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01.03.2018

Wenn Musik und Gebet zur Einheit werden

Am 16. und 17. März findet in Maria Enzersdorf eine Worship-Konferenz statt.

 

Für alle unter Ihnen, für die der Begriff Worship-Musik neu ist, gleich vorweg eine kurze Orientierung: Man versteht darunter eine musikalische Form des Lobpreises, inklusive Anbetung. Mehrere, meist junge Musiker, spielen auf Gitarren, Schlagzeug und anderen Instrumenten eingängige Melodien, und ein oder mehrere Sänger singen mit den Anwesenden.

 

Das Ganze im Normalfall in einem Kirchenraum eingebettet in einen Gottesdienst. Doch ist das Musik – oder Gebet? In Wahrheit beides. Die Sänger und die Menschen in der Kirche singen, beten und loben Gott in Form von Gesang und Worten. Damit alle den Text vor Augen haben, wird dieser meist auf eine Leinwand projiziert.


Worship ist vor allem in freikirchlichen Gemeinschaften und anglikanischen Kirchen weit verbreitet, hält aber auch mehr und mehr Einzug im katholischen Bereich. Viele unserer Pfarren und Gemeinden, wie zum Beispiel Cyrill und Method im 21. Wiener Gemeindebezirk, St. Florian im 5. Bezirk und das Zentrum Johannes Paul II. im 3. Bezirk, haben bei Gottesdiensten moderne Bands, die regelmäßig Lobpreislieder singen.


Worship-Konferenz in Maria Enzersdorf

Um Worship-Musik in unserer Diözese noch mehr zu fördern, veranstaltet die „Junge Kirche“ der Erzdiözese Wien am 16. und 17. März die erste „i-Worship-Konferenz“ in Maria Enzersdorf im Südvikariat.

 

Hauptsprecherin dabei ist Daniela Hogger. Die 34-Jährige kommt ursprünglich aus der Nähe von Sazburg an der österreichisch-bayrischen Grenze. Vor 11 Jahren ging sie nur mit einer Gitarre und einem Koffer im Arm nach London und wurde dort Worship-Leiterin der anglikanischen Kirche „Holy Trinity Brompton“ in London. Mittlerweile managt sie dort ein 100-köpfiges Musikteam, bildet Musiker aus und singt regelmäßig selbst Lobpreis in Kirchen mit tausenden Menschen.

 

„Worship ist der Ausdruck einer lebendigen Beziehung zu Gott“, sagt sie im Interview mit dem SONNTAG. „Gott gibt uns die Gabe von Musik, damit wir nicht nur mit dem Mund bekennen, sondern auch mit dem Herzen. Worship ist Musik und Gebet gleichzeitig, denn immer, wenn man eine Konversation mit Gott beginnt, ist das automatisch auch ein Gebet.“

 

Klare Struktur im Ablauf

Die Wurzeln des Lobpreises der Christenheit gehen auf die Lobgesänge Israels zurück und finden sich zum Beispiel in den Psalmen des Alten Testamentes. Bereits in diesen Psalmen hat der Lobpreis ausdrücklich verschiedene Gebetsgesten und musikalischen Ausdruck erhalten.

 

Auf diese Tradition beruft sich auch die moderne Worship-Musik, verrät Daniela Hogger: „Wenn wir am Sonntag Lobpreis spielen, ist dieser immer in drei Phasen eingeteilt:

  • Am Anfang steht die sogenannte Einladung. Dabei kommen wir mit unseren Texten immer mit einer Danksagung vor Gott.
  • Danach folgt die sogenannte Story – also die Geschichte. Hier singen wir in unseren Texten über das Handeln Jesu. 
  • Und am Ende des Gottesdienstes kommt die sogenannte Reaktion – dabei singen wir Texte, in denen wir Gott sagen, wie sehr wir ihn lieben.“

Neben dieser klaren Struktur wird die Liedauswahl im Vorfeld mit dem Priester abgestimmt. Je nach Thema des Evangeliums und der zu erwartenden Predigt werden die Lieder entsprechend zur Botschaft gewählt, um diese musikalisch zu unterstreichen.

 

„Als Worship-Musikerin unterhalte ich die Leute nicht, sondern ich ermutige die Gemeinde durch Gesang dazu, sich auf Gott einzulassen, sich ihm anzuvertrauen, auf ihn zu hören und ihm zu antworten. Wenn die Gemeinde die Lieder mitsingt, ist das ein gemeinsames unglaublich starkes Gebet, das auch mich immer wieder aufs Neue in seinen Bann zieht“, sagt Daniela mit einem Strahlen in den Augen.

 

Immer und überall nachsingbar

Worship-Musik soll vor allem junge Menschen ansprechen und ihnen die Möglichkeit geben, Gott zu begegnen. Und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch darüber hinaus: „Das Schöne an Worship-Musik ist, dass jeder, der Gitarre spielen kann, sich einfach daheim hinsetzt und die Lieder recht einfach nachsingen und nachspielen kann. Oder man legt eine CD ein“, erklärt Daniela Hogger. „Praise and Worship“ ist heute die Bezeichnung für eine ganze Musiksparte in der christlichen Musikindustrie. Worship-Alben verkaufen sich gerade im amerikanischen und anglikanischen Raum hunderttausendfach.

 

Know-How für die Pfarren

Daniela Hogger: „Ich freue mich sehr, dass ich bei der „i-Worship-Konferenz“ in meinem Heimatgebiet mit dabei sein kann. Ich möchte Leute ermutigen und ihnen ein Stück weit dabei helfen, Lobpreis in der Musik zu leben und dieses Know-How dann in ihre jeweilige Pfarre zu tragen.“