Der Weg von Weihbischof Franz Scharl ist geprägt von seiner tiefen Verbundenheit zum Glauben, seiner Suche nach der Berufung und seinem Engagement für die Menschen. Sein Leben ist ein Beispiel für die Kraft der Berufung und die Bedeutung des Glaubens im Alltag. Scharl steht im 66. Lebensjahr, seit 33 Jahren ist er Priester, seit 17 Jahren Weihbischof der Erzdiözese Wien.
Sankt Georgen an der Salzburger-bayerischen Grenze: Hier ist Franz Scharl geboren und auf einem Bauernhof aufgewachsen. Hier beginnt auch seine spirituelle Entwicklung. Im Gespräch erzählt er von seinem Werdegang. "Wer der Franz Scharl ist, das weiß der liebe Gott wirklich. Ich weiß kaum etwas davon. Ein bisserl weiß ich...", meint Franz Scharl in seinem humorvollen Realismus.
Schon in jungen Jahren zeigt sich seine spirituelle Tendenz. Als Ministrant spürt er bereits früh eine Neigung zum Glauben, eine Suche nach dem Unbedingten. "Das hat mich einfach schon angerührt, das muss ich sagen. Nicht nur als Hobby. Nein, das ist so etwas, da habe ich gespürt, da geht es um Wesentliches. Und da wollte ich eigentlich auch ein Freund von Jesus sein, das passt. Ein Freund von Jesus sein, das wollte ich", erinnert er sich an seine Kindheit.
Doch der Weg zur Berufung ist nicht geradlinig. Nachdem er die Schule abgeschlossen hat, zieht es Franz Scharl nach Wien. Dort beginnt er sein Studium der Philosophie und Völkerkunde. Doch mit der Zeit spürt er einen stärker werdenden Ruf und entscheidet sich, zusätzlich katholische Theologie zu studieren.
Das innere Ringen mit der Berufung beginnt: "Das hat Jahre gedauert, bis ich gesagt habe: 'Okay‘. Es war dann sechs Jahre später - im Juli 1986 - da habe ich im Seminar angeklopft und gesagt: Jetzt habe ich den Eindruck die Sache ist ausgereift.“ Und er gibt offen zu: “ Das war schon ein jahrelanges Reifen und Akklimatisieren an die katholischen Kirche."
Im Jahr 1990 wird Franz Scharl zum Priester geweiht und beginnt seinen Dienst als Kaplan in Mödling unter Pfarrer Wilhelm Müller. Ab 2000 ist er Pfarrer in der Pfarre Auferstehung Christi und bereits 2001 Dechant in Wien- Margareten. Doch sein Engagement werden auch außerhalb seines Wirkungsbereiches wahrgenommen. Im Jahr 2006 ernennt ihn Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof der Erzdiözese Wien.
"Der Auftrag ist klar: 'Der Bischof hat das Evangelium aufs Haupt gelegt bekommen. Das ist der Unterschied zum Priester. Das heißt, das Wort von Jesus ist nicht irgendwas. Ich stehe unter dem Wort Gottes, unter dem Wort von Jesus. Das ist mein Maßstab. Und das ist auch das Erste, was ich machen soll: die Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus in die Welt hinaustragen, damit Menschen Möglichkeiten finden, die sie so nicht finden'", fasst Franz Scharl seinen Auftrag zusammen.
Sein Engagement erstreckt sich über verschiedene Bereiche außerhalb der traditionellen Pfarrrstrukturen. Er ist Bischofsvikar für die anderssprachigen Gemeinden. Besonders am Herzen liegen ihm Minderheiten und benachteiligte Menschen. Doch Weihbischof Scharl sieht auch bei sich selbst noch Entwicklungspotenzial und hat klare Zukunftspläne: "Ja, ich bleibe Schüler des Herrn und Meister Jesus. Da sehe ich mich. Da ist sehr wichtig, dass ich Fortschritte mache. Bei mir sehe ich da noch viel Luft nach oben. Und das ist das Essenzielle... der ‚Lebensstil Bergpredigt‘. Das ist genug Anforderung, in diese Richtung zu gehen" so Weihbischof Scharl.