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04.03.2015

„Eingefahrene Pfade aufbrechen“

"Meine Überzeugung ist, die Wahlfreiheit optimal anzubieten. Die Familien sollen ihr Familien- und Berufsleben so gestalten können, wie sie das für richtig empfinden", so die Familienministerin. 

Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin (VP): Ihr Familienbegriff ist sehr weit, und ihre Wortmeldungen stoßen bei Katholiken nicht immer auf Zustimmung.

 

Der SONNTAG hat nachgefragt – was sie vorhat, wie sie Wahlfreiheit versteht und wie es ihr, der zweifachen Mutter, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht.

Frau Ministerin, es gibt ein Zitat von Ihnen: „Mir war das nie so richtig bewusst, unausgesprochen war das immer mein Lebenstraum, Familienministerin zu sein.“ Ist das noch immer so?

 

Sophie Karmasin: Es ist kein Traum, sondern Realität, und ich arbeite jeden Tag daran, dass Österreich das familienfreundlichste Land Europas 2020 bis 2025 wird. Da gibt es noch eine Menge zu tun.

 


Sie sind Mutter zweier Söhne. Wie vereinbaren Sie selbst Familie und Beruf?

 

Sophie Karmasin: Für uns ist Familie das Wichtigste. Mein Mann und ich stellen das in der Prioritätenliste an die erste Stelle. Unsere Mütter helfen auch in der Kinderbetreuung. Aber es gibt die diversen unvorhersehbaren Situationen, wenn Kinder erkranken, oder ihr Unterricht früher endet. Mein Mann und ich teilen dieselbe Grundhaltung und dann werden diese Herausforderungen situativ geklärt.

Es gibt eine Vielzahl von Leistungen für Familien. Trotzdem empfinden die Menschen hierzulande nicht so eine Familienfreundlichkeit. Woran liegt das?

 

Sophie Karmasin: Das ist das Komplexe an der Situation, dass wir in den Geldleistungen im europäischen Durchschnitt sehr großzügig sind und viel in Familien investieren: Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Schulbücher, Freifahrten. Dennoch ist die Stimmungslage nicht merkbar familienfreundlich.

 

Da geht es offenbar nicht um das Geld, sondern um die grundsätzliche Haltung gegenüber Familien und die Frage: Wie wichtig ist uns Familie wirklich? In allen Umfragen rangiert sie ganz oben, aber wie spüren wir das gesellschaftlich, und wie können wir das leben?

 

Wie gut kommt die Ansage in Unternehmen, wenn Männer sagen, ich muss um 16 Uhr 30 gehen, weil mein Kind vom Kindergarten abzuholen ist, oder ich muss über Mittag drei Stunden nach Hause, weil das Kind krank ist? Das stößt noch nicht auf ungeteilte Akzeptanz. In anderen Ländern ist das sehr wohl der Fall, die zwar weniger für Familien ausgeben, aber eine andere Grundhaltung haben.

Wie können Sie sich dabei einbringen?

 

Sophie Karmasin: Das Thema immer präsent halten und darauf hinweisen, dass jeder Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich dabei einbringen muss. Dann gibt es viele politische Instrumente, die wir versuchen umzusetzen, wie den Ausbau der Kinderbetreuung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein ganz wichtiger Punkt.

 

Wahlfreiheit ist ein Schlagwort, die Familien müssen zwischen mehreren Optionen wählen können, wie sie Familie leben und nicht eingeschränkt sind mit Kindergartenzeit oder keinen Teilzeitmodellen im Beruf. Im Vergleich zu nordeuropäischen Ländern sind wir dabei Lichtjahre entfernt. In Schweden sind 90 Prozent der Einjährigen in einer Kinderbetreuungseinrichtung. Ich denke, wir sollten uns durch solche Modelle inspirieren lassen.

 

Auch Modelle der Väterkarenz sind wichtig, denn die Rolle des fürsorglichen Vaters ist in unserer Gesellschaft noch nicht so etabliert. Daher ist es ein wichtiges Ziel, dass sich Männer in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterentwickeln. Wir planen gerade einen Partnerschaftsbonus im Rahmen des Kinderbetreuungsgeldes, um die Motivation zu stärken, dass sich Väter und Mütter halbe/halbe in die Kinderbetreuung einbringen.

