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21.07.2025 · Glaube · Spiritualität

Anselm Grün: Schicksal spirituell deuten statt in Opferrolle verharren

Junge Frau schaut nachdenklich in einer Wiese sitzend in den Sonnenuntergang.

 

Benediktiner spricht bei "Disputationes"-Reihe in Salzburg über religiöse Wege im Umgang mit dem Schicksal. Anknüpfung an antike Philosophie, biblische Zeugnisse und eigene Erfahrungen. Glaube als Quelle innerer Freiheit und Vertrauen auf göttliche Vorsehung.

"Es geht darum, dass wir aktiv auf das Schicksal reagieren, anstatt uns als Opfer zu fühlen." Mit dieser zentralen Botschaft hat der Benediktinerpater Anselm Grün am Freitagabend in Salzburg zum spirituellen Umgang mit dem Schicksal aufgerufen. In seinem Vortrag bei der Veranstaltungsreihe "Disputationes" betonte der vielfache Buchautor und Seelsorger: "Wenn Gott in mir herrscht, dann bin ich wirklich frei.

 

Dann hat das Schicksal keine Macht über mich." Die dreitägigen "Disputationes", die die Konzertreihe "Ouverture Spirituelle" in der Eröffnungswoche der Salzburger Festspiele begleiten, stehen heuer unter dem Generalthema "Fatum" (lat. Schicksal). Nach dem Vortrag des Mönchs in der Großen Universitätsaula fand das Eröffnungskonzert "Das Floß der Medusa" in der Felsenreitschule statt.

 

Grün spannte in seiner Auslegung einen weiten Bogen von der griechischen Mythologie und Philosophie über frühchristliche Autoren bis hin zur Gegenwart. Die Religionen und Kulturen der Menschheit versuchten seit jeher, dem Schicksal zu begegnen - sei es durch Magie, Gebet, Vorhersehung oder Deutung. Für den Benediktiner ist klar: Schicksal ist mehr als bloßes Erdulden. Es sei eine spirituelle Herausforderung, die eine bewusste Antwort des Menschen verlangt - und eine Gelegenheit, tiefer mit sich selbst und mit Gott in Berührung zu kommen.

 

Ein zentrales Vorbild für diese Haltung sei der antike Philosoph Epiktet, den Grün ausführlich zitierte. Epiktets Appell: "Strebe nicht danach, dass die Ereignisse eintreten, wie du willst, sondern wünsche die Ereignisse so, wie sie eintreten, und du wirst ein glückliches Leben führen." Für Grün zeigt sich darin "eine tiefe Haltung des Vertrauens, die auch von frühen christlichen Kirchenvätern übernommen wurde". Diese Haltung münde in ein Gebet, das sich ganz dem göttlichen Willen überlässt: "Führe mich, wohin Du willst, bekleide mich mit dem Gewand, das Dir gefällt."

 

Ergänzend dazu verwies Grün auf Viktor Frankl, den Begründer der Logotherapie. Dessen Gedanke, dass "die Freiheit, auf das Schicksal zu reagieren", dem Menschen nicht genommen werden könne, sei auch theologisch bedeutsam. Frankl habe gezeigt, dass der Mensch dem Leid einen Sinn geben könne - etwa, indem er aus eigener Trauer heraus anderen helfe. Grün schilderte dazu die Entstehung von Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern nach dem Tod eines Kindes als konkretes Beispiel einer solchen "Sinngebung im Leid".

 

Auch auf persönliche Erfahrungen ging der Benediktiner ein: Als er vor zehn Jahren an Nierenkrebs erkrankte, habe ihn das biblische Gebet Jesu in Getsemani durchgetragen. Die Vaterunserbitte "Dein Wille geschehe" sei für ihn "nicht entmutigend, sondern Ausdruck des Vertrauens gewesen, dass es gut wird - unabhängig vom Ausgang". Damit habe er nicht nur um Heilung gebetet, sondern auch das mögliche Sterben als "Zeugnis für Christus" verstanden: "Nicht mehr durch mein Tun, sondern durch mein Sein."

 

Vom Leid zur Hingabe

Zentrale biblische Bezugspunkte seines Vortrags waren zudem das Johannesevangelium und die Emmaus-Geschichte bei Lukas. Besonders eindrucksvoll sei die Deutung Jesu im Johannesevangelium, seinen gewaltsamen Tod selbst in freie Hingabe zu verwandeln: "Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin." Diese Haltung werde in jeder Eucharistiefeier eingeübt - als spiritueller Umgang mit dem, "was uns durchkreuzt".

 

Am Beispiel seiner Mutter, die trotz starker Sehschwäche bis ins hohe Alter lebensfroh blieb, machte Grün deutlich, wie eine innere Umwandlung von Leid in Hingabe gelingen könne. Ihre Haltung, das Erlebte "für ihre Kinder und Enkelkinder aufzuopfern", sei für ihn Ausdruck einer tiefen spirituellen Kraft: "Sie fühlte sich nicht als Last, sondern als Segen."

 

Den Abschluss des Vortrags bildete ein Ausblick auf den spirituellen Sinn des Schicksals aus der Sicht des Lukas-Evangeliums. Der Satz "Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24,26) erinnere daran, dass Schicksal den Menschen aufbrechen wolle - "für das tiefere Geheimnis des Lebens, für die anderen, für Gott". Grün: "Wenn ich an meinen Vorstellungen vom Leben festhalte, werde ich durch das Schicksal zerbrechen. Doch wenn ich mich aufbrechen lasse, finde ich neue Möglichkeiten - und mein wahres Selbst."

