Der norwegische Trappistenbischof Erik Varden spricht bei den Vatikan-Exerzitien Klartext über Kirchenskandale – und warnt vor einem verhängnisvollen Dualismus von Leib und Seele.
Verfehlungen und Verfall von innen fügen der Kirche mehr Schaden zu als Angriffe von außen .Mit dieser These hat der Leiter der dieswöchigen Fasten-Exerzitien im Vatikan, Bischof Erik Varden OCSO, die Leitungsebene der römischen Kurie konfrontiert. Nichts hat der Kirche schlimmeren Schaden zugefügt und unseren Ruf mehr kompromittiert als die Verderbnis, die im eigenen Haus entstanden ist. Die schlimmste Krise hat der Kirche nicht die Gegnerschaft der Säkularen eingetragen, sondern die kirchliche Verdorbenheit.
Varden sprach von „höllisch stinkenden Abstürzen", deren Folgen lange nachwirken und viele Unschuldige mit hinabziehen. Die zugefügten Wunden, so der Trappist, „brauchen Zeit zum Heilen, sie rufen nach Gerechtigkeit und Tränen." Besonderes Gewicht legte Varden auf schwere moralische Skandale in neueren geistlichen Bewegungen. In mehreren dieser Gemeinschaften waren in den vergangenen Jahren sexuelle Vergehen, besonders in der Gründergeneration, publik geworden. Varden stellte die drängende Frage: Wie konnte es trotz unzweifelhafter „Spuren der Heiligkeit" zu so entstellten Entwicklungen kommen? Sein Befund: Das geistliche Leben dürfe nicht von der übrigen Existenz abgekoppelt werden. Wer Spiritualität vom Körper, von Beziehungen und Alltagsrealität trenne, öffne Verderbnis Tür und Tor.
"Wir müssen uns stets daran erinnern, dass das Wort Fleisch geworden ist, damit unsere leibliche Existenz vom Wort durchdrungen wird", so der frühere Trappistenabt und nunmehrige Bischof im Norden Norwegens. Mit Nachdruck warnte er vor jeglicher Form eines Dualismus, der Leib und Seele trennt. Die Menschwerdung Christi sei gerade das Gegenprinzip: Das Heilige durchdringt das Körperliche – es flieht nicht davor.