Thema Wahlfreiheit. Gibt es Ihrerseits eine Wertung zwischen der Entscheidung für einen Betreuungsplatz für einjährige Kinder, oder dem Zuhausebleiben eines Elternteils, bis das Kind zwei, drei Jahre alt ist?

 

Sophie Karmasin: Meine Überzeugung ist, die Wahlfreiheit optimal anzubieten. Die Familien sollen ihr Familien- und Berufsleben so gestalten können, wie sie das für richtig empfinden und nicht wie ein gesellschaftliches Wert- und Normenbild oder die organisatorischen und infrastrukturellen Möglichkeiten es ihnen nahelegen. Deswegen wollen wir ja bei den Kinderbetreuungsplätzen aufholen.

 

Beim Kinderbetreuungsgeld wollen wir auch nicht in eine Richtung lenken. Wenn ich mich entscheide, zwölf Monate Kinderbetreuungsgeld zu beziehen, bekomme ich in Summe weniger heraus, als wenn ich mich für 30 Monate entscheide. Das ist für mich nicht Wahlfreiheit, sondern Lenkung. Daher möchten wir auf ein Kontosystem umstellen, wo wir einen Betrag für ein Kind definieren, der innerhalb eines Korridors beziehbar ist.

 

Meine Idealvorstellung ist, beide Elternteile reduzieren eine Zeit lang ihre Arbeitszeit und können sich beide optimal um das Kind kümmern. Und warum denken wir die Teilzeit nur immer bei den Frauen? Je länger wir sagen, das können sich Männer nicht leisten, wegen Job- oder Einkommensnachteilen, wird sich nie etwas ändern. Man muss die eingefahrenen Pfade aufbrechen, um mehr Lebensqualität für Männer, Frauen und Kinder zu erreichen.

Apropos eingefahrene Pfade. Das traditionelle Familienbild beschreibt Vater, Mutter, Kind. Zunehmend gibt es aber auch andere Familienmodelle. Wie sehen Sie das?

 

Sophie Karmasin: Ich definiere Familie als Ort, wo man sich zu Hause fühlt. Das besagt noch nicht in welcher Rechtsform, mit welchem Alter, mit welchem Geschlecht sich die Familie bildet. Ich sehe Familie eher vom Gefühl als Wertesystem und nicht als Rechtssystem. Das wäre nicht wertschätzend. Da spreche ich von alleinerziehenden Familien, von Adoptionsfamilien, Pflegefamilien, Mehrgenerationenfamilien und noch gar nicht von gleichgeschlechtlichen Familien. Ich scheue mich, eine Wertung vorzunehmen. Natürlich funktionieren in Österreich 80 Prozent der Familien über Vater, Mutter und Kind.

Ist es für Sie denn unzulässig zu sagen, Kinder sollten nach Möglichkeit mit Vater und Mutter aufwachsen können?

 

Sophie Karmasin: Selbstverständlich ist das eine Zielsetzung, die anzustreben und anzuerkennen ist. Wichtig dabei ist selbstverständlich, dass auch die Beziehung stimmt. Nur weil es Vater, Mutter und Kind sind, heißt das noch lange nicht, dass das eine intakte und positive Familie ist.

Einsamkeit nimmt zu. Wie beschäftigt Sie als Familienministerin dieses Thema?

 

Sophie Karmasin: Das ist leider eine sehr negative Entwicklung unserer Gesellschaft. Großfamilien mit mehreren Generationen sind ein sehr schöner Zugang zu Familie, den wir fördern und stärken sollten. Zum Beispiel im Wohnbau mit Mehrgenerationenbauten. Es gibt Modelle wo ältere Menschen über Tag in betreuten Wohneinheiten sind, auch mit Kindern zusammenkommen, und am Abend wieder in ihren Familien. So kann man Integration von älteren Menschen fördern.

Die Ökonomisierung der Gesellschaft spielt dem Familienideal entgegen. Beschäftigt sich Ihr Ministerium  mit den daraus folgenden Herausforderungen?

 

Sophie Karmasin: Wir arbeiten derzeit gemeinsam mit Unternehmen an einer Plattform, um gemeinsam darzustellen, dass Familienfreundlichkeit nicht nur für die Familien, sondern auch für Unternehmen sehr wichtig ist. Denn es ist der Schlüssel, um Mitarbeiter länger zu binden und die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Letztendlich müssen nicht die Familien jobfreundlicher werden, sondern die Unternehmen familienfreundlicher.

