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16.12.2025 · Österreich & Weltkirche

Im Vatikan endet ein Jahr der Extreme

 

Das Eineinhalb-Päpste-Jahr 2025 - Von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek

Ein Heiliges Jahr bedeutet Ausnahmezustand in Rom - ein zusätzlicher Papstwechsel macht daraus den Extremfall. 2025 war ein bewegtes Jahr im Vatikan: von dramatischem Sterben bis zu überraschenden Neuanfängen.

 

Physisch hat Papst Franziskus dem Vatikan den Rücken gekehrt. Seine Ewige Ruhe wollte der gebürtige Argentinier lieber in der römischen Innenstadt verbringen. Acht Monate nach seinem Tod ist der Andrang an seinem Grab in der Basilika Santa Maria Maggiore weiter groß, Vatikan-Polizisten schleusen die Pilgerschar zügig an der schlichten Ruhestätte aus weißem Marmor vorbei. Ein stetes "Nicht stehenbleiben. Bitte weitergehen" begleitet den Totenbesuch.

 

"Nicht stehenbleiben!" - das gilt auch im Vatikan, den Franziskus mit seinem Tod am 21. April endgültig verlassen hat. Begonnene Projekte, fast abgeschlossene Lehrschreiben, geplante Reisen lagen lange auf Eis, bis sich der neue Papst Leo XIV. nach seiner Wahl am 8. Mai eingearbeitet hatte. Seit einiger Zeit veröffentlicht der Vatikan beinahe täglich Dokumente und Beschlüsse mit der Unterschrift des neuen, aber häufig noch die Handschrift des alten Papstes. Viele Papiere warteten über Monate auf ihre Publikation; manche wurden kaum merklich, andere kräftig umgearbeitet.

 

Krankenhaus und Petersdom-Poncho

Franziskus' Gesundheitszustand war schon lange angeschlagen, die Eröffnung des Heiligen Jahres zu Weihnachten 2024 im Petersdom mühte den 88-Jährigen sichtlich. Ab Jänner verschlechterte sich die Situation zusehends. Der Argentinier, der nach der Wahl zum Papst nie in seine Heimat zurückkehrte, wurde schließlich mit schwersten Atemwegserkrankungen in die römische Gemelli-Klinik eingeliefert. 38 Tage lang behandelte ihn dort ein Spezialteam aus Ärzten und Pflegern in mitunter lebensbedrohlichen Lagen.

 

Täglich versammelten sich Menschen auf dem Petersplatz, um für das kranke Kirchenoberhaupt zu beten. Der Ort war auch Schauplatz des ersten Lebenszeichens von Franziskus nach drei Wochen Krankenhaus: In einer kurzen Audiobotschaft, in der er hörbar um Luft ringt, dankt er mit schwacher Stimme für die Abendgebete vor dem Petersdom. Zwei Wochen sollten noch vergehen, bevor er "zur weiteren Genesung" in den Vatikan zurückkehrte, und weitere vier, bis er am Ostermontag an den Folgen eines Schlaganfalls starb.

 

Einen legendären Auftritt sparte sich Franziskus bis kurz vor seinem Tod auf: Mit einem weiß-grün gestreiften Poncho aus Lateinamerika bedeckt, ließ er sich durch den Petersdom schieben, begrüßte überraschte Besucher und segnete Kinder. Es folgte ein letzter österlicher Segen "Urbi et orbi", zwar mit schwacher Stimme, aber auch einer überraschend großen Runde über den Petersplatz mit dem Papamobil - tags darauf starb er.

 

Beisetzung mit Weltpolitik

Die Teilnahme religiöser wie weltlicher Führer an Franziskus' Totenfeier war enorm. Und so gelang dem Papst quasi noch aus dem Jenseits ein diplomatisches Kunststück: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump führten ein Gespräch auf Augenhöhe - auf roten Stühlen sitzend im Petersdom. Nach der Beisetzung folgten in Rom weitere Begegnungen wichtiger globaler Akteure.

 

Unterdessen berieten im Vatikan die Kardinäle über die Nachfolge. Trotz ihrer heterogenen Zusammensetzung fanden sie schnell Konsens. Bereits am Abend des zweiten Konklave-Tages hieß es "Habemus papam", und der außerhalb des Vatikans wenig bekannte Robert Francis Prevost betrat den berühmten Balkon des Petersdoms. "Der Friede sei mit euch!", waren seine ersten Worte.

 

Erster Papst aus den USA

Schlagzeilenträchtig war die Herkunft des neuen Kirchenoberhaupts: Leo XIV. ist der erste Papst aus den USA. Der heute 70-Jährige wuchs in der Nähe von Chicago auf. Lange war in der katholischen Weltkirche ein Oberhaupt aus den Vereinigten Staaten undenkbar.

