Nur wenige Tage nach Neujahr ist Wolfgang Linhart verstorben. Er prägte vier Jahrzehnte lang den SONNTAG und die Medienarbeit der Erzdiözese Wien.
Gestern Sonntag, den 4. Jänner 2026, ist unser langjähriger Kollege Wolfgang Linhart nach langer Krankheit im 68. Lebensjahr verstorben. Mit ihm verlieren wir einen Journalisten, der über vier Jahrzehnte hinweg wesentlich zum Profil des SONNTAG, der Kirchenzeitung der Erzdiözese Wien, beigetragen hat. Sein Name ist untrennbar mit der Geschichte dieses Mediums verbunden –vor allem aufgrund seines Engagements, seiner Haltung, und seiner unverwechselbaren Art, journalistisch zu arbeiten.
Wolfgang Linhart begann 1982 als junger Redakteur beim damaligen Wiener Kirchenblatt. Er kam aus der praktischen Journalistenausbildung und verstand seinen Beruf konsequent als Handwerk: recherchieren, zuhören, präzise formulieren. In seinen frühen Jahren entwickelte er Fotos noch selbst, schrieb nachts an der Schreibmaschine und war an Wochenenden auf unzähligen Terminen unterwegs. Diese Zeit prägte ihn – und sie prägte auch seine Vorstellung davon, was guter Journalismus leisten muss: Nähe zu den Menschen, Sorgfalt im Detail und die Bereitschaft, sich wirklich einzulassen. „Du musst dir Zeit nehmen und extrem neugierig sein, und du musst wirklich mit jedem reden können“, war sein Credo. Und so haben ihn wohl viele von uns in Erinnerung: einen großen, talentierten Kommunikator ohne Allüren. Nicht immer bequem, aber immer aufrichtig, wach und verlässlich.
Neben seiner redaktionellen Arbeit war er viele Jahre auch als Pfarrbetreuer tätig und lernte dabei den Großteil der Pfarren unserer Erzdiözese kennen. Diese Begegnungen haben seinen Blick auf Kirche und Kommunikation nachhaltig geprägt. Später wurde er Chef vom Dienst – eine Rolle, in der er die technische und organisatorische Verantwortung für die Produktion der Zeitung trug.
Zu seinen besonderen persönlichen Anliegen zählte die Recherche der Diözesangeschichte. Er war selbst ein wandelndes Archiv, jemand, der Jahreszahlen, Namen, Zusammenhänge und Anekdoten mit einer Selbstverständlichkeit parat hatte, die andere staunen ließ. Einen Namen hat er sich auch mit spontanen Initiativen gemacht, die weit über den Redaktionsbetrieb hinauswirkten – etwa mit der Rettung des Papstkreuzes im Donaupark oder der Wiederauffindung des überlebensgroßen Kruzifixes, das der Osttiroler Holzschnitzer Josef Troyer ursprünglich für das Herold-Verlagshaus geschaffen hatte. Das Kreuz war nicht nur in Vergessenheit geraten, sondern in einer Abstellkammer verschwunden. Wolfgang fand es – und setzte durch, dass es im Stiegenhaus der Singerstraße 7 wieder einen würdigen Platz erhielt.
Im November 2023 wurde Wolfgang Linhart anlässlich des 175‑Jahr‑Jubiläums des SONNTAG mit der Stephanusmedaille in Silber ausgezeichnet. Er war schon damals von seiner Erkrankung gezeichnet, mit der er tapfer und offen umging. Wenige Monate später trat er in den Ruhestand. Wir behalten ihn als verlässlichen Kollegen in Erinnerung, der seine Aufgaben mit viel Herz und Energie erfüllte und dessen Arbeit nicht nur den SONNTAG, sondern die kirchliche Medienlandschaft in Wien über Jahrzehnte geprägt hat. Seine Handschrift bleibt – in Geschichten, Erinnerungen vor allem aber in der unverwechselbaren Art, wie er kirchliche Kommunikation verstanden und gelebt hat.