Donnerstag 2. April 2026

Schnellsuche auf der Website

17.09.2017

Wien: Menschenkette zwischen Moschee und Kirche

500 Muslime, Christen, Juden und Buddhisten setzen Signal für friedliches Zusammenleben und Miteinander der Religionen.

Ein Signal für friedliches Zusammenleben und Respekt zwischen den Religionen haben 500 Muslime, Christen, Juden und Buddhisten am Freitagnachmittag, 15. September 2017 in Wien mit einer Menschenkette zwischen der größten Moschee Österreichs und der katholischen Pfarre Bruckhaufen gesetzt. "Gemeinsam wollen wir aufzeigen, dass ein friedliches Zusammenleben nicht nur möglich, sondern bereits gelebte Realität ist und dass nur im Miteinander die Chance eines Zusammenhalts liegt, der stärker ist als Hass und Verachtung", war in der Einladung betont worden. Die Initiative zu der Aktion kam von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ).

IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun dankte zu Beginn vor dem Islamischen Zentrum am Hubertusdamm allen "Brüdern und Schwestern", die sich an der rund 600 Meter langen Menschenkette beteiligten. Durch die Initiative gebiete man Hass und Rassismus Einhalt und zeige, dass "alle Menschen Teil eines einzigen Liedes sind und zusammengehören". Unterschiede in Kultur, Religion und Ethnie seien eine Bereicherung für die Gesellschaft, die es zu bewahren gelte.

Der katholische Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki vertrat Kardinal Christoph Schönborn und übermittelte die "besten Segenswünsche" des Wiener Erzbischofs. Friede sei nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk, das schon oft "erkämpft, erbetet, gewonnen" werden musste, erinnerte er. In der Menschenkette würden sich Christen, Muslime sowie die Vertreter anderer Religionen "in gegenseitigem Respekt und Freundschaft, auf Augenhöhe begegnen" und einander die Hände reichen. "Ein einfaches Zeichen und doch wichtig für viele von uns", wie Schutzki betonte.

Unter den weiteren Ehrengästen befanden sich auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, und der jüdische Journalist Samuel Laster. Der Regens des Wiener Priesterseminars, Richard Tatzreiter, der seit 2009 in der Pfarre Bruckhaufen als Pfarrer tätig ist, betonte, dass es ihm von Anfang an eine Herzensangelegenheit gewesen sei, mit den muslimischen Nachbarn im Dialog zu stehen. "Ich glaube, es ist eine große Chance, dass wir hier im Kleinen vorleben, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung in derselben Gesellschaft zusammenleben können", sagte er.

Bevor die Menschenkette gebildet wurde, ließen die fünf Religionsvertreter vor dem Islamischen Zentrum Wien jeweils eine weiße Friedenstaube fliegen. Die Teilnehmer der Menschenkette reichten einander anschließend die Hände und waren zudem mit roten und weißen Bändern miteinander verbunden - ein Bekenntnis an die gemeinsame Heimat Österreich.