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Liebespaar in urbaner Umgebung
St. Josef / Liebe und Verantwortung
20.10.2015

Die Revolution in der Theologie des Leibes bei Papst Johannes Paul II.

Interview mit Corbin Gams und Robert Schmalzbauer über die „Theologie des Leibes“.

 

Warum veranstaltet die von der österreichischen Bischofskonferenz ins Leben gerufene „Initiative Christliche Familie“ (ICF) ein Seminar zur „Theologie des Leibes“?

Schmalzbauer: Die Menschen sehnen sich nach Glück und Erfüllung in der Liebe. In einer Zeit, in der die Sexualität wie eine Ware zu Markte getragen wird, hat Johannes Paul II. in der ‚Theologie des Leibes’ ein umfassendes Werk über die Schönheit und den Wert der Sexualität geschaffen.

 

Ausgehend von der Frage, was die Erfahrungen der Menschen mit Liebe und  Sexualität sind, erörtert Johannes Paul II., was den Menschen wirklich glücklich macht.

 

Die Theologie des Leibes gibt Antwort auf die Fragen der Menschen rund um die Themen Liebe, Sexualität und Spiritualität und räumt mit so manchem Vorurteil gegen die kirchliche Sexualmoral auf. Das große Interesse an dem Lehrgang zeigt, dass die Kirche sehr viel zum Thema Sexualität gerade in unserer heutigen Zeit zu sagen hat.

 

Mehr als jeder andere ist Papst Johannes Paul II. mit seiner ‚Theologie des Leibes’ dem Sinn der menschlichen Liebe und Sexualität auf den Grund gegangen.

Was zeichnet die Theologie des Leibes bei Papst Johannes Paul II. aus?

Gams: Die hervorragende Bedeutung des Leibes versucht Johannes Paul mit Hilfe der „Phänomenologie“ hervorzuheben. Sein Ansatz geht nicht von oben nach unten: „Du darfst nicht, du sollst nicht ...“, sondern er geht den umgekehrten Weg.

 

Er fragt: „Was ist deine Erfahrung mit Liebe, Sexualität, Freundschaft und Ehe. Hat alles, was du erlebt hast, dich glücklich gemacht?“ Dieser Ansatz zeichnet sich deshalb in besonderer Weise aus, da dies dem Denken des modernen Menschen sehr entgegenkommt. Die Aussagen wie z.B. „Was bedeutet für mich die Wahrheit über ...“ zeigt dies auf.

 

Nicht nur in dieser Hinsicht war der Selige Johannes Paul II. ein Visionär: In einer Zeit, in der „von oben nach unten“ üblich war, stellt er die Frage: „Was denkst du dazu, was ist deine Erfahrung – vergleichen wir deine Erfahrung mit meiner seelsorgerlichen Erfahrung“.

 

Wir dürfen nicht vergessen: Die Kirche hat immerhin 2000 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Eheleuten.
 
Wie revolutionär sind die Gedanken des seligen Papstes?

Gams: Das Revolutionäre an den Gedanken des Seligen Papst Johannes Paul II. ist sein Mut, die Dinge exakt anzusehen und sie auch exakt zu benennen.

 

In seinem Buch „Liebe und Verantwortung“ scheut er sich etwa nicht, die Männer dazu aufzurufen, auf die Frauen Rücksicht zu nehmen, damit sie beide „im gleichen Moment den Höhepunkt der sexuellen Erregung erreichen“ (Vorlesungen Karol Wojtylas an der Uni Lublin 1958/1959). Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund, sondern mahnt viel mehr in allen Belangen zur echten Liebe – und echte Liebe war und wird immer revolutionär sein.

Sexualität ist medial omnipräsent. Wieso ist sie trotzdem ein so schwieriges Feld?

Schmalzbauer: Gerade deshalb! Wie sollen Jugendliche, Männer und Frauen ihre Sexualität erfahren und leben, wenn an allen Ecken und Enden, an jedem Kiosk und Kino, in der Schule und im Internet, Sexualität in allen Arten, Formen und Varianten angeboten und ge- und verkauft wird?

 

Im Kennenlernen und „Ausprobieren“ der Vielfalt der Möglichkeiten bleibt ein schaler Nachgeschmack. War es das wirklich? Gibt es nicht etwas Besseres? Und schon ist man auf der Suche nach „Neuem“.

 

In der fortgesetzten Suche nach „Neuem“ merkt der Mensch leider erst recht spät, dass es „nichts Neues unter dem Himmel gibt“ und dass diese Sexualität die innerste Sehnsucht eines Menschen niemals endgültig stillen kann.

 

Gerade hier kann der weise Umgang mit Sexualität, wie ihn die Kirche – und in ihr allen voran Papst Johannes Paul II. – skizziert, in Form einer echten und dauerhaften Ganzhingabe, oder nennen wir es einfach Ehe, zu einem erfüllten Leben führen.