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28.08.2020

Hoffnung

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, in der Zeitung "Heute", am Freitag, 28. August 2020.

Vor zehn Jahren sahen noch 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung die Zukunft mit Optimismus. Nach einer neuen STANDARD-Umfrage sind es jetzt nur mehr die Hälfte, 35 Prozent. Die erklärten Pessimisten sind auf 28 Prozent gestiegen. Auch ich muss zugeben, dass ich heute in mancher Hinsicht pessimistisch bin, in anderen Bereichen optimistisch. Vor allem aber: Ich habe die Hoffnung. Sie ist stärker als alles Negative.


Pessimistisch bin ich bezüglich des Klimawandels, hoffe aber, dass wir noch umdenken. Sehr pessimistisch bin ich bezüglich des weltweiten Waffenhandels. Es gäbe längst keinen Krieg mehr im Nahen Osten, wenn nicht so viele am Waffenhandel ihr gutes Geschäft machen würden. Pessimistisch bin ich betreffend die Flüchtlingsströme. Die himmelsschreienden Ungleichheiten werden weiter viele von zu Hause forttreiben.


Und dennoch ist die Hoffnung stärker. Jedes Neugeborene ist ein hoffnungsvoller Anfang. Die Jugend ist zukunftsorientiert. Unverbesserlich optimistisch bin ich, was das Gute im Menschen betrifft. Das zeigt sich gerade in Zeiten wie unseren, die wohl schwieriger werden. Vielleicht werden sie gerade deshalb auch menschlicher.