Hat der freie Sonntag als ein Tag, an dem die ganze Familie zusammenkommen kann, eine besondere Bedeutung?

 

Sophie Karmasin: Ja. Ich glaube, wir müssen wirklich danach trachten, dass wir genügend gemeinschaftliche Punkte und Erlebnisse für Familien haben. Das ist heutzutage gar nicht mehr so leicht. Es ist alles flexibler, schneller geworden. Auch wenn es banal klingt, ich halte die gemeinsamen Fernsehereignisse für wichtig, einfach um gemeinsam Zeit zu verbringen.

 

Da geht es nicht immer um hochintellektuelle Geschichten, sondern es geht darum, dass man als Familie etwas gemeinsam tut. Ob das tägliche Frühstück, das Abendessen, der Spaziergang am Sonntag, ein Messbesuch, wichtig ist, dass wir die gemeinsamen Erlebnisse fördern.

Wie geht es Ihnen mit dem lieben Gott? Spielt er eine Rolle, wenn ja, welche?

 

Sophie Karmasin: Ich bin keine regelmäßige Kirchgängerin, aber über die Pfarrgemeinde meiner Kinder habe ich sehr viel Nächstenliebe kennen gelernt. Auf dieser kleinen Ebene passiert sehr viel an Vertrauen und Liebe, das finde ich sehr positiv.

erstellt von: Der Sonntag / Michael Prüller / Stefan Hauser
04.03.2015
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Über die Familienministerin:

Sophie Karmasin, geboren 1967, studierte Psychologie und Betriebswirtschaftslehre.

Sie arbeitete bei Werbeagenturen und als Produktmanagerin. Sie war in der Motivforschungsagentur ihrer Eltern und jahrelang als politische Analystin im ORF tätig. Im Dezember 2013 wurde sie als Parteiunabhängige von der ÖVP zur Familien- und Jugendministerin nominiert.

Sophie Karmasin ist verheiratet und Mutter zweier Söhne.


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Sr. Franziska Madl OP schreibt ihre Gedanken zum Evangelium zum Pfingstsonntag (31.5.2020)

Vom anderen her, auf andere hin (Joh 17,1-11)

Markus Muth und Boris Porsch schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 7. Sonntag der Osterzeit  (24.5.2020)

Ich mag Liebesfilme (Joh 14,15-21)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 6. Sonntag der Osterzeit (17.5.2020)

Im Mai durch das ganze Nordvikariat

Bischofsvikar Stephan Turnovszky: Bitte um Mariens Schutz und Hilfe

Wer fragt, bekommt eine Antwort (Joh 14,1-12)

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 5. Sonntag der Osterzeit (10.5.2020)

Hilfe für Mütter in Not

Muttertag ist trotzdem

Öffnet die Türen (Joh 10,1-10)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Sonntag der Osterzeit (3.5.2020)

Begegnung am Tiefpunkt (Joh 21,1-14)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Sonntag der Osterzeit (26.4.2020)

Durch verschlossene Türen (Joh 20,19-31)

Sr. Franziska Madl OP schreibt ihre Gedanken zum Evangelium zum Sonntag der Barmherzigkeit (19.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist mächtig

Die eigentliche Macht der Kirche sind aber das Wort und die Tat.

Vorurteil oder nicht? Wasser predigen und Wein trinken

Was meint die Rede von der „glücklichen Schuld“ in der Osternacht?     

„Die Diagnose war der Anfang, nicht das Ende“

Diagnose Brustkrebs: Über ein Jahr lang  kämpft die zweifache Mutter mit der Erkrankung, erfolgreich.

Keine Sympathie für Pilatus (Mt 27,1-26)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum Palmsonntag (5.4.2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist konservativ.

Ist die Kirche zu konservativ?

Durchkreuzt: Keine Antwort auf das Warum?

Ein Gott, bei dem uns alles klar wäre, ist nicht der Gott Jesu Christi.

