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20.05.2019

Das neue Gebot der Liebe: Herausforderung im Alltag (Joh 13, 31)

Dr. Ingeborg Gabriels Gedanken zum Evangelium vom 5. Sonntag der Osterzeit (19. 05. 2019)

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

zum 5. Sonntag der Osterzeit; Johannes 13, 31-33a.34-35

 

mit Impuls - Inspiriert vom Evangelium

 

Ist das Christentum eine einfache Religion? Ja, aber auch nein. Im Zentrum steht die Liebe. Ihre Anziehungskraft ist universal. Jeder Mensch will geliebt werden. Das ist einfach. Weniger leicht zu akzeptieren ist, dass Liebe so eng mit dem Kreuz verbunden ist.


Im neuen Gebot der Liebe als Kern der Nachfolge Jesu gehört dennoch beides zusammen.

 

Das heutige Evangelium steht in den Abschiedsreden Jesu. Um 100 n. Chr. geschrieben, hatte der Autor schon einige Erfahrung mit dem christlichen Gemeindeleben. Die fasst er im neuen „Gebot der Liebe“ zusammen. Er erklärt damit auch den furchtbaren Tod Jesu am Kreuz. Denn wie sollte dieser Sinn machen, wenn nicht als Akt der Liebe zu den Jüngern, der alle Menschen einschließt?  


Aber was ist eigentlich Liebe? Eine überflüssige Frage? Das Wort dröhnt uns aus hunderten Songs entgegen. Doch ist damit schon Wesentliches gesagt? Offenbar ist: es geht bei der christlichen Liebe (agapé) nicht zuerst um Gefühle. Die kann man nicht gebieten.

 

Es geht um mehr. Um die Bereitschaft andere Menschen, besonders in der Gemeinde, in ihrer Verschiedenheit zu achten und ihr Wohl wirklich zu wollen, was auch verlangt, ihnen wohlwollend zu begegnen.

 

Das ist eine große Kunst (@Erich Fromm, Die Kunst des Liebens *) und alles andere als selbstverständlich. Es muss täglich eingeübt werden.

 

Liebe als oberste christliche Tugend baut dabei auf einer ganzen Reihe anderer Verhaltensweisen auf:

  • Rücksichtnahme,
  • Bereitschaft zur Vergebung,
  • Vermeidung von Tratsch (ein Lieblingsthema von Papst Franziskus)
  • und vieles mehr.

Lieben kann man meist nicht aus dem Stand. Gerechtigkeit, Tapferkeit (Bereitschaft zum Leiden) und ein guter Selbstbezug, also Selbstliebe, sind wichtige Voraussetzungen, um effektiv lieben zu können.

 

Das stellt immer wieder vor die Frage:

  • Wo happert es bei mir?
  • Welche Fehler muss ich bekämpfen, um zu mehr Liebe zu gelangen.
  • Wie kann ich liebenswürdiger werden?
  • Wie kann ich andere auf ihrem Weg begleiten und fördern?
  • Welche Feindschaften müsste ich eigentlich durch Vergebung überwinden?

Das ist ein täglicher, auch spannender Prozess, ein lebenslanger Weg.
Die Anforderungen sind, Gott sei Dank, meist nicht so extrem, wie für Paulus. Nachdem er eine Steinigung knapp überlebt hat, fängt er sofort wieder an, anderen Mut zuzusprechen.

 

Eine unglaubliche Geschichte, aber der Kern des christlichen Glaubens und seiner großen Zukunftshoffnung: Der Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in der es keine Trauer und keinen Tod mehr gibt und in der die Liebe herrscht. 

 

 

 

Evangelium

nach Johannes 13, 31-33a.34-35

 

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.


Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.


Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.


Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.


Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.  

 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Was bedeutet Liebe für mich?  
Welche Dimensionen sind mir in der Praxis besonders wichtig?

 

Wieweit kann ich akzeptieren, dass die Praxis der Liebe auch mit Leid verbunden ist?

 

Vertraue/n ich/wir auf das Zusammenwirken mit dem Geist Jesu in meinem Alltag? –  Ist mir diese Dimension des christlichen Glaubens wichtig?

 

 

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* youtube-Video: Erich Fromm - Die Kunst des Liebens

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