„Zu Betlehem geboren, ist uns ein Kindelein“ (neues Gotteslob Nr. 239), singen Katholikinnen und Katholiken alljährlich zu Weihnachten, seit Friedrich Spee 1637 diese berührenden Zeilen gedichtet hat. Und zugleich gibt es Reiseprospekte, die bei einer Pilgerfahrt durch das Heilige Land auch einen Besuch in „Nazaret, dem Geburtsort Jesu“, ankündigen.
Kam der Gottessohn in Nazaret zur Welt? „Der Geburtsort Jesu beschäftigt in der Tat immer noch die Wissenschaft“, schreibt Karl-Heinz Fleckenstein. Er erinnert dabei etwa an den protestantischen Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976), „der nie das Heilige Land bereist hatte“ und der etwas spöttisch bemerkte, dass das „Wissen über das Leben Jesu auf eine Postkarte passen“ würde.
Fleckenstein forscht viel und schon lange im Heiligen Land, er ist ein Viel-Reisender auf den Spuren der Bibel. Er geht in seinem neuen Buch – „Ist Jesus wirklich in Betlehem zur Welt gekommen? Spurensuche nach dem Geburtsort des Erlösers “ – der Frage nach, ob es stichhaltige Gründe gibt, die für Betlehem als Geburtsort Jesu sprechen. Der Theologe trägt – unter Zuhilfenahme der biblischen Archäologie – akribisch all das in seinem Buch zusammen, was für die biblische Überlieferung spricht, angefangen von der Salbung Davids durch den Propheten Samuel, der König-David-Zisterne und dem Thema „Betlehem im Alten Testament“, etwa beim Propheten Micha.
Den Schwerpunkt des Buches bilden die neutestamentlichen Kindheitsgeschichten der Evangelisten Lukas und Matthäus, die auch die Weihnachtsvorstellungen bis heute prägen. Ob die „Volkszählung“ oder die „Hirtenfelder“, die „Geburtsgrotte“ oder die „Flucht nach Ägypten“. Nicht nur für Fleckenstein ist das Heilige Land das „fünfte Evangelium“, da dort die Wirklichkeit der Geschichte gesehen, ja berührt werden kann , die Gott mit den Menschen verwirklicht hat.
„Der historische Kern ist meines Erachtens die Geburt Jesu in Bethlehem; von ihr wird erzählt, um den theologischen Kern der Geschichte zu veranschaulichen: Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria“, sagt der renommierte Bochumer Neutestamentler Thomas Söding, den auch Fleckenstein als Gewährsmann für Betlehem als Geburtsort zitiert.