 

Das Ziel eines solchen Ringens mit dem Schicksal sei letztlich die "innere Freiheit und die Offenheit für Gott", so Grün. Auch wenn sich Gott im Schicksal oft als unbegreiflich erweise, bleibe für den Theologen klar: "Die Unbegreiflichkeit des Schicksals verweist auf die Unbegreiflichkeit Gottes - einer Liebe, die trotz allem Liebe ist."

 

Die "Disputationes" im Rahmen der "Ouverture Spirituelle" haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2012 zu einem fixen Bestandteil der Salzburger Festspielsaison entwickelt. Während der letzten zwölf Jahre sprachen bereits über hundert hochkarätige Vertreter der großen Weltreligionen und Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft über die Wirkung von Kultur und Religion auf den Menschen.

erstellt von: red/kathpress
21.07.2025
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Gebetsinitiative: Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen! -Tag 5

Gebetsinitaitive, 5. Jänner: Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben (Jer 29,11)

Gebetsinitiative: Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen! -Tag 4

Vierter Tag der Gebetsinitiative: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! (Mt 11,28)

Gebetsinitiative: Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen! - Tag 3

Dritter Tag der Gebetsinitiative: Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil. (Ps 23,4)

Gebetsinitiative: Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen! - Tag 2

Gebetsinitaitive, zweiter Tag: Der HERR, dein Gott, ist überall mit dir. (Jos 1,9)

 

Gebetsinitiative: Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen! - Tag 1

1. Jänner (Weltfriedenstag) - Dein Herz sei stark und unverzagt! (Ps 31,25)

Bischöfe: Neuntägiges Gebet für Österreich ab 1. Jänner 2021

Die österreichweite Gebetsinitiative der Bischofskonferenz steht unter dem Motto "Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!"

Christoph Kardinal Schoenborn

Kardinal Schönborn unterstützt Aktion "Täglich 10 Minuten Stille schenken"

Welterfolgs-Autor  Philippe Pozzo di Borgo ( ‚Ziemlich beste Freunde‘) bewirbt ein ungewöhnliches Projekt der Wiener Akademie für Dialog und Evangelisation im Figlhaus. Kardinal Schönborn und Bischof Glettler unter den Unterstützern.

ORF- Programmschwerpunkt zu Allerheiligen und Allerseelen

TV-Gottesdienst zu Allerheiligen aus Hartberg, Radiogottesdienst aus Söchau. Dokus über Verhältnis der Wiener zum Tod, "magische Orte" und Tod auf Palliativstation, Spezialsendungen beleuchtet Feiertagsbräuche.

Dates mit Gott – Beten lernen im Quo vadis

 „Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein," prognostizierte der Theologe und geistliche Lehrer Karl Rahner. Erfahrungen, vor allen Dingen Gebetserfahrungen werden im Quo vadis?, dem Zentrum für Begegnung und Berufung der Ordensgemeinschaft mit der Reihe „Lehre uns beten!“ angeboten.

Heiligenkreuz feiert Gründungstag

96 Mönche mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren, die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz ist ein weltweit beachtetes Phänomen. Heute feiert sie ihren Gründungstag.

Online dem vielfältige religiöse Leben in Innsbruck auf der Spur

Studierende und diözesanes Haus der Begegnung bieten im Internet multireligiöse Stadtspaziergänge durch Tiroler Landeshauptstadt.

Spatenstich für neue Loudesgrotte in Maria Schutz

Maria Schutz ist seit 300 Jahren der bedeutenste Wallfahrtort im südlichen Niederösterreich.

Hl. Philipp Neri: Ein Heiliger, der sogar Goethe faszinierte

Er gilt als lachender Heiliger, als ein Mensch, um den sich viele Anekdoten ranken. Am 26. Mai jährt sich der Todestag des Ordensgründers und Mystikers zum 425. Mal.

Vom anderen her, auf andere hin (Joh 17,1-11)

Markus Muth und Boris Porsch schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 7. Sonntag der Osterzeit  (24.5.2020)

Begegnung am Tiefpunkt (Joh 21,1-14)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Sonntag der Osterzeit (26.4.2020)

Von der Empfängnis bis zur Auferstehung

Das Hochfest der Verkündigung des Herrn ist immer nahe bei Ostern – meistens vor Ostern, wenn der Ostertermin sehr früh ist, auch danach.

Die Bibel, ein krisenfestes Buch fürs Leben

Die Bibel ist ein Buch, das die Menschheitsgeschichte verändert hat und bis heute prägt. Für die Christinnen und Christen ist sie aber nicht nur ein Buch, sondern eine Lebensbegleiterin.

Lebendig (Joh 4,5-26. 39a. 40-42)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Fastensonntag ( 15. März 2020)

Der SONNTAG in der Offensive

Selfie schicken und gewinnen

Gesund durch den Winter mit Hildegard von Bingen. 7: Mit neuer Kraft ins Frühjahr

Expertin Brigitte Pregenzer gibt Tipps für eine wohltuende Reinigungskur, für Pollen-Allergiker und bei Frühjahrsmüdigkeit.

Genussvoll glauben: Immer der Nase nach

In dieser Ausgabe widme ich mich den Freuden, die wir uns durch Gerüche und Düfte bereiten können.

Neue Lektüre für Klein und Groß

Warum auch Erwachsene das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch unbedingt zur Hand nehmen sollten, haben wir uns für Sie angeschaut.

Gesund durch den Winter mit Hildegard von Bingen. 5: Für die Freude am Spielen und Lernen

Tipps zur Ernährung von Kindern und wie wir sie bei Leistungsdruck unterstützen können.

Genussvoll glauben: Man sieht nur mit dem Herzen gut

Faschingszeit und Maskierung - wo gibt es da Verbindungen zu unserem Glauben?

„Wir brauchen noch mehr eine Ökumene der Tat“

„Gebetswoche für die Einheit der Christen“ - Interview mit Pro Oriente-Präsident Alfons M. Kloss

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