Wiener Erzbischof bei Feier in seinem Heimatort: "Dort, wo Gott im Zentrum steht, gibt es auch Freude" - Großer Andrang bei bischöflichen Gottesdiensten in Wiener Neustadt und Wullersdorf
Mit außergewöhnlich großer Beteiligung haben die ersten Gottesdienste des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl am Freitag in Wiener Neustadt und am Samstag in Wullersdorf stattgefunden. Rund 2.500 Gläubige insgesamt nahmen an den Feiern in den Vikariaten Süd und Nord teil.
Am Samstagnachmittag zelebrierte Erzbischof Grünwidl seine erste feierliche Eucharistiefeier als Bischof im Vikariat Nord in seiner Heimatpfarre Wullersdorf. Über tausend Gläubige füllten die Pfarrkirche St. Georg; viele verfolgten die Feier im Pfarrsaal oder über den Livestream. Unter den Mitfeiernden waren auch Landtagspräsident Karl Wilfing und Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll. Weihbischof Stephan Turnovszky begrüßte den Erzbischof im Namen der Gläubigen des Vikariats Nord.
In seiner Predigt sprach der Erzbischof sehr persönlich über seine Herkunft und seine Verwurzelung in der Region. Er erinnerte an seine eigenen Schritte im Glauben in der Pfarre Wullersdorf: Erstkommunion, Ministrantenzeit, Dienste als Lektor und Kommunionhelfer, Orgelspiel sowie die Gestaltung von Jugendmessen in der Pfarrkirche haben ihn geprägt. Seither habe sich die Gestalt der Kirche sowohl im urbanen als auch im ländlichen Umfeld grundlegend verändert.
Grünwidl stellte gerade deshalb die Freude an Gott als zentrales Anliegen seiner Predigt in den Mittelpunkt. Auch in Zeiten globaler Krisen, gesellschaftlicher Ängste und innerkirchlicher Herausforderungen bleibe das Evangelium lebendig und wirksam: "Dort, wo Gott im Zentrum steht, gibt es auch Freude", so der Erzbischof. Veränderungen seien keine Bedrohung, sondern eine Chance: "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen - wir sehen diese Zeit als Gelegenheit, mit Freude und Zuversicht den Wandel mitzugestalten."
Zentral sei die Mission und das gelebte Zeugnis des Glaubens: "Zuerst kommt die Mission. Mission heißt, ich stehe zu meinem Glauben, ich rede darüber, ich lebe ihn." Schon kleine Zeichen des Glaubens wirken stark: "Ein paar kleine Salzkörner können schon viel bewirken, oder eine Kerze in einem dunklen Zimmer kann die Atmosphäre verändern."
Die Pfarre Wullersdorf ist nahezu seit ihrer Gründung mit dem Benediktinerstift Melk verbunden. Bis heute versehen Benediktiner die Seelsorge im Auftrag des Melker Abtes - derzeit Pfarrmoderator P. Michael Fritz OSB aus dem Priorat St. Josef/Maria Roggendorf. Diese Verbundenheit zeigt sich nicht nur im Gemeindewappen, sondern auch im Wappen von Erzbischof Grünwidl, das im linken unteren Feld eine Adlerschwinge trägt, die sich ausdrücklich auf das Melker Abteiwappen bezieht.