In zwei Vorträgen Ende März rückt die Wiener "Akademie am Dom" die theologische Rede vom Heiligen Geist (Pneumatologie) in den Fokus. Diese Lehre, die die Basis des Pfingstfestes bildet, friste häufig ein "Schattendasein", dabei sei der Heilige Geist im Christentum doch eigentlich eine "dynamische und mitunter auch unbequeme Größe", so die "Theologischen Kurse". Referent für die beiden Vorträge am 25. März ist der Münchner evangelische Dogmatiker Prof. Jörg Lauser.
Dieser hatte zuletzt in der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" den Heiligen Geist als "Unruhefaktor" und "Motor" der Geschichte" bezeichnet, der immer wieder überraschende Aufbrüche ausgelöst habe. Zugleich könne die Berufung auf den Geist auch problematische Formen annehmen, wo Menschen dazu neigten, die Kraft des Geistes für sich selbst zu beanspruchen und dabei zu vergessen, dass in ihnen etwas wirke, das größer sei als sie selbst.
Den Auftakt bildet um 16 Uhr der Vortrag "Geronnene Lava - Was hat das Christentum der Welt gebracht?" Darin werde Lauster der Frage nachgehen, wie aus der anfänglichen Erwartung der ersten Christinnen und Christen, das Ende der Welt stehe unmittelbar bevor, innerhalb weniger Generationen eine stabile religiöse Lebensform entstehen konnte. Möglich wurde diese Entwicklung unter anderem durch die Ausbildung kirchlicher Strukturen und Ämter, verlässlicher liturgischer Formen sowie durch prägende Ideale wie die Nächstenliebe - und somit durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Um 18 Uhr folgt der Vortrag "Der Heilige Geist - Eine Biografie". Darin wird sich Lauster der christlichen Vorstellung vom Geist Gottes als wirksamer Gegenwart Gottes in der Welt widmen. Der Geist bleibe schwer fassbar und entziehe sich eindeutigen begrifflichen Festlegungen - in der biblischen Tradition wird er mit Bildern wie Wind oder Sturm beschrieben.