Auferweckung ist nicht gleich Auferstehung (Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45 )

Br. Günter Mayer SDB: Evangeliumsauslegung zum 7. Fastensonntag (29.3.2020)

Vorurteil oder nicht? Ignoranz und Vertuschung

Der Skandal des Vertuschens

Weihbischof Turnovszky: Unser aller Leben hat sich schlagartig verändert

Corona und die Folgen, Weihbischof Turnovszky zur aktuellen Lage und wie sich auch sein Tagesablauf verändert hat.

Fürchtet euch nicht

Vom Umgang mit der Angst

Jetzt ist die Zeit der anderen Backe

Darauf müssen wir uns einfach einstellen. Lassen wir die Unduldsamkeit an der Liebe zerschellen!

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Freude einüben, Leben schöpfen (Joh 9,1)

Barbara Ruml: Evangeliumsauslegung zum 4. Fastensonntag (22.3.2020)

Christus, Heil der Kranken...

Es ist nicht mangelndes Gottvertrauen wenn wir medizinisch vorsichtig sind

Lebendig (Joh 4,5-26. 39a. 40-42)

Markus Beranek: Evangeliumsauslegung zum 3. Fastensonntag ( 15. März 2020)

Vorurteil oder nicht? Die Kirche ist: Verstaubt oder zeitgemäß?

Ist der Glaube und die Kirche überhaupt (noch) zeitgemäß.

Nach 66 Tagen.

Ein Kind, das lebensverkürzend erkrankt, verändert eine ganze Familie und die Hospizarbeit in Österreich.

Vorurteil oder nicht?: Nur Kinder, Küche und Kirche?

Welche Rolle spielen die Frauen in der Kirche? Sind Frauen generell spiritueller als Männer?

Hoffnung und Trost aus Stein und Glas?

Es macht nachdenklich, wenn Kirchen in Zeiten von Angst und Verunsicherung gesperrt werden.

Es ist gut, dass wir hier sind! (Mt 17, 1-9)

Sr. Franziska Madl OP: Evangeliumsauslegung zum 2. Fastensonntag (8.3.2020)

„Passionswege“ durch die Fastenzeit: Völlig allein gelassen

Die Geschichte eines Missbrauchs: Mit einem Mal ist die Zeit wieder präsent. Die Ereignisse liegen 40 Jahre zurück.

Genau hinschauen (Mt 4, 1-11)

Markus Muth und Michael Haller schreiben ihre Gedanken zum Evangelium zum 1. Fastensonntag, (1. März 2020)

Vorurteil oder nicht?: Zwischen Glaube und Geld

Den gängigsten Vorurteilen gegen die katholische Kirche auf den Grund gegangen.

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Neuer Online-Auftritt und wöchentliches Digital-Abo

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Hilfe für unbegleitete Flüchtlinge in Bosnien

„Pfarrnetzwerk Asyl“ hilft jugendlichen  Flüchtlingen konkret vor Ort in der Stadt Bihac.

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Expertin Brigitte Pregenzer gibt Tipps für eine wohltuende Reinigungskur, für Pollen-Allergiker und bei Frühjahrsmüdigkeit.

Gelassen pilgern durch das Weinviertel

Auf 153 Kilometern führt der „Jakobsweg Weinviertel“ von Drasenhofen nach Krems.

„Wir wollen nicht nationale Not gegen andere ausspielen“

Interview mit Andreas Knapp, Auslandshilfechef der österreichischen Caritas.

„In der Bibel ist immer Fasching“

Auch wenn der Fasching keine explizit kirchliche Erfindung ist, offensichtlich gibt es durchaus biblische Anleihen für ausgelassenes Feiern.

Genussvoll glauben: Immer der Nase nach

In dieser Ausgabe widme ich mich den Freuden, die wir uns durch Gerüche und Düfte bereiten können.

Nicht schon wieder! (Mt 5,38-48)

Elisabeth Birnbaums Evangeliumsauslegung zum 7. Sonntag im Jahreskreis (23.2.2020)

Neue Lektüre für Klein und Groß

Warum auch Erwachsene das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch unbedingt zur Hand nehmen sollten, haben wir uns für Sie angeschaut.

Was tun bei Demenz?

Kurse und Lehrgänge vermitteln grundlegendes Wissen und einige hilfreiche Methoden und Ideen für einen stressarmen Alltag

Durchkreuzt: Einfach da sein dürfen vor Gott - ein Interview

Schicksalsschläge werfen oft aus der Bahn. Benediktinerpater Martin Werlen im Interview

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