche“ darstellten, der um so wichtiger werde als „Lern- und Erfahrungsort für den Glauben“, je mehr die bislang traditionellen Lernorte des Glaubens – die Familien – ausfielen.

 

Wichtig sei außerdem für die Pfarren der Zukunft, ein „Miteinander von Tauf- und Weihepriestertum, von Dienstämtern und Ehrenämtern“ zu verwirklichen. „Pfarrgemeinderäte dürfen in ihrem Wesen nicht vom Dienstpriestertum, sondern vom Auftrag an alle Christen her bestimmt werden.

 

Gerade in neuen Strukturen mit weniger Priestern wird der Aspekt der Eigenverantwortung eine größere Rolle spielen müssen“, so Pock. Konkret empfahl der Theologe, diese Eigenverantwortung auch symbolisch durch Beauftragungen und Übertragung von Entscheidungsgewalt sichtbar zu machen.     

aha/ kap

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