Bundespräsident Alexander Van der Bellen war Ehrengast beim interreligiösen Fastenbrechen der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich im Wiener Schloss Cobenzl. IGGÖ-Präsident Ümit Vural nutzte die Gelegenheit auch für klare Worte zum Kopftuchverbot.
Mit dem Gebetsruf um exakt 17.37 Uhr begann am Dienstagabend in den festlichen Räumen des Wiener Schlosses Cobenzl ein besonderer Moment: IGGÖ-Präsident Ümit Vural und Bundespräsident Alexander Van der Bellen brachen gemeinsam den Fasttag mit der traditionellen Dattelzeremonie. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich war die Anwesenheit des Staatsoberhaupts beim interreligiösen Iftar weit mehr als ein protokollarischer Akt. „Ein Zeichen der Anerkennung für die muslimische Gemeinschaft" und ein „Bekenntnis zum Miteinander, das Österreich ausmacht" – so interpretierte Vural Van der Bellens Teilnahme in seiner Ansprache. Neben dem Bundespräsidenten waren Vertreterinnen und Vertreter aller gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sowie Mitglieder des Diplomatischen Corps der Einladung gefolgt.
Angesichts zahlreicher globaler Krisen wolle man den diesjährigen Ramadan bewusst unter das Zeichen der Hoffnung stellen, erläuterte Vural. Das Motto des heurigen muslimischen Fastenmonats lautet schlicht: „Zeit für Zuversicht." Für den IGGÖ-Präsidenten ist Zuversicht dabei keine naive Haltung, sondern eine spirituelle Kraft – getragen von der Überzeugung, dass Vernunft, Güte und Mitgefühl stärker sind als Hass und Spaltung. Religionen trügen eine „heilige Pflicht", so Vural weiter: Sie müssten sich für die Bewahrung der Schöpfung, den Schutz der Schwachen und den Erhalt des Friedens einsetzen. Das interreligiöse Fastenbrechen selbst wertete er als lebendiges Zeichen für die Vielfalt der österreichischen Gesellschaft.
In einem nachdenklicheren Abschnitt seiner Rede machte Vural auch auf ein innenpolitisches Thema aufmerksam: das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Ein solches Verbot „muss am Maßstab der Verfassung geprüft und vom Verfassungsgerichtshof überprüft werden", bekräftigte er die Position der IGGÖ. Die Einbindung dieser Forderung in den Kontext eines Festes des interreligiösen Miteinanders setzte ein deutliches Signal – religiöse Praxis und staatliche Regulierung müssten in einem Rechtsstaat stets im Einklang mit den Grundrechten stehen. Musikalisch bereichert wurde der Abend durch Darbietungen des Yeden Ensemble, bevor Vural und Van der Bellen pünktlich mit der Dattelzeremonie den Übergang vom Tag zum Abend begingen – jenem Moment, den Muslime und Musliminnen weltweit während des Ramadans gemeinsam feiern.