 

Doch Leos XIV. Lebenslauf passte ideal auf die Jobbeschreibung eines Papstes: Durch die Führungserfahrung in einem internationalen Orden und in einer Vatikanbehörde bewegt er sich sicher in einem interkulturellen Umfeld. Durch viele Auslandsbesuche und langjährige Auslandsaufenthalte besitzt er weitreichende Kenntnisse über die Weltkirche. Der polyglotte Kirchenmann arbeitete derart lang in Peru, dass er die dortige Staatsangehörigkeit besitzt.

 

In Auftreten und Symbolik unterscheidet sich Leo XIV. klar von seinem Vorgänger, mit dem er zu Lebzeiten eine enge Verbindung pflegte. Inhaltlich zeigt er sich bislang oft in Kontinuität mit Franziskus; er vollendet Unfertiges und hält sich an den schon lange vor seinem Amtsantritt bestückten Terminkalender. Den füllt in den ersten Monaten seines Pontifikats insbesondere das Heilige Jahr.

 

Viel Heiliges Jahr zu Beginn

Als seltenes katholisches Pilger-Event von Weltrang zieht das Jubeljahr nicht nur Millionen zusätzlicher Besucher nach Rom, sondern vereinnahmt auch das Kirchenoberhaupt mit zahlreichen Sonderveranstaltungen. In deren Rahmen wurden 2025 insgesamt neun Menschen von Leo XIV. heiliggesprochen. Eine Bewährungsprobe für den anfangs noch schüchternen Leo XIV. war das große Weltjugendtreffen in Rom, bei dem er vor Hunderttausenden jungen Menschen auftrat.

 

Seither und nach seiner ersten Auslandsreise, die ihn in den Nahen Osten führte, scheint sich der Papst in seiner neuen Rolle einzufinden. Am 6. Jänner endet das Heilige Jahr in Rom. Für den Folgetag hat Leo XIV. alle Kardinäle der Weltkirche zu Beratungen im Vatikan eingeladen. Spätestens dann hat er Gelegenheit, eigene Akzente zu setzen.

erstellt von: kap/Severina Bartonitschek
16.12.2025
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Papst und Kardinäle beraten in Rom über zentrale Zukunftsfragen der Kirche, liturgische Konflikte, Reformprozesse und weltweite Kommunikationsstrukturen.

Bischof Kapellari zum 90er: "Sehe viel Positives und bin gelassen"

Emeritierter Oberhirte der Diözesen Graz-Seckau und zuvor Gurk zieht in "Sonntagsblatt"-Interview Bilanz über "reiche Lebensernte"

2026 wird das erste Jahr, in dem allein Leo XIV. Papst ist

Sein Antrittsjahr 2025 war noch vom Erbe seines Vorgängers geprägt, doch 2026 wird Leos XIV. eigenes Jahr werden - innerhalb wie außerhalb des Vatikans. Von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel

Volles Programm für den Papst zu Weihnachten und an den Folgetagen

Zum ersten Mal feiert Papst Leo XIV. in diesem Jahr in Rom die Gottesdienste zu Weihnachten und zum Jahreswechsel.

Papst Leo XIV. soll Deutsch auf Duolingo üben – sogar nachts

Im Vatikan sorgt ein ungewöhnliches Detail aus dem Alltag von Papst Leo XIV. für Gesprächsstoff: Offenbar widmet sich das Kirchenoberhaupt mit bemerkenswerter Ausdauer dem Deutschlernen – und das nicht nur zu "christlichen Tageszeiten".

Podcast Lebenswerk feiert einjähriges Jubiläum mit Live‑Ausgabe vom Gesundheitstag

Die Jubiläumsfolge macht spürbar, wie stark gemeinsame Werte, Kooperation und spirituelle Wurzeln die Arbeit der Ordensspitäler in Österreich prägen.

Im Vatikan endet ein Jahr der Extreme

Das Eineinhalb-Päpste-Jahr 2025 - Von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek

Europäische Synodenexperten beraten in Linz

Katholische Privat-Universität Linz als zentraler Ort der Vernetzung in Umsetzungsphase der Weltsynode für eine synodalere Kirche - Theologin Csiszar in "Task Force für Synodalität" des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen berufen - 2026 europäische Synodalitätskonferenz in Oberösterreich

St. Gabriel: Steyler Missionare sammeln Sachspenden für Geflüchtete auf der Balkanroute

Mitten im Winter wächst die Solidarität: Eine neue Initiative zeigt, wie engagierte Menschen konkrete Hilfe für Schutzsuchende organisieren und sichtbar machen.

Gaza: Weihnachtslichter inmitten der Zerstörung

Weinachten in Gaza in aller Einafchheit und Schlichtheit, mit dem Wunsch nach Frieden am Weihnachtsbaum.

