Tatsächlich, so kann man ruhig hinzufügen, was wäre nicht nur die Kirche, sondern auch Österreich, Europa, die Welt ohne das Lebenszeugnis und das vielfältige Wirken der unterschiedlichen Ordensgemeinschaften?
Bis heute prägen nicht nur die imposanten Stifte der Chorherren und Mönche unser Land, auch die zahlreichen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen der Ordensgemeinschaften erfreuen sich hoher Beliebtheit. In der Geschichte Österreichs zeigt sich seit der Zeit Josephs II aber auch die fatale Tendenz, Orden nach ihrem konkreten gesellschaftlichen Engagement oder „Nutzen“ zu beurteilen.
Fatal deshalb, weil sich das „geweihte Leben“ nach den evangelischen Räten, wie man die Gelübde der ehelosen Keuschheit, der Armut und des Gehorsams auch nennt, unverständlich bleiben muss, wenn man sie nicht in erster Linie als Christusnachfolge und damit“ Leben nach dem Evangelium“ begreift.
Genau das wollte aber Papst Johannes Paul II in den Mittelpunkt stellen, als er in seinem apostolischen Schreiben „Vita Consecrata“ von 25. März 1996, den 2. Februar, das Fest der „Darstellung des Herrn“, zum „Tag des geweihten Lebens“ erklärte. Im Leben der Christen in einer Ordensgemeinschaft, einem Säkularinstitut oder - wie es das II. Vatikanische Konzil neu ermöglichte - als Eremit oder geweihte Jungfrau bzw. Witwe wird, so der Papst, auf exemplarische Weise sichtbar, wozu jeder Christ durch die Taufe berufen ist: zu einer persönlichen Freundschaft und Nachfolge Christi. Tatsächlich sind Klöster und Orden bis heute wichtiger Bezugspunkt und Quelle der Inspiration für Christen, aber auch für Menschen außerhalb der Kirche. Darum, so der Papst, ist der Tag des geweihten Lebens zuerst ein Tag der Freude und des Dankes für alle Christen.
Mit seiner Einrichtung wollte Johannes Paul II aber auch ausdrücklich bewirken, dass die Angehörigen der Gemeinschaften diesen Tag als ihren eigenen Feiertag begehen. Im Zentrum sollen die Freude an und der Dank für die persönliche Berufung stehen.
Eine Freude, die in Zeiten großer, oft schmerzhafter Veränderungen für die Gemeinschaften vielleicht die größte Herausforderung ist.Gerade in Europa, das den Ordensgemeinschaften so viel an religiöser und kultureller Prägung verdankt, scheint das Ordensleben vor allem infolge mittlerweile jahrzehntelangen, mangelnden Zuwachses in einer epochalen Krise zu stecken.
Ein Blick in die Geschichte der Orden selbst kann da allerdings helfen: Tatsächlich sind viele Gemeinschaften im Lauf der Jahrhunderte beinahe oder auch tatsächlich verschwunden. Viele sind, nicht selten unerwartet wieder aufgeblüht, andere ganz neu entstanden. „Succisa virescunt“ ("Abgehauenes blüht neu auf")ist nicht umsonst einer der Devisen mancher Gemeinschaften. So gesehen, gibt es auch am 2. Februar 2020 für die Institute des geweihten Lebens aufs Ganze gesehen allen Grund zu Hoffnung und Freude.
Übrigens hat Papst Johannes Paul II einen weiteren weltweiten Tag des kontemplativen Ordenslebens jährlich am 21. November hinzugefügt. Die in Klausur und Abgeschiedenheit lebenden Mönche und Nonnen bilden die ältere Form des christlichen Ordenslebens ab. In unserer Erzdiözese gibt es zurzeit fünf kontemplative weibliche Ordensgemeinschaften, davon drei im Vikariat Stadt.
Im Gebiet der Erzdiözese Wien leben und wirken aktuell 1091 Ordensfrauen und 863 Ordensmänner in 64 weiblichen bzw. 54 männlichen Instituten des geweihten Lebens.
In Österreich gibt es derzeit insgesdamt 109 weibliche und 86 männliche Ordensgemeinschaften. Rund 4.900 Ordensfrauen und -männer wirken im Land. Die 232 Ordensschulen werden von mehr als 51.000 Schülerinnen und Schülern besucht.
In den 23 Ordensspitälern wurden im Vorjahr rund 545.000 Patienten stationär oder tagesklinisch und weitere 1,47 Millionen Patienten ambulant betreut. Es gibt 500 heimische Ordensarchive bzw. -bibliotheken mit vier Millionen Büchern.