Beim Generalkapitel in Wien bestätigte die Ordensgemeinschaft ihre Leitung und stellte zugleich zentrale Weichen für strukturelle und geistliche Weiterentwicklungen.
Das in Wien tagende Generalkapitel des Deutschen Ordens hat Hochmeister Frank Bayard für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren wiedergewählt. Bayard steht seit 2018 an der Spitze der Ordensgemeinschaft. Die Wahl erfolgte unter der Leitung von Prior Christian Stuefer. Das Generalkapitel, das noch bis 27. Februar am Sitz des Hochmeisters zusammentritt, gilt als oberstes Entscheidungsorgan des Ordens und wird turnusgemäß alle sechs Jahre einberufen.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Beratungen steht eine umfassende Reform der Ordensregel und der Statuten. In enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Dikasterium des Heiligen Stuhls sollen die Regeltexte an die strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahre angepasst werden. Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu stärken, dass Brüder und Schwestern das Charisma des Ordens – „Helfen und Heilen“ – auch künftig wirkungsvoll in Seelsorge, Pflege und karitativen Diensten verwirklichen können.
Frank Bayard wurde am 11. Oktober 1971 im saarländischen Püttlingen geboren. Nach einer Bankausbildung trat er im Jahr 2000 in den Deutschen Orden ein und legte 2004 die Ewigen Gelübde ab. Studien in Theologie, Geschichte und Health Care Management führten ihn nach Innsbruck und Wien. 2006 wurde er zum Priester geweiht. Innerhalb des Ordens übernahm Bayard zahlreiche verantwortungsvolle Aufgaben, bevor er erstmals zum Hochmeister gewählt wurde.
Der Deutsche Orden wurde 1190 in Akkon zunächst als Spitalbruderschaft gegründet und entwickelte sich wenige Jahre später zu einem geistlichen Ritterorden zum Schutz der Pilger im Heiligen Land. Heute ist die Gemeinschaft in mehreren europäischen Ländern präsent und engagiert sich vor allem in der Seelsorge sowie in der Betreuung kranker, behinderter und alter Menschen. Rund 300 Ordensmitglieder und etwa 950 Laien stehen im Dienst dieser Tradition. Seit 1809 befindet sich der Sitz des Hochmeisters in der Wiener Innenstadt – ein bemerkenswertes Zeichen für die eigenständige Geschichte eines Ordens, dessen Wirken bis in die Gegenwart reicht.