Leo XIV. betet nach Fahrt im Papamobil an römischer Mariensäule

Papst setzt am Marienfeiertag mit Gebet vor der Muttergottes nahe der Spanischen Treppe Tradition seiner Vorgänger fort

Ein Mann sitzt auf der Couch und googelt.

Online-Suchtrends 2025: Österreich googelte Alter des neuen Papstes

Auch Ereignisse rund um Tod von Papst Franziskus interessierten die Internetnutzer.

Peter Thiel und die Theologie: Warum wir Tech-Ideologen ernst nehmen müssen

Der Innsbrucker Sozialethiker Wolfgang Palaver sprach an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät über die religiösen Denkfiguren des US-Milliardärs Peter Thiel. Begriffe wie „Antichrist“ und „Katechon“ prägen Thiels politische Vision – und fordern die Theologie heraus, sich in die Debatte einzumischen.

Papst mahnt: Synodaler Weg braucht mehr innerdeutschen Dialog

Papst Leo XIV. sieht den Reformprozess der deutschen Kirche noch nicht am Ziel. Beim Rückflug aus dem Libanon mahnte er mehr innerdeutschen Dialog an – und warnte vor Machtgefällen, die Stimmen vieler Gläubiger zum Verstummen bringen könnten. Vielfalt in der Synodalität sei kein Bruch, sondern Stärke.

Papst Leo XIV. startet erste Auslandsreise – Friedensbotschaft für die Türkei und den Libanon

Papst Leo XIV. startet vom 27. November bis 2. Dezember seine erste Auslandsreise in die Türkei und den Libanon. Der frühere Leiter des Augustinerordens gilt als reisefreudig und bringt weltweite Erfahrung mit.

Gemüse in der Wüste – Hoffnung für Turkana

Landwirtschaft statt Hunger: Ein Projekt verwandelt Kenias Wüste in fruchtbares Land. Am 2. Dezember besucht eine Gruppe von Aktivisten Wien und berichtet von ihrer Arbeit

Tigray hungert trotz Friedensabkommen

Tigray bleibt von Hilfen weitgehend abgeschnitten – Ordensmann warnt vor dramatischer Lage

"Leo from Chicago": Neue Papst-Doku jetzt mit deutschen Untertiteln

Dokufilm beleuchtet familiäre, schulische und religiöse Prägung von Robert Francis Prevost

Belarus: Lukaschenko begnadigt zwei katholische Geistliche nach politisch motivierten Prozessen

Ordensmänner Akalatowitsch und Juchniewicz, gegen die in offensichtlich politisch motivierten Prozessen Lagerhaft verhängt worden war, kommen frei

Friedenslicht aus Oberösterreich für Papst Leo

Florian Mitter, das Friedenslichtkind aus Oberösterreich, übergab im Vatikan das Licht aus Bethlehem an Papst Leo XIV. und zeigte sich zutiefst beeindruckt.

Kinderpalliativzentrum MOMO: Inklusion schwerkranker Kinder sichern

Wiener Einrichtung mahnt Einlösung von UN-Kinderrechtskonvention ein: "Inklusion, Teilhabe, Schutz vor Gewalt, Bildung und Beteiligung müssen für alle Kinder in unserer Gesellschaft selbstverständlich sein"

3.800 Ordensleute als weiter prägende Kraft in Kirche und Gesellschaft

Österreichweit sind die 191 Ordensgemeinschaften in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege, Soziales, Kultur, Mission, Spiritualität und Seelsorge eine nicht wegzudenkende Größe.

Propst Sonnleitner: "Musik ist für mich ein Teil von Seelsorge"

Gefragter Organist an Spitze der Augustiner Chorherren von St. Florian ist kurz nach seiner Wahl mit drei unerwarteten Interessenten aus dem Kongo konfrontiert

Neues Buch gibt bislang unbekannte Einblicke in das Konklave 2025

Vatikanjournalisten öffnen in "Das letzte Konklave" den Blick auf Wahlgänge, Pannen und Anekdoten aus der Sixtinischen Kapelle.

Stift Klosterneuburg: René Girards Denken über Neid und Gewalt im Fokus

Das Stift Klosterneuburg präsentiertr das Buches "Neid, Gewalt und Sündenböcke" von Stiftskämmerer Elias Carr.

Katholische Jungschar fordert Partizipation: „Frag mich doch!“

Zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November macht die Katholische Jungschar Österreichs mit ihrer Kinderrechteaktion auf das Recht auf Partizipation aufmerksam.

Kardinal-König-Kunstpreis 2025 geht an Huda Takriti

Der seit 2005 alle zwei Jahre vergebene Preis zeichnet internationale Künstlern aus Österreich aus, die mit ihren Werken Debatten bereichern.

 

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