
Ein kurzer Post in den sozialen Medien, der nicht mit Empörung, sondern mit Hoffnung endet. Verkündigung ist mehr als eine Predigt am Ambo; sie ist die Bewegung des Evangeliums durch die Zeit, das Echo eines Zuspruchs, der Herzen erreicht, weil er aus der Nähe Gottes kommt. Christus selbst ist der erste Verkündiger – und die Kirche lebt davon, dass sie seine Stimme nicht nur wiederholt, sondern in die konkreten Fragen von heute übersetzt.
Verkündigung ist keine Reklame. Sie wirbt nicht für ein Produkt, sondern lädt in eine Beziehung ein. Sie steht nicht über den Menschen, sondern begibt sich neben sie: hörend, tastend, manchmal stammelnd, immer der Wahrheit verpflichtet. In ihr liegen drei Töne, die einander tragen: die Zusage („Du bist geliebt“), der Ruf („Kehre um, lebe neu“), und die Hoffnung („Der Tod hat nicht das letzte Wort“). Wer verkündet, verleiht der Hoffnung Fleisch und Blut – in verständlicher Sprache, in der Musik des Alltags, in Gesten, die nicht groß erscheinen müssen, um groß zu sein.
Zeitgemäße Verkündigung scheut die neuen Areopage nicht: Podcasts, Kurzvideos, offene Gesprächsformate, City-Pastoral. Doch der Maßstab bleibt der gleiche wie in Nazareth, Galiläa, Jerusalem: Glaubwürdigkeit. Das Wort wirkt dort, wo es von einem Leben getragen ist, das sich prüfen lässt – in Umgangston, Fairness, Zivilcourage, Barmherzigkeit. Diakonie ist die zweite Stimme der Verkündigung: Wenn die Kirche pflegt, tröstet, bildet, schützt, dann predigen ihre Hände.
Manchmal geschieht die Kraft der Verkündigung im Kleinen: Ein Firmkurs, in dem ein Jugendlicher zum ersten Mal spürt, dass seine Fragen ernst genommen werden. Eine Trauerfeier, in der das Licht über einem Sarg nicht aufgesetzt wirkt, sondern erbeten, erhofft, erlitten. Eine Bibelstelle, die plötzlich trifft – wie ein Schlüssel, der ein altes Schloss öffnet. Verkündigung ist dieses Aufschließen: nicht das Überschreiben der Biografien, sondern ihr Durchleuchten mit dem milden Licht Gottes.
Und so bleibt der Auftrag derselbe: „Geht hinaus“ – nicht triumphal, sondern beziehungsstark. Nicht siegesgewiss, sondern hoffnungstrotzig. Verkündigung ist der Mut, in einer lauten Welt ein wahrhaftiges Wort zu riskieren, das nicht verletzen will, sondern heilt. Sie ist eine Kunst des Hörens, eine Schule der Nähe, ein Dienst an der Freiheit. Vor allem aber ist sie der Ort, an dem sich Christus wieder vorstellt: leise, beharrlich, menschenfreundlich.