Das Heilige Jahr 2025 wirkt nach und macht Mut für 2033.
Zwei Monate sind seit dem Ende des Heiligen Jahres 2025 vergangen. Die 21 Heiligen Stätten in der Erzdiözese Wien ziehen nun Bilanz. Und diese fällt erstaunlich klar aus: Es war ein gutes Jahr. Ein intensives. Und in vieler Hinsicht ein überraschendes. Was viele Verantwortliche besonders betonen, ist die Atmosphäre. Da war eine spürbare Offenheit. Eine Sehnsucht. Nicht laut, nicht spektakulär – aber deutlich wahrnehmbar.
Ein zentrales Element des Heiligen Jahres war das Sakrament der Versöhnung. Und hier zeigen sich ganz konkrete Zahlen. An einer der Heiligen Stätten wurden im Laufe des Jahres rund 2.200 Beichten gezählt. Damit hatte kaum jemand gerechnet. „Viele sind gerade durch die Beichte mit neuer Hoffnung erfüllt worden“, erzählt P. Thomas Höflich. Und das hört man nicht nur dort. Manche Standorte reagierten pragmatisch. P. Florian Calice führte etwa eine zusätzliche Beichtgelegenheit zu Mittag ein – Montag bis Freitag von 12 bis 12:30 Uhr. Ein einfaches Zeitfenster. Aber es wurde angenommen. So sehr, dass es nun dauerhaft bleibt. An Sonntagen saßen teilweise zwei Priester gleichzeitig im Beichtstuhl. Der Andrang machte es nötig. In der Wallfahrtskirche Maria Roggendorf ging man noch einen Schritt weiter. Dort warb man mit einem „Beichtgutschein“ für das Sakrament – bei Wallfahrten und im persönlichen Gespräch. Eine ungewöhnliche Idee. Aber offenbar eine wirksame. Ein Priester aus dem südlichen Niederösterreich beschreibt die Beichtgespräche als „persönlich sehr bereichernd“. Nach Stunden voller Verwaltung sei es ein Geschenk gewesen, einfach Seelsorger zu sein.
Auch das Thema Ablass bekam im Jubiläumsjahr neues Gewicht. In Maria Schutz bestätigt man: „Der Ablass war den Gläubigen sehr wichtig.“ Das überrascht, weil der Begriff oft missverstanden wird oder mit historischen Klischees belastet ist. Deshalb wurden an mehreren Orten eigene Informationsbroschüren erstellt. Pfarrer Thomas Rath berichtet von über 1.000 Exemplaren, die allein an seinem Standort mitgenommen wurden. Es ging nicht um Theorie. Sondern um konkrete Fragen: Was bedeutet Umkehr? Wie hängt Gnade mit persönlicher Verantwortung zusammen? Was heißt Versöhnung heute? Br. Clemens aus Marchegg formuliert es nüchtern: Die Möglichkeit zur Umkehr bleibt – auch über das Heilige Jahr hinaus.
Das Leitmotiv lautete „Hoffnung“. Ein großes Wort. Vielleicht gerade deshalb so passend. An manchen Heiligen Stätten gab es eigene Predigtreihen, etwa an den fünf Fastensonntagen. Einkehrtage, Gebetsabende, Exerzitien – das Thema zog sich durch das ganze Jahr. „Gott schenkt immer Hoffnung“, sagt der Kirchenrektor aus Maria Schutz. Selbst dann, wenn Lebenssituationen dunkel erscheinen. Dass diese Botschaft ankam, bestätigen viele Rückmeldungen. Die Gespräche wurden persönlicher. Die Fragen konkreter.
Die Zahl der Wallfahrten stieg spürbar. Monatswallfahrten waren besser besucht als in den Jahren davor. Neue Gruppen kamen erstmals – darunter auch Initiativen, die sonst nicht regelmäßig in Erscheinung treten. Besonders eindrücklich war eine Krankenwallfahrt mit Krankensalbung und eucharistischem Einzelsegen. Manche fühlten sich an Lourdes erinnert. Viele baten darum, dieses Angebot fortzuführen. Und dann waren da die kleinen, fast unscheinbaren Begegnungen: Familien, Einzelpilger, Paare. Eine nächtliche Gruppe, die um Mitternacht aufbrach, um rechtzeitig zur Rorate zu kommen. Solche Bilder bleiben. Aus der Wallfahrtskirche Maria Schnee wird zudem berichtet, dass der reguläre Messbesuch zugenommen habe. Besonders viele junge Menschen seien gekommen. Das wird mehrfach als „echtes Hoffnungszeichen“ bezeichnet.
Nicht alles spielte sich im klassischen liturgischen Rahmen ab. In Klosterneuburg entstand etwa das Kunstprojekt „Effata“ gemeinsam mit Kunsthandwerksschulen. In der Nähe von Gutenstein wurde eine Lourdes-Madonna aufgestellt – als sichtbares Zeichen des Jubiläums. Daneben wirkten oft gerade die kleinen Dinge: Bibelverse als „Wort der Hoffnung“, gestaltete Kerzen, offene Kirchenräume ohne große Schwellen. „Viele kommen, weil sie hier einfach in Ruhe beten können“, sagt Pfarrer Rath. Ohne Beobachtung. Ohne Druck. Einfach da sein.
Der Blick richtet sich bereits auf 2033 – das 2000-Jahr-Jubiläum des Kreuzestodes Jesu. Konkrete Programme gibt es noch nicht. Aber die Richtung ist klar: besser vorbereitet sein, Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, sichtbarer kommunizieren. Ein Priester merkt selbstkritisch an, dass die Kennzeichnung als Ablasskirche durchaus deutlicher hätte sein können. Das Heilige Jahr 2025 war kein isoliertes Ereignis. Es hat etwas angestoßen. Vielleicht leise. Vielleicht unspektakulär.Aber spürbar.