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Die Pfarrgemeinden wurden eingeladen, sich je einer Flüchtlingsfamilie anzunehmen.
Der Sonntag
25.08.2016

Kardinal König und „seine“ Vietnamesen

Die Pfarrgemeinden wurden eingeladen, sich je einer Flüchtlingsfamilie anzunehmen.

 

Im Gefolge des Indochinakrieges in den 1980er Jahren sahen über 1,6 Millionen Vietnamesen ihre einzige Rettung in der gefährlichen Flucht über das Meer.

 

Die Caritas startete damals auch hier ein großes Hilfsprogramm: Um diesen Menschen die Integration zu erleichtern, wurden die Pfarrgemeinden der Erzdiözese eingeladen, sich je einer Flüchtlingsfamilie anzunehmen und sie in ihr neues Leben zu begleiten.

 

Der richtige Gedanke dahinter war der, dass gelungene Integration nicht eine Sache von einigen Wochen ist, sondern eine lebenslange Aufgabe sein kann, die sich dann sogar in Freundschaft wandeln kann.  


Um, wie er sagte, nicht nur anzuschaffen, sondern selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, entschloss sich Kardinal König im Jahr 1979 eine solche Familie, die anfänglich aus Vater, Mutter und dreieinhalb Kindern – Thi Lien 7, Van Lin 6, Van Long 3, das vierte Kind, ein Mädchen, Thi Wien kam bereits in Wien zur Welt – bestand, in das Erzbischöfliche Palais aufzunehmen.

 

Ein Jahr darauf kam noch die alte Mutter mit zwei weiteren Brüdern  nach.


Aber damit war es nicht getan. Soweit es seine Zeit zuließ, kümmerte sich der Kardinal persönlich um seine neuen Hausgenossen – Nikolaus und die großen Feste des Kirchenjahres waren da willkommene Anlässe.

 

Wichtig war ihm vor allem aber eine gute Ausbildung der Kinder, die nach kurzer Eingewöhnung bald ein fröhlicher Bestandteil des Hauses wurden.  


Der Vater, der als Polier bei den Amerikanern gearbeitet hatte, fand einen Platz in der damaligen Hausdruckerei der Erzdiözese, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb.

 

Die Kinder vor allem schenkten dem Kardinal allein durch ihr Dasein die nötige Bodenhaftung, die nicht zuletzt darin gipfelte, dass er – gegen den anfänglichen Willen seiner Umgebung – im Arkadenhof des Erzbischöflichen Palais für sie eine Sandkiste durchsetzte.



Wie ein echter Großvater

Er nahm sie durch 20 Jahre hindurch  in seinen Urlaub nach Vorarlberg mit und pflegte mit ihnen Umgang auf eine sehr liebevolle Art wie ein echter Großvater – brachte ihnen bei, sie mit „Herr Professor“ anzureden, damit sie nicht durch lautes „Eminenz“-Geschrei alle rundum aufmerksam machten.

 

Er kümmerte sich um ihre Ausbildung und die Kinder haben ihn geliebt und es ihm auch gelohnt, indem sie heute alle lebenstüchtige Menschen geworden sind, die mit einem guten Beruf und beiden Beinen im Leben stehen, selbst schon wieder Kinder haben, die den „Herrn Professor“ zwar nur mehr aus Erzählungen, aber trotzdem sehr gut kennen.