Einen breiten Schulterschluss für den Frieden haben Kirchen und Religionsgemeinschaften am Sonntag, 8. März 2026, in Wien geübt. Vertreter von zehn Religionsgemeinschaften haben dazu auf dem Gelände des "Campus der Religionen" die "Wiener Erklärung - Religionen für den Frieden" unterzeichnet.
Darin halten sie fest, dass sie sich aus dem Glauben als "kraftvolle Basis" heraus gemeinsam für den Frieden einsetzen, jeden "Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt" und jede "Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens" verurteilen und sich verpflichten, das gegenseitige Verständnis in den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu stärken.
"Wir appellieren an unsere Gemeinden und an alle Menschen, die in Wien leben, sich unermüdlich für den Erhalt des friedlichen und respektvollen Miteinanders in unserer Stadt einzusetzen", heißt es in der Erklärung, die zunächst am 9. Jänner 2025 von Kardinal Christoph Schönborn, Oberrabbiner Jaron Engelmayer und dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, unterzeichnet worden war.
Nun haben sich in dem feierlichen Akt auch andere Religionsgemeinschaften dieser Erklärung angeschlossen, um so ein "gemeinsames Zeichen für ein friedvolles, konstruktives und respektvolles Miteinander" zu setzen. Im Anschluss an die Unterzeichnung wurde das Dokument als Zeitkapsel eingemauert.
Unterzeichnet wurde die Erklärung am Sonntag von Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Superintendent Matthias Geist (Evangelische Kirche A.B.), Walter Hessler (Neuapostolische Kirche in Österreich), Gursharan Singh Mangat (Sikh Gemeinde Österreich), Sunil Narula (Hindugemeinschaft Österreich), Archimandrit Ilias Papadopoulos (Ökumenisches Patriarchat Metropolis von Austria), Superintendent Stefan Schröckenfuchs (Evangelisch-methodistische Kirche), Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Imam Ermin ehic (Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich), Gerhard Weissgrab (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft) sowie von Harald Gnilsen (Verein Campus der Religionen).
Der Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki unterstrich den weit über Österreich hinausreichenden Signalcharakter der Erklärung: Es sei ein "großartiges Zeichen des Friedens, des Miteinanders, der Toleranz und des Respekts", so Schutzki. Damit sei es zugleich "ein Zeichen für die ganze Welt", dass es möglich ist, in einer Zeit der Spaltung, Kriege und Orientierungslosigkeit Frieden, Toleranz, Dialog und Respekt als "wahre Fundamente unserer Zeit und unserer Welt" in den Vordergrund zu stellen.
Der evangelisch-lutherische Superintendent Matthias Geist sah die Erklärung eingebettet in das gesamte Engagement der Religionsgemeinschaften für den Frieden; ein Engagement, das sich im "Leuchtturmprojekt" des "Campus der Religionen" zeige und nun in der "Wiener Erklärung" eine weitere Bekräftigung erfahre. "Mit unseren Unterschriften unter diese Friedenserklärung bekräftigen wir die große Sehnsucht vieler Menschen und treten sehr bewusst für das menschliche Miteinander in einer leider so zerrissenen Welt ein", so Geist in einer Stellungnahme.
Der evangelisch-methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs ergänzte, dass die Erklärung der Mitglieder des Campus ein Zeichen sein wolle, "dass friedliches Miteinander auch in großer Vielfalt möglich ist". Die religiöse Vielfalt sei dabei kein Problem; vielmehr verbinde alle Religionen die Überzeugung, ein "Geschöpf zu sein, das eine Würde hat; und ein Gegenüber, das gar nicht so anders ist als ich. Wir atmen dieselbe Luft; wir werden von derselben Erde genährt. Wir trinken dasselbe Wasser. Und jedem von uns kann es nur dann gut gehen, wenn es auch dem oder der anderen gut geht", so Schröckenfuchs.
Der orthodoxe Wiener Archimandrit Ilias Papadopoulos bezeichnete den Versuch eines gemeinsamen Friedenstiftens als langwierige und oft mühsame Aufgabe - "und doch ist es die einzige Hoffnung für die Wiederherstellung unserer gebrochenen Welt". In dieser Situation sei die "Wiener Erklärung" ein wichtiger Meilenstein, der zum Ausdruck bringe: "Wo Hass herrscht, wollen wir Verständnis bringen. Wo Zwietracht herrscht, wollen wir verbinden."
| "Wiener Erklärung" im Wortlaut |
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"In Wien gibt es eine gute, tragfähige und konstruktive Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften. Sie ist auch Frucht eines langjährigen Dialogs in unserer Stadt. Aus dieser Erfahrung und aus unserer gemeinsamen Verantwortung setzen wir uns für den Frieden ein - in der Überzeugung, dass der Glaube eine kraftvolle Basis für ein friedliches Zusammenleben sein kann. |