Wenn man von jemandem, dem man etwas angetan hat, einen Gefallen erbitten will, so sollte man vorher das Vorgefallene wiedergutmachen und sich aussöhnen. Das sagt einem nicht nur die Vernunft, sondern auch das Herz. Daher gehört die Buße – die Umkehr zu Gott – immer dazu, wenn die Kirche feierlich um etwas bittet.
Darum hat schon der heilige Bischof Mamertus von Vienne in Frankreich die Menschen zu Fasten und Buße aufgerufen, als er nach Erdbeben und Missernte im Jahr 496 an den drei Tagen vor Christi Himmlfahrt Bittprozessionen abhielt.
Diese Prozessionen – und die dazugehörigen Bitttage – verbreiteten sich über ganz Europa und wurden um das Jahr 800 durch Papst Leo III. zum festen Bestandteil der Liturgie.
Obwohl der Papst das Fasten nicht mehr verpflichtend vorschrieb, haben die Prozessionen, bei denen vor allem um eine gute Ernte und das Ausbleiben von Naturkatastrophen gebetet wird, weiterhin auch Bußcharakter.
Die korrekte liturgische Farbe ist daher – das einzige Mal in der Osterzeit – violett. Heute sind in den ländlichen Gegenden, in denen die Ernte wirtschaftlich immer noch eine Rolle spielt, die Bittprozessionen über die Felder – Flurprozessionen – in den Bitttagen immer noch sehr verbreitet, auch nördlich und südlich von Wien. Es gibt sie vereinzelt aber auch in